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Basketball

In Schule und Verein eine feste Größe

Familie, Schule, Basketball: Wenn Benjamin Pantoudis über seinen Alltag als Vater, Lehrer und Trainer spricht, dann kann er diese drei Dinge kaum voneinander trennen. Seit mehr als zehn Jahren ist der 40-jährige Athletikcoach eine feste Größe im Ludwigsburger Basketball.

Benjamin Pantoudis (rechts) mit Konstantin Konga, dem Kapitän der MHP-Riesen Ludwigsburg. Foto: Baumann
Benjamin Pantoudis (rechts) mit Konstantin Konga, dem Kapitän der MHP-Riesen Ludwigsburg. Foto: Baumann

Ludwigsburg. Als Vater von drei noch nicht schulpflichtigen Kindern ist es für Benjamin Pantoudis in Zeiten von Corona zwar eine neue Erfahrung, sich rund um die Uhr um seinen Nachwuchs kümmern zu können. „Trübsal wollen wir nicht blasen, und es ist etwas sehr Schönes, so viel Zeit mit der Familie zu verbringen“, sagt Pantoudis. Seine Leidenschaft als Lehrer am Ludwigsburger Schiller-Gymnasium und Athletiktrainer des Basketball-Bundesligisten MHP-Riesen Ludwigsburg verliert er deswegen aber keineswegs aus den Augen.

Die abrupte Saisonunterbrechung hat die Bundesliga-Basketballer besonders hart getroffen. Wie in keiner anderen deutschen Profiliga sind in der BBL Spieler mit fremder Nationalität beschäftigt. Der Kader der MHP-Riesen Ludwigsburg rekrutiert sich zu großen Teilen aus amerikanischen Spielern, die in US-Colleges ausgebildet wurden und sich nun in Europa einen Namen machen wollen.

Für viele ist die NBA das Maß aller Dinge. Einmal in der bedeutendsten Basketballliga der Welt gedraftet zu werden, ist ihr höchstes Ziel. Niemand kann es ihnen verübeln, wenn sie – wie es jetzt täglich geschieht – den Weg zurück in die Heimat vorziehen, anstatt sich dem drögen Fitnesstraining, noch dazu allein und mit standardisierten Übungsformen, zu widmen (siehe Artikel nebenstehend).

Benjamin Pantoudis ist in dieser Welt, in der von Saison zu Saison gedacht wird und jedes Jahr ein neues Team zusammengestellt werden muss, seit mehr als zehn Jahren zu Hause. „Es reizt mich, mit ambitionierten Menschen im Profibereich zu arbeiten“, lautet das Credo des 40-Jährigen. Insbesondere der Wechsel zwischen Schulalltag unter der Woche und Hochleistungssport in vollen Basketball-Arenen am Wochenende fasziniert ihn immer wieder aufs Neue.

„Dadurch, dass ich die Profis auch schon mal zu uns in die Schule einlade, gibt es viele Berührungspunkte. Das ist eine echte Win-win-Situation“, sagt Pantoudis und fügt hinzu: „Ich kann mir eigentlich keine andere Tätigkeit vorstellen“.

Geboren und aufgewachsen in Ludwigsburg, entdeckte Benjamin Pantoudis früh seine Leidenschaft für den Basketballsport. Seit 1993 spielte er in verschiedenen Teams der BSG Ludwigsburg und hatte bis ins Aktivenalter in der Regionalliga gute Erfolge. Die Ausbildung führte ihn schließlich nach Stuttgart und Tübingen, wo er sein Lehramtsstudium Sport und Englisch abschloss. Diese Fächer unterrichtet er bis heute, später kam eine Zusatzqualifikation in Psychologie hinzu.

Den Basketballsport wollte Pantoudis auch in der Fremde nicht missen. Was lag da näher, als sich dem damaligen Erstligisten Walter Tiger Tübingen anzuschließen – und zwar als Athletiktrainer. Es war just die Zeit, als Tolga Öngören 2008 den damals abstiegsbedrohten Club als Trainer übernahm und den Klassenverbleib schaffte. Als die Tigers aber ein Jahr später in finanzielle Schwierigkeiten gerieten, trennte sich der Verein von dem türkischen Trainer. Öngören, in Tübingen Publikumsliebling, heuerte in Ludwigsburg an. Pantoudis, kehrte mit ihm in seine Heimatstadt zurück – und begann seine bis heute anhaltende und erfolgreiche Arbeit als Athletiktrainer der Gelben Riesen.

„Für mich hat sich damals ein Kreis geschlossen“, erinnert sich Benjamin Pantoudis an die Basketballsaison 2009. Alexander Reil kannte er bereits aus früheren Jahren. Unter dem Ersten Vorsitzenden entwickelte sich bis heute eine stetige Professionalisierung des Vereins. Trotz mancher Trainerwechsel und drohenden Abstiegs blieb die Zielrichtung der Riesen klar: Ein erfolgsorientiertes Team – seit 2012 unter dem neuen Namensgeber MHP-Riesen Ludwigsburg – sollte sich in der Bundesliga etablieren.

John Patrick als Erfolgsgarant

Dass mit der Verpflichtung von Trainer John Patrick im Frühjahr 2013 der entscheidende Durchbruch gelang, ist aus Sicht Pantoudis‘ unstrittig, „Unter John Patrick greifen die verschiedenen Puzzleteile sicher ineinander. Seit er da ist, stehen die unterschiedlichen Charaktere füreinander ein“, so der Athletikcoach. Patrick habe es geschafft, mit Spielern wie Jon Brockman, Michael Stockton, Thomas Walkup oder aktuell mit Nick Weiler-Babb, Khadeen Carrington oder Jaleen Smith immer wieder bis dahin wenig bekannte Charaktere aus dem Hut zu zaubern und das Team mit seiner Defensiv-Philosophie zu einer Einheit zu formen.

„Viele Basketballer haben Ludwigsburg als Sprungbrett genutzt. Ich freue mich, wenn ich höre, dass Spieler wie beispielsweise Thomas Walkup im Ausland das -zigfache von dem verdienen wie hier“, sagt Pantoudis. Das Leben als Profi im Basketball sei vollkommen anders als etwa im Fußball. „Man genießt die Saison und arbeitet zusammen“, verteidigt der Athletiktrainer die alljährliche Fluktuation. Er weiß, dass sich die Wege irgendwann trennen und ein neues Team gefunden werden muss. „Da kann Ludwigsburg noch so schön sein, irgendwann sind sie weg“, sagt ausgerechnet derjenige, für den es in Ludwigsburg möglichst noch viele Jahre erfolgreich weitergehen soll.

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