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„Jedes davon ist ein Meisterwerk“

Jan Lisiecki spielt am Freitag, 24. Juni, mit dem Chamber Orchestra of Europe im Forum

Jan Lisiecki. Foto: Christoph Köstlin/p
Jan Lisiecki. Foto: Christoph Köstlin/p

Ludwigsburg. Der 27-jährige kanadische Pianist Jan Lisiecki ist nicht nur ein begnadeter Chopin-Spieler, sondern spätestens seit seiner Gesamteinspielung aller Beethoven-Konzerte mit der Londoner Academy of St. Martin-in-the-Fields gilt er auch als hochkarätiger Beethoven-Interpret. Die Besonderheit dieses Albums: Lisiecki dirigiert die fünf Konzerte vom Flügel aus – so auch beim Gastspiel mit dem Chamber Orchestra of Europe bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen am Freitag, 24. Juni, um 20 Uhr im Forum, mit der Ouvertüre „Die Geschöpfe des Prometheus“ und dem 4. und 5. Klavierkonzert. Wir sprachen mit dem Künstler.

Herr Lisiecki, wann begannen Sie, Beethoven zu spielen?

Jan Lisiecki: Als ich zehn oder elf Jahre alt war, spielte ich zum ersten Mal sein 3. Klavierkonzert mit Orchester, zur selben Zeit probierte ich die Sonaten für Violoncello und Klavier. Mit Beethovens Klaviersonaten habe ich mich allerdings bis heute nur ganz wenig beschäftigt. Bei allem, was ich spiele, versuche ich, eine Geschichte zu erzählen, und die Sonaten haben schon so viele Pianisten aufgenommen und dargeboten – ich warte da noch auf den richtigen Moment, meine eigene Geschichte davon zu erzählen.

Was interessiert Sie an Beethovens Klavierkonzerten?

Jedes der fünf ist ein Meisterwerk für sich, und jeder, der sie kennt, hat ein Lieblingsstück. Nimmt man alle Konzerte zusammen – in B-Dur, C-Dur, c-Moll, G-Dur, Es-Dur –, so erkennen wir darin Beethovens Entwicklung als Komponist von den beiden ersten, noch ganz klassischen Werken bis zu den drei folgenden, kühn und neuartig komponierten. Das 4. Konzert ist das radikalste von allen, mit der vom Klavier allein vorgetragenen Exposition im ersten Satz und seinem tief romantischen Andante. Und das 5. Konzert ist ein ungeheuer selbstbewusstes Statement seiner schöpferischen Persönlichkeit.

Als Sie 2019 die fünf Beethoven-Konzerte mit der Academy of St. Martin-in-the-Fields aufnahmen, dirigierten Sie als Pianist vom Flügel aus. War das das erste Mal, dass Sie zugleich als Solist und Dirigent wirkten?

Nein, damit habe ich angefangen, als ich Chopins Klavierkonzerte aufführte. Es reizt mich, auch den Orchesterpart zu gestalten, und sowohl die Academy of St. Martin-in-the-Fields wie auch das Chamber Orchestra of Europe sind eine Gemeinschaft von Musikern, die wunderbar zuhören und gestalten können. Da eine gemeinsame Vision zu entwickeln, finde ich sehr interessant.

Sehen Sie darin eine Art historischer Perspektive, so wie Beethoven die Konzerte zu seiner Zeit aufgeführt hat?

Ich spiele ja auf einem modernen Konzertflügel und nicht auf einem historischen Instrument. Aber natürlich weiß ich einiges über die historische Aufführungspraxis, erst kürzlich habe ich auch mit einem Hammerklavier-Flügel konzertiert. Man kann sich kaum vorstellen, wie das damals mit Beethoven am Klavier und als Dirigent geklappt hat. Heute spiele ich ein solches Konzert mit bestens ausgebildeten und vorbereiteten Musikern, aber zu Beethovens Zeit war das ja für die Orchester alles total neue Musik.

Sie sind hochgeschätzt für Ihre Chopin-Interpretationen. Sehen Sie da auch eine Verbindung zu Ihren polnischen Wurzeln?

Das ist eine komplizierte Frage. Ich mag Chopin und seine Klaviermusik sehr, ich liebe ihn als Künstler und als Pianist. Aber dass er als polnischer Komponist Teil meiner künstlerischen DNA wäre, glaube ich eher nicht.

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