Logo

Immer mehr Schüler in Quarantäne

Ein ungewöhnlich starker Anstieg von Corona-Neuinfizierten beunruhigt Eltern im Landkreis. Denn der Anstieg ist laut Landrat Dietmar Allgaier auf viele positiv getestete Schüler zurückzuführen. Bei den betroffenen Schulen äußert man sich sehr zurückhaltend. Genaue Zahlen gibt es noch nicht.

Die Klassenzimmer bleiben von morgen an bis voraussichtlich zum 11. Januar leer. Foto: Corri Seizinger-stock.adobe.com
Die Klassenzimmer bleiben von morgen an bis voraussichtlich zum 11. Januar leer. Foto: Corri Seizinger-stock.adobe.com

Kreis Ludwigsburg. Die Schule hat gerade mal vor zwei Wochen angefangen, nun scheinen sich die Corona-Fälle zu häufen. Betroffen sind laut der Auskunft des Gesundheitsamtes seit Samstag zwei Klassen einer Schule in Ludwigsburg (es soll sich um eine Berufsschule handeln), vier Klassen der Erich-Kästner-Realschule in Steinheim, vier Klassen am Ellental-Gymnasium in Bietigheim, eine Klasse an der Schule in Sachsenheim und eine Klasse einer Schule in Markgröningen, samt jeweils der betroffenen Lehrer. Seit Montag ist auch ein Kindergarten in Vaihingen geschlossen. Einen Hotspot gebe es aber nicht, hieß es aus dem Landratsamt. Am Friedrich-Schiller-Gymnasium in Marbach waren bereits vor einer Woche vier zehnte Klassen in Quarantäne geschickt worden.

Test noch nicht abgeschlossen

„Zahlen zu den Schülerinnen und Schülern, die gegebenenfalls an Covid 19 erkrankt sind liegen uns (noch) nicht vor“, sagt der Chef des Staatlichen Schulamtes, Hubert Haaga. Zudem seien noch gar nicht alle Testverfahren abgeschlossen, da die Teilschließungen erst am Freitag zum Teil auch erst am Montag vorgenommen worden waren. An den zum Teil geschlossenen Schulen seien rund zehn Lehrkräfte derzeit in Quarantäne und nicht im Präsenzunterricht einsetzbar.

Die Rückmeldungen der Schulen zeigten, dass die Verdachtsfälle nicht immer von Schülern ausgehen, heißt es beim Staatlichen Schulamt; zum Teil seien auch Familienmitglieder betroffen, weshalb die Schüler dann als Kontaktperson 1 gewertet wird.

Eine der betroffenen Schulen ist die Erich-Kästner-Realschule in Steinheim. „Wir haben einen Fall“, sagt Bürgermeister Thomas Winterhalter, das heißt, eine positive Testung habe es an dieser Schule gegeben, alle nötigen Schritte seien eingeleitet worden, das Kontaktpersonenmanagement liege beim Landratsamt. Das spricht von vier betroffenen Klassen an der Erich-Kästner-Realschule.

Auch an den Bietigheimer Ellental-Gymnasien sind vier Klassen betroffen, genauer: drei ganze Klassen und zwei halbe. Insgesamt sind drei Schüler positiv getestet worden; sie stammen aus zwei Familien. Die halben Klassen kommen dadurch zustande, dass die Mädchen aus verschiedenen Klassen gemeinsam Sport hatten. Die Jungen dieser Klasse werden jetzt auch zu Hause durch Fernunterricht beschult, sind aber nicht in Quarantäne. „Die betroffenen Klassen sind überhaupt nicht in der Schule“, sagt Schulleiterin Nicole Stockmann.

Durch die Quarantänemaßnahmen stehen an den Ellental-Gymnasien gut 20 Prozent der Lehrer in den kommenden Wochen ganz oder teilweise nicht zur Verfügung. Das werde gravierende Auswirkungen auf alle anderen Klassen haben teilt die Schulleitung den Eltern mit und schreibt: „Wir geben unser Bestes, um allen möglichst lange möglichst sinnvoll Präsenzangebote zu machen.“ Noch sei die Situation wirklich gut zu bewältigen. Die Quarantänefrist sowohl der Schüler als auch der Lehrer ist sehr unterschiedlich und hängt vom jeweils letzten letztem Kontakt zu den positiv getesteten Personen ab.

Eltern warten auf Nachricht

Bei einem Verdachtsfall nehmen die Schulen direkt Kontakt zum Gesundheitsamt auf. Wie die Schulen dabei vorzugehen haben, wurde ihnen in einem Schreiben vom Landratsamt mitgeteilt. „Die Erfahrungen in den ersten Schulwochen zeigen, dass sich die enge Zusammenarbeit von Gesundheitsamt und Schulen sehr gut bewährt hat und zu schnellen Klärungen führt“, findet Schulamtsdirektor Haaga.

In Abstimmung mit dem Gesundheitsamt werden dann die entsprechenden Maßnahmen (Teilschließungen, Vollschließung, Quarantäne) besprochen.

Eltern sitzen derweil auf glühende Kohlen und warten auf eine Information des Gesundheitsamtes. Viele rufen deshalb dann gleich dort an, was die Schulleitung der Ellental-Gymnasien zum Beispiel dazu gebracht hat, Eltern dringend davon abzuraten. Das Personal dort sei vollkommen damit beschäftigt, alle Kontaktpersonen 1. Kategorie zu kontaktieren. Auch das Landratsamt versichert, es gebe keinen Grund direkt beim Gesundheitsamt anzurufen: „Betroffene werden immer von uns angerufen!“ Stattdessen verweist die Behörde auf die Bürgerhotline (07141/14469400).

Am Friedrich-Schiller-Gymnasium ist die Lage nach Auskunft von Rektor Volker Müller stabil. Es habe seit dem in der ersten Schulwoche aufgetretenen Fall keine weiteren Infektionen gegeben.

Wie soll Präsenzunterricht weiter gehen in der kalten Jahreszeit, wenn man nicht mehr bei offenen Fenstern unterrichten kann? Einige Rektoren werden deshalb demnächst das Gespräch mit dem Schulträger, sprich der jeweiligen Kommune suchen, die diese Filter – Stückpreis pro Klassenzimmer: Rund 4000 Euro – bezahlen müssten.

Steinheims Bürgermeister Thomas Winterhalter hat dazu bereits eine eindeutige Meinung: „Wir können viel heizen und gut lüften. Ich bin zuversichtlich, dass wir ohne diese Zusatzinvestition auskommen.“

Autor: