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Jähes Wechselspiel von Licht und Farbe

Eigentümliche Stimmungen: Die Arbeiten von Christian-Ivar Hammerbeck in der Galerie Wendelinskapelle.Fotos: Holm Wolschendorf
Eigentümliche Stimmungen: Die Arbeiten von Christian-Ivar Hammerbeck in der Galerie Wendelinskapelle.Fotos: Holm Wolschendorf
Eigentümliche Stimmungen: Die Arbeiten von Christian-Ivar Hammerbeck in der Galerie Wendelinskapelle.Fotos: Holm Wolschendorf
Eigentümliche Stimmungen: Die Arbeiten von Christian-Ivar Hammerbeck in der Galerie Wendelinskapelle.Fotos: Holm Wolschendorf
In der Benefiz-Ausstellung „Das kleine Format“ in der Wendelinskapelle gibt es viel zu entdecken

Marbach. Auch für die Galerie von Monika Schreiber in der Wendelinskapelle stellt die Coronapandemie einen harten Einschnitt dar. Zwar konnte sie nach dem Lockdown wieder öffnen, doch weil die Fläche ihrer Galerie verhältnismäßig klein ist, dürfen sich nicht mehr als eine Handvoll Menschen gleichzeitig darin aufhalten. Vernissagen sind so nicht machbar.

Weil diese für den Erfolg ihrer Ausstellungen aber von entscheidender Bedeutung seien, hat sich Schreiber ein Format ausgedacht, um dennoch Kunstinteressierte zum Besuch ihrer Galerie zu bewegen: Bis zum 31. Oktober läuft die Benefiz-Ausstellung „Das kleine Format“ zugunsten der Marbacher Tafel. „Aber auch die Künstler möchte ich in dieser schwierigen Zeit nicht vergessen“, sagt Schreiber. Daher werden die Einnahmen geteilt: Eine Hälfte geht an die Tafel, die andere an die Urheber der Kunstwerke. 7

2 Kunstschaffende haben sich mit Arbeiten im Format 20 mal 20 bis 30 mal 30 Zentimeter beteiligt: Über zwei Etagen sind alle Wände, mal in Petersburger Hängung, mal in Doppelreihung dicht bespielt, noch im kleinsten Winkel hat ein Exponat Platz gefunden – so viel Kunst auf einmal war in der Wendelinskapelle noch selten zu sehen. Immer wieder hängt Schreiber neue Bilder auf: Kaufinteressenten sollten also öfter mal reinschauen. Zu entdecken gibt es reichlich – vielfach zu ausgesprochen moderaten Preisen: Eine der spontan wirkenden Mischtechnik-Arbeiten von Susanne Feix für 80Euro darf schon als Schnäppchen gelten. Asiatisch angehaucht die reizvollen, mit bedrucktem Transparentpapier überzogenen Quadrate aus der Serie „moving on“ von Eva Hoppert. Susanna Giese zeigt poetische Assemblagen, für die sie Schellackplatten mit Beethoven-Sonaten von Wilhelm Kempff verwendet hat, Rainer Gautschi digitale Collagen aus der Serie „Brief aus der Vergangenheit“, in denen Arbeiterkunstästhetik auf medizinische Lexika in Frakturschrift, stilisierte Viren, Handschriftliches und gelaufene BRD-Briefmarken der Siebzigerjahre prallt. Dazu Radierungen aus dem Nachlass von Günter Schöllkopf, Servietten-Collagen von Cindy Velz, Ule Ewelts keramische Kleinplastiken, plastische Collagen der Marbacherin Beate Ludwig, Gouachen von Werner Lehmann, Peter Otto Hilsenbeks enigmatische Buchobjekte, Drucke von OMI Riesterer. Köstlich lakonisch: Gregor Oehmanns unbetitelte Kalenderblatt-Zeichnung. Die Möglinger Malerin Marlis Albrecht hat sich mit einem Bild aus dem Zyklus „Walden“ beteiligt.

Abstrakt, aber spürbar

Zu den Entdeckungen zählt auch Christian-Ivar Hammerbeck: Ursprünglich sollte dem 1948 in Hamburg aufgewachsenen Künstler eine eigene Ausstellung gelten, nun ist eine kleine Präsentation seiner Werke im Rahmen der Benefiz-Ausstellung zu sehen. Bei einer Skandinavienreise hat Dr. Michael Herzog den auf die Lofoten ausgewanderten Künstler kennengelernt und den Kontakt zur Wendelinskapelle hergestellt. In seinen farbgesättigten Aquarellen fängt Hammerbeck das jähe Wechselspiel von Licht und Farbe seiner nordnorwegischen Wahlheimat ein. Das Besondere daran: Obwohl fast schon abstrakt, wird die eigentümliche Stimmung dieser Landschaft jenseits des Polarkreises in seinen Blättern nahezu körperlich spürbar.