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Impfzentren: Ärzte dringend gesucht

Die Vorbereitungen für ein geplantes Impfzentrum im Landkreis Ludwigsburg laufen auf Hochtouren. Neben der Standortfrage geht es aktuell auch darum, wer im Impfzentrum seinen Dienst tut. Allein 14 Ärzte werden jeden Tag für ein Impfzentrum benötigt, bei zwei Zentren wären es also 28 Mediziner. Doch wo sollen diese Ärzte herkommen?

Mitte Januar soll es auch im Landkreis ein Impfzentrum geben. Foto: dpa
Mitte Januar soll es auch im Landkreis ein Impfzentrum geben. Foto: dpa

Ludwigsburg. „Wir hoffen, dass wir Pensionäre und Kollegen, die freigestellt sind, finden, die uns bei dieser Aufgabe unterstützen“, sagt die Vorsitzende der Kreisärzteschaft Ludwigsburg, Dr. Carola Maitra. Sich ausschließlich auf niedergelassene Ärzte zu verlassen, wird ihrer Einschätzung nach nicht funktionieren. „Die haben in ihren Praxen genug zu tun.“ Das bestätigt auch die Landesvorsitzende des Virchow-Bundes für niedergelassene Ärzte Baden-Württemberg, Dr. Brigitte Szaszi. Die Allgemeinmedizinern führt selbst eine Praxis in Sachsenheim und sagt: „Ich glaube kaum, dass es viele Kollegen gibt, die über einen längeren Zeitraum Kapazitäten frei haben.“ Insbesondere für Einzelpraxen werde das schwierig.

Die Kreisimpfzentren sollen Mitte Januar an den Start gehen und täglich, auch an den Wochenenden, von 7-21 Uhr geöffnet sein. Laut Sozialministerium wird davon ausgegangen, dass die Zentren bis zum Sommer kommenden Jahres in Betrieb sein werden.

„Wir müssen jetzt loslegen“, sagt Maitra. Viel Zeit sei nicht mehr. Deshalb wurde im Landkreis ein Krisenstab gebildet aus Kreisärzteschaft, Landratsamt, Gesundheitsamt und Katastrophenschutz, um das Impfzentrum aufzubauen. „Wir werden uns auch anschauen, wie es bei den großen Häusern an den Unikliniken gemacht wird.“

Allein der Personalaufwand ist enorm. Pro Impfzentrum sollen laut Vorgabe des Landes 14 Ärzte, 12 Medizinische Fachangestellte, sowie Personal zur Registrierung (zwölf), Dokumentation (sechs), Reinigung (vier) und Übersetzung (vier) sowie Sicherheitspersonal (14) im Einsatz sein. Und das von Mitte Januar bis mindestens Juni 2021. Ob es im Landkreis Ludwigsburg aufgrund der Bevölkerungsdichte ein oder zwei Impfzentren oder alternativ ein großes Zentrum geben wird, steht derzeit noch nicht fest. Klar scheint aber unterdessen, dass es hier vor Ort mehr braucht als die Besetzung für nur ein Zentrum. Hinzu kommen Mobile Teams, die direkt Altenheime und Pflegeeinrichtungen anfahren um vor Ort zu impfen.

„Für uns ist das eine komplett neue Situation, die so noch nie da war“, sagt Carola Maitra. „Wir sind jetzt dringend auf der Suche nach medizinischem Personal. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir auch diesen Kraftakt meistern können.“

Den Medizinern kommt insbesondere die Aufgabe der Aufklärung zu. „Jede Person muss vor der Impfung in einem direkten Gespräch aufgeklärt werden“, so die Vorsitzende der Kreisärzteschaft. Dies sei eine hoheitliche Aufgabe der Mediziner. „Wir müssen schauen, dass wir für diese rein ärztliche Aufgabe freiwillige Kollegen oder Ärzte im Ruhestand finden“, sagt Maitra. Impfen dürfe hingegen auch das medizinische Fachpersonal.

Laut Sozialministerium sind für die Impfzentren in den Landkreisen täglich mindestens 750 Impfungen veranschlagt. „Ausgehend von sieben Tagen pro Woche können so in den ersten vier Wochen 21000 Personen pro Impfzentrum geimpft werden. Das sind 63000 Personen in zwölf Wochen.“

Standortfrage noch nicht geklärt

Die Planungen des Soziaministeriums sehen vor, dass bis zum 15. Januar pro Landkreis „ein bis zwei Kreisimpfzentren“ eingerichtet werden. Da der Landkreis Ludwigsburg mit aktuell rund 545000 Einwohner nach dem Rhein-Neckar-Kreis der zweitgrößte in Baden-Württemberg ist, wird damit gerechnet, dass neben der Stadt Ludwigsburg ein zweiter Standort nötig wird. Ganz oben auf der Liste steht Marbach. Das ehemalige Krankenhaus gilt hierfür als ideal. „Auch wenn die Liegenschaft nicht der Stadt gehört, so bietet sich das ehemalige Krankenhaus durch seine Lage und der Ausstattung auf jeden Fall als Option an“, so Bürgermeister Jan Trost. Er hatte Landrat Dietmar Allgaier den Vorschlag gemacht, Marbach zu berücksichtigen. Es würden die wichtigsten Kriterien (Lage und Erreichbarkeit) zur Einrichtung eines solchen Impfzentrums erfüllt. Denn auf dem Gelände stünden ausreichend Parkplätze zur Verfügung. „Das sind sicher über 100 Parkplätze“, so Trost. Außerdem wäre die Busverbindung gut, die S-Bahn in zehn Gehminuten zu erreichen. Montags, mittwochs, freitags und samstags führe zudem ein Bürgerbus zum Krankenhaus. Die Entscheidung, ob Marbach dem Sozialministerium gemeldet wird, trifft allerdings der Landkreis. Die rkh-Kliniken waren in die Vorauswahl nach eigenem Bekunden nicht involviert. Aber Landrat Allgaier hatte schon gegenüber unserer Redaktion signalisiert, dass er Marbach für einen guten Standort hält.

In Ludwigsburg wurden vor allem das Reithaus im Film- und Medienzentrum sowie die Eishalle unter die Lupe genommen. Wichtig ist dem Sozialministerium, dass eine gute Belüftung möglich ist. Das wäre bei der Eishalle (offenes Dach) ideal, allerdings stellt sich da die Frage nach der Beheizung. (stew/je)

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