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„Industrie 4.0 muss man machen“

Am Ende geht es bei Industrie 4.0 um Produktivitätssteigerung durch Vernetzung von Zulieferer und Kundensystem und die Herstellung individueller Einzelartikel zum Preis von Massenprodukten“, sagte Peter Leibinger, Vorsitzender des Geschäftsbereichs Lasertechnik, im Rahmen der Trumpf-Hausmesse Inftech, bei der sich etwa 2500 Kunden über neue Produkte und Anlagen informierten. Oft vergessen bei der Diskussion um Industrie 4.0 das Thema Geschäftsmodelle, weil dieses noch schwer greifbar sei. Hier würden die entscheidenden Veränderungen stattfinden. Eine Plattform wie mytaxi.com, die den Nutzerbedarf vernetzt, sei nicht etwa von der Taxizentrale entwickelt worden, sondern von Studenten.

Ludwigsburg. Trumpf wolle die Produktion der Zukunft aktiv mitgestalten, aber selbst als Betrieb mit 11 000 Mitarbeitern können die Ditzinger dies nicht nur aus eigener Kraft, sagt Klaus Bauer, Leiter Basisentwicklung. „Das braucht Vernetzung auch außerhalb der Branche, Aktivitäten in Arbeitskreisen und Kolloquien.“

Industrie 4.0 betreffe nicht nur den Betrieb samt seiner Maschinen- und Komponentendaten, die Fertigungsprozesse, sondern auch den Menschen. So sei die Aufgabe eines Fertigungsmitarbeiters im Wandel, sagt Eberhard Wahl, Produktmanager flexible Blechfertigung. Intralogistiker müssten ihre Aufgabe von Transport bis zur operativen Steuerung ganzheitlich betrachten. Bediener würden zu Prozessmanagern, die Effizienz erhöhe sich. „Industrie 4.0 muss man machen“, so Wahl. Der Mitarbeiter müsse immer mehr mit anderen Fachgebieten kommunizieren, ergänzt Bauer. Statt Einzelarbeit am Schraubstock zähle Teamwork. Auch Facharbeiter seien weiter gefragt.

Die heutigen, intuitiv zu bedienenden Benutzeroberflächen würden viele Infos und Zusammenhänge auch anschaulicher als bislang darstellen. Ohnehin beobachtet der für den Bereich Werkzeugmaschinen zuständige Geschäftsführer Mathias Kammüller keine Berührungsängste bei der Bedienung, auch bei älteren Mitarbeitern. Man sei dies ja von ihren Smartphones inzwischen gewohnt. Gabelstaplerfahrer bei Trumpf haben inzwischen mobile Geräte an ihren Fahrzeugen. „Das sind einfache Systeme. Nach einer kurzen Einlernzeit gibt es da keine Probleme.“

Schließlich sorge das Thema Datensicherheit bei vielen Firmen für Bedenken: „Viele der Module, die zum zuverlässigen Betrieb einer solchen Smart Factory notwendig sind, erfordern massive Rechenleistung, beispielsweise zur Realisierung einer vorausschauenden Wartung. Solche Module sind dann besonders ökonomisch und effizient zu betreiben, wenn sie über eine Cloud zur Verfügung gestellt werden“, sagt Softwareentwickler Fischer. Die Cloud werde helfen, die Rechenzeit drastisch zu reduzieren und gleichzeitig die Qualität der produzierten Teile zu erhöhen. „Wir sehen es dabei als selbstverständlich an, für jeden Schritt der Datenübertragung von der Maschine bis zur Cloud modernste Methoden der IT-Sicherheit einzusetzen.“ Hierzu seien einheitliche Normen und Standards notwendig, betont Fischer, worauf auch die EU bereits massiv drängt. (mich)