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Gesundheitsversorgung

Immer mehr Apotheken geben auf

Zwölf Apotheken im Kreis Ludwigsburg haben in den vergangenen zehn Jahren ihre Türen für immer geschlossen. Der Konkurrenz durch den Versandhandel wird immer größer. Allein im vergangenen Jahr haben drei dicht gemacht.

Auch die Apotheken im Kreis Ludwigsburg haben mit der Konkurrenz des Versandhandels zu kämpfen. Archivfoto: Bernd Wüstneck/dpa
Auch die Apotheken im Kreis Ludwigsburg haben mit der Konkurrenz des Versandhandels zu kämpfen. Foto: Bernd Wüstneck/dpa

Kreis Ludwigsburg. Eine von ihnen ist die Apotheke im Löscher in Möglingen. Ihr Besitzer Götz-Georg Mauthe ist sauer: „Es hat sich einfach nicht mehr gerechnet“, sagt der ehemalige stellvertretende Bürgermeister. „Eigentlich hätte ich schon vor sieben Jahren schließen müssen“, so Mauthe, der noch die Rathaus-Apotheke in Möglingen betreibt. Aber für die alten Menschen vor Ort habe er lange an dem Standort festgehalten. „Das Kundenaufkommen hat dann einfach nicht mehr gereicht.“ Rund 120 Kunden pro Tag braucht es, um eine Apotheke wirtschaftlich zu führen. Zuletzt waren es noch die Hälfte. Hinzu kam die Konkurrenz aus dem Internet: Vor allem die nicht verschreibungspflichtigen Medikamente seien kaum noch verkauft worden. „Aspirin ordern die meisten übers Netz“, so Mauthe.

Im vergangenen Jahr hat auch eine Apotheke im Nordkreis aufgeben müssen. „Manchmal gibt es eben eine zuviel“, sagt der ehemalige Betreiber, der anonym bleiben will. „Da entscheidet dann am Ende, wer die bessere Lage hat, ob es genügend Parkplätze gibt, Ärzte in der Nähe sind.“ 16 Jahre habe er sich gehalten, dann seien die Kosten zu hoch geworden. Er habe versucht, einen Nachfolger zu finden. Vergeblich.

Nach Einschätzung der Landesapothekerkammer ist die Versorgung im Kreis Ludwigsburg zwar sichergestellt. „Aber die Wege für die Patienten werden länger“, sagt Geschäftsführer Dr. Karsten Diers. Er befürchtet, dass sich die strukturellen Probleme in den ländlichen Regionen noch verstärken könnten. So gibt es in sechs der 39 Kreis-Kommunen überhaupt kein Angebot für die Patienten. Dazu gehört im Strohgäu Oberriexingen genauso wie Eberdingen. Besonders die kleineren Gemeinden im Nordkreis müssen auf eine eigene Apotheke verzichten. So etwa in Erligheim, Freudental, Hessigheim und Walheim. „Trotzdem sind Apotheken noch für alle Menschen in angemessener Entfernung zu erreichen“, so Diers weiter. Mittlerweile böten auch viele Einrichtungen an, die Arzneimittel über einen Botendienst bis nach Hause zu liefern.“

Doch das große Problem sei die Konkurrenz aus dem Versandhandel, der vor allem über das Ausland betrieben werde. In diese Kerbe haut auch Gabriele Umminger von der St..Bartholomäus-Apotheke in Markgröningen. Sie sieht die Apotheken vor Ort in einem harten Wettbewerb mit den Online-Anbietern.

Dabei hätten die Apotheken hier ganz andere Aufgaben zu erfüllen. „Dazu gehört die Pflicht zur Beratung, der Nacht- und Sonntagsdienst, Herstellung von Arzneimitteln und vieles andere mehr“. Dazu seien sie nach dem Apothekengesetz verpflichtet. „Die Versandapotheken müssen das nicht – sie sind auch in keiner Weise interessiert daran, da es für sie nur Aufwand und kein Entgelt bedeutet.“ Außerdem müssten die deutschen Apotheken von einem ausgebildete Apotheker geleitet werden, der auch mit seinem Privatvermögen haftet. Auch die Mitarbeiter müssten entsprechend ausgebildet sein. Das sei auch richtig so. Denn Arzneimittel seien keine Waren, wie jede andere.

Deshalb unterstützt sie eine Petition für ein „Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln, um das Bestehen der Apotheke vor Ort in Zukunft zu gewährleisten.“ Nach Meinung der Unterzeichner könne „nur durch eine Präsenzapotheke die flächendeckende vollumfassende Patientenversorgung mit Nacht- und Notdiensten, der Herstellung von individuellen Rezepturen und vielem mehr gesichert werden.“ Bislang haben die Petition knapp 8500 Menschen unterzeichnet. Aber es ist unwahrscheinlich, dass das nötige Quorum von 50.000 Unterschriften bis zum Ende der Zeichnungsfrist am 13. August noch erreicht wird. Die Landesapothekerkammer hält sich mit einer offiziellen Unterstützung zurück. Aber auch sie sieht den Versandhandel als größte Bedrohung der Apotheken. „Das ist reine Rosinenpickerei“ so Geschäftsführer Diers.

Online-Umfrage: Kaufen Sie Medikamente in der Apotheke oder über den Versandhandel ein? Stimmen Sie ab unter www.lkz.de

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