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Im Strudel der Möglichkeiten

„Wir brauchen grünes Licht“, sagte Planer Christof Weigel nach knapp vier Stunden Beratung über die Sanierung und Neugestaltung der Fußgängerzone. Um weiter planen und die Kosten berechnen zu können, brauche er Grundlagen, etwa zu Standorten und Anzahl von Bäumen, Leuchten oder Sitzbänken. Dieses grüne Licht bekam er in der Sondersitzung des Gemeinderats am Donnerstagabend aber nicht.

Bemusterung: Bauamtsleiter Dieter Wanner zeigt den Stadträten Mülleimermodelle für die Fußgängerzone.Foto: Andreas Becker
Bemusterung: Bauamtsleiter Dieter Wanner zeigt den Stadträten Mülleimermodelle für die Fußgängerzone. Foto: Andreas Becker

Marbach. Stattdessen gab es klare Worte von CDU-Rat Jochen Biesinger. Er habe zwar Verständnis dafür, dass Christof Weigel weiterplanen wolle, gab aber zu bedenken: „Das sind Beteiligungsprozesse und wir sind noch nicht so weit.“ Ähnlich äußerte sich auch Grünen-Stadträtin Barbara Eßlinger: „Wir sollten erst mal wissen, was wir wollen, ich sehe nicht, dass wir das am 19. November beschließen können.“ Hintergrund: In der Novembersitzung soll eigentlich laut Zeitplan der Baubeschluss gefasst werden.

„Wir müssen Entscheidungen treffen und abstimmen, es geht nicht alles im Konsens“, mahnte dagegen Martin Mistele (Freie Wähler). Schließlich gab es ein Ja zur Vorentwurfsplanung, die nun aber noch mit dem Stadtmarketingverein sowie dem Bereich Kultur und Tourismus abgestimmt werden soll, bevor sie nochmals auf den Ratstisch kommt. Das wäre am 19. November der Fall, wenn eigentlich der Baubeschluss vorgesehen ist. Nun scheint fraglich, ob der Termin zu halten ist. Die Arbeiten sollen nächsten Sommer starten, die Umgestaltung wird zwei Jahre dauern und in sechs Bauabschnitten erfolgen.

Nach einer zweiten Informationsveranstaltung Ende September berieten die Stadträte nun über eine ganze Reihe von Anregungen aus der Bürgerschaft. Und wie sich bei einer Bemusterung von Stadtmobiliar in der Marktstraße im Vorfeld der Sitzung zeigte, fließen manche Ideen auch mit ein. Etwa die Sitzbänke, die multifunktionalen Stelen-Leuchten und die Fahrradbügel. Das alles soll laut Vorschlag des Planers modern und zurückhaltend gestaltet sein. Ob Müllbehälter, in die Pizzakartons entsorgt werden können, oder solche mit extra Zigaretteneimern wie von Stadtbauamtsleiter Dieter Wanner vorgestellt: durch anthrazitfarbene Pulverbeschichtung und klare Formen werden behutsame Akzente gesetzt.

Auf dem Kelterplatz konnte schließlich der künftige Bodenbelag in Augenschein genommen werden. Der leicht rötliche und glatt verlegte Granit aus den Vogesen ersetzt das kippelige Porphyr-Pflaster. Mit einer Mehrheit von 13 Stimmen entschied sich das Gremium schließlich für eine gebundene Bauweise mit Fugenmörtel. Die ist zwar 150000 Euro teurer als eine ungebundene mit kleinen Ritzen, dafür aber leichter zu reinigen. Bei der günstigeren ungebundenen Verlegung müsste die Stadt zudem eine neue, 120000 Euro teure Kehrmaschine anschaffen, die Verschmutzungen aus den Ritzen saugt.

Ein weiterer Punkt: Was wird aus dem Marktbrunnen? Planer Christof Weigel will ihn jedenfalls von seinem hohen Podest herunterholen und eher Richtung Rathaus verlegen, um mehr freie Fläche zu erhalten. Auch hier gab es keine klare Positionierung im Rat. Ebenso wie bei den Vorschlägen aus der Bürgerschaft, weshalb SPD-Rat Ernst-Peter Morlock von der Quadratur des Kreises sprach, da viele Vorschläge seiner Einschätzung nach diametral entgegengesetzt sind „Wir brauchen eine Planung aus einem Guss“, machte Michael Herzog (Freie Wähler) deutlich und CDU-Rat Ulrich Frech warnte davor, „das Auge zu überfrachten“. Grünen-Rat Sebastian Engelmann sah die Gefahr, dass eine Vielzahl unterschiedlicher Elemente die Fußgängerzone bevölkert. Zum von Hendrik Lüdke (Puls) vorgeschlagenen Skulpturenpfad mit Figuren aus Märchen und aus Schillers Werken meinte CDU-Rätin Heike Breitenbücher nur: „Wir müssen uns heute weder für Goldesel noch für Zwerge entscheiden“.

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