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Jeder Dritte im Landkreis ist noch ungeimpft

Die Impfquote im Kreis ist weiter schlecht: Rund ein Drittel der Einwohner hat bisher jeden Piks gegen Corona verweigert. Archivfoto: Fokussiert - stock.adobe.com
Die Impfquote im Kreis ist weiter schlecht: Rund ein Drittel der Einwohner hat bisher jeden Piks gegen Corona verweigert. Archivfoto: Fokussiert - stock.adobe.com
Impfbereitschaft bricht wieder ein – Corona-Krisenstabsleiter Andy Dorroch: Nur die Boosterungen laufen noch gut

Kreis Ludwigsburg. Insgesamt 104961 Corona-Impfdosen wurden im Dezember im Kreis Ludwigsburg verabreicht, nur 26499 Dosen waren es in den ersten 16 Januartagen: Der Impffortschritt ist auch im Kreis Ludwigsburg wieder massiv eingebrochen. „Nur die Boosterungen laufen noch gut“, musste jetzt auch der Leiter des Corona-Krisenstabs des Landkreises, Kreisbrandmeister Andy Dorroch, im Kreistag feststellen.

Auch das ist in Zahlen nachvollziehbar: 20661 der in diesem Jahr verimpften Dosen waren Drittimpfungen, denen nur 1530 Erst- und 4308 Zweitimpfungen gegenüberstanden. Eine Tendenz, die sich schon im November und Dezember abzeichnete: 80 Prozent der über 150000 Dosen, die im Kreis in den letzten beiden Monaten des Jahres 2021 in Oberarme gespritzt wurden, waren Boosterungen.

Das bedeutet: Große Teile derjenigen, die ohnehin impfbereit sind, holen sich auch ihre Drittimpfung ab, wogegen sich die prinzipiell Impfunwilligen kaum dazu bewegen lassen, ihre Skepsis zu überdenken und doch zur Impfung zu gehen. Die Impfquote, die das Landesgesundheitsamt in der Regel einmal wöchentlich veröffentlicht, ist daher unverändert niedrig: Nur 65,6 Prozent der Kreiseinwohner waren bis zur letzten Veröffentlichung mit dem Stand vom 9. Januar zweimal geimpft, 33,6 Prozent hatten bereits eine Drittimpfung erhalten. Das bedeutet im Unkehrschluss: Ungefähr 180000 Menschen sind im Landkreis weiterhin ungeimpft – ein Drittel der Bevölkerung. Die Zahl der noch Ungeboosterten liegt sogar bei annähernd zwei Dritteln.

Dabei mangelt es weder an Vakzinen noch an personellen oder logistischen Ressourcen, wie Dorroch im Kreistag klarstellte. Neben den Hausarztpraxen stehen im Kreis derzeit 15 ständige Impfstützpunkte zur Verfügung, zwei davon speziell und ausschließlich für Kinder. In diesen Stützpunkten könnten täglich 2600 Dosen verimpft werden – allein damit wären bisher im Januar 44200 Pikse möglich gewesen. Hinzu kommen die Einsätze der drei mobilen Teams, die gezielt und vor Ort in Alten- und Pflegeheimen, Schulen oder Flüchtlingsunterkünften impfen – mit einer Kapazität von 650 Dosen am Tag. Dazu kommen noch spezielle Aktionen bei gut besuchten Ereignissen wie Märkten oder Sportveranstaltungen, bei denen jeweils bis 1000 Vakzine verimpft werden könnten. Allein – die Zahl der Impfwilligen ist deutlich niedriger als das Angebot. Vereinzelt müssten inzwischen sogar Vakzine weggeworfen werden, räumte Dorroch ein.

Allerdings komme es in jüngster Zeit auch wieder zu Engpässen beim Biontech-Impfstoff. Denn der ist auch im Kreis nicht nur das bei Weitem beliebteste Vakzin, sondern wird zudem speziell für unter Dreißigjährige empfohlen – und wird deshalb in den Stützpunkten auch nur jungen Leuten in den Arm gespritzt. Wahlmöglichkeiten gibt es dort aktuell nicht: Wer älter als 30 Jahre ist, wird ausnahmslos mit dem Vakzin von Moderna geimpft. In zwei Fällen habe man unter 30-Jährige sogar wieder ungeimpft nach Hause schicken und vertrösten müssen, weil kein Biontech-Impfstoff mehr verfügbar war.

Dass die Impfquoten nicht nur im Kreis, sondern landesweit stagnieren, bedauerte in der Kreistagssitzung auch Dr. Stefan Weiß, der Leiter des Corona-Krisentabs der Regionalen Kliniken-Holding RKH. Er betonte, dass die Impfung auch in der Omikron-Welle von zentraler Bedeutung bleibe, weil sie auch bei dieser Variante gut vor schweren Krankheitsverläufen schütze. Das scheint aber selbst in den Krankenhäusern im Kreis nicht alle zu überzeugen. So haben in einem Fall bereits so viele Mitarbeiter eines Pflegeteams angekündigt, sich trotz der bevorstehenden Impfpflicht fürs Personal medizinischer Einrichtungen nicht impfen lassen zu wollen, dass RKH-Geschäftsführer Professor Jörg Martin sogar befürchtet, deshalb zumindest diese eine Station Ende März schließen zu müssen.

Doch wie kann man die Impfbereitschaft beleben? Der Landkreis wird es nach der gelungen Premiere bei Löchgau mit einer weiteren Drive-in-Impfaktion am kommenden Wochenende auf dem Soldatensträßle zwischen Ludwigsburg und dem Remsecker Schießtal versuchen. „Drive-in-Impfungen werden wir jetzt an jedem Wochenende wiederholen“, kündigte Dorroch an. Der „schwache Markt“ führe jedoch dazu, die Öffnungszeiten der Impfstützpunkte zurückzufahren. Schließen will man sie aber auf keinen Fall.