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In diesem Weinberg sind die Hühner los

Hühnerhaltung mit Ausblick: Kevin Munz geht seiner Leidenschaft an einem ungewöhnlichen Ort nach. Fotos: Ramona Theiss
Hühnerhaltung mit Ausblick: Kevin Munz geht seiner Leidenschaft an einem ungewöhnlichen Ort nach. Foto: Ramona Theiss
Tierischer Helfer gegen Ungeziefer.
Tierischer Helfer gegen Ungeziefer.

Kirchheim. Wenn Huhn Agathe und ihre Artgenossen draußen unterwegs sind, ziehen sie viele Blicke auf sich: Die Hühnerschar lebt nämlich auf einem Weinberg in den Kirchheimer Steillagen. Um die 20 Hühner samt Hahn kümmert sich Kevin Munz seit einem Jahr. Damit ging für den Zwölfjährigen ein langgehegter Wunsch in Erfüllung.

Natur und Landwirtschaft haben es dem jungen Kirchheimer angetan. Das macht sich auch im Urlaub bemerkbar. Beispielsweise, als die Familie vergangenes Jahr auf einem Bauernhof war – „Kevin hat sich gleich mit den Mitarbeitern angefreundet und sich ab dem vierten Tag morgens den Wecker gestellt und mitgeholfen“, erzählt Vater Tobias Munz. Er und seine Frau Ulrike unterstützen die Leidenschaft ihres Sohnes, der sich seit vielen Jahren eigene Hühner wünschte. Doch wo wäre Platz für einen Stall? Da passte es ganz gut, dass die Familie drei Steillagenweinberge im Nebenerwerb bewirtschaftet. Eine der beiden Weinberghütten, die Kevins Ur-Ur-Großvater im letzten Jahrhundert gebaut hat, dient nun als Hühnerstall. Dort ist der Zwölfjährige mindestens alle zwei Tage anzutreffen. Schließlich müssen der Stall gereinigt und die Hühner versorgt werden, sie brauchen regelmäßig Futter und Wasser. „Die Großeltern sind auch jeden Tag da“, sagt Tobias Munz.

Für die Tiere geht es täglich raus auf den eingezäunten Weinberg. Der Hahn passt auf seine Damen auf und macht sich lautstark bemerkbar, wenn jemand zu nahe kommt. Und es kommen viele Ausflügler vorbei, die die ungewöhnlichen Steillagenbewohner aus der Nähe betrachten wollen.

Die Hühner sind nicht nur zuverlässige Eierlieferanten – bis zu 20 Eier legen sie pro Tag –, sondern auch auf andere Art nützlich: Sie picken Ungeziefer weg und sorgen mit ihren Hinterlassenschaften für eine gute Düngung. Die Familie steht auch in Kontakt mit einem Winzerhof am Kaiserstuhl, wo Hühner im Kampf gegen die Kirschessigfliege eingesetzt werden. In Hessigheim lebten vor gut 20 Jahren Hühner versuchsweise im Weinberg, um zu testen, wie sich das auf die schädliche Erdraupenpopulation auswirkt. Der Stall im Weinberg hat einen weiteren Vorteil, der den Eltern wichtig ist: Ihren Kindern wird dadurch das Kulturgut Steillage und der Spaß an deren Bewirtschaftung vermittelt.

Eines der Hühner ist Kevin besonders ans Herz gewachsen: Agathe. Als sie eine Augenverletzung hatte, nahm er sie mit nach Hause, wo er sie pflegte und mit ihr spielte – und natürlich auch mal raus in den Garten ließ. „Dann musste ich immer aufpassen, dass sie nicht bei den Nachbarn den Salat klaut“, sagt Kevin, lacht und meint: „Einmal hat sie es dann doch geschafft.“ Der Zwölfjährige hat auch zwei Küken großgezogen, die Henne und der Hahn sind schnell ins restliche Hühnervolk integriert worden.

Gerne würde sich Kevin, der Mitglied im Kleintierzuchtverein ist, auch verstärkt der Zucht widmen, „dann bräuchte ich aber mehr Platz“, kommt er unter anderem auf einen Brutapparat zu sprechen und schaut dabei seine Eltern an. Für sie sind die Expansionspläne des Sohnes nichts Neues. Aber vorerst, sagt der Vater, sollten keine weiteren Hühner dazukommen.

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