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Jubel auf beiden Seiten des Neckars

Der Neckar zwischen Marbach und Benningen. Der Fluss soll bei der Gartenschau 2033 verbindendes Element sein. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Der Neckar zwischen Marbach und Benningen. Der Fluss soll bei der Gartenschau 2033 verbindendes Element sein. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Große Freude in Marbach und Benningen: Die Nachbarkommunen haben den Zuschlag zur Ausrichtung der Gartenschau 2033 erhalten. Das hat der Ministerrat des Landes Baden-Württemberg am Dienstag entschieden. Die Stadt Ludwigsburg, die sich für eine Landesgartenschau beworben hatte, ging leer aus.

Marbach/Benningen/Ludwigsburg. „Die Freude bei uns ist riesengroß“, sagte der Marbacher Bürgermeister Jan Trost gestern auf Anfrage unserer Zeitung. Gerade in Coronazeiten gebe eine solche Nachricht Hoffnung. Nachdem er gestern die Nachricht direkt von Landwirtschaftsminister Peter Hauk erhalten hatte, habe er umgehend seinen ehemaligen Hauptamtsleiter Thomas Storkenmaier sowie den städtischen Landschaftsarchitekten Roland Kübler informiert. „Schließlich haben sich die beiden Kollegen jahrelang intensiv damit beschäftigt“, so Trost. In einer „tollen interkommunalen Zusammenarbeit“ hätten Marbach und Benningen unter der Beteiligung der Bürger ein sehr gutes und stimmiges Konzept vorgelegt. Mit dem Neckar, der Altstadt und der Schillerhöhe enthalte die Bewerbung ganz besondere Alleinstellungsmerkmale. Als die Jury am 9. Juni vor Ort war – der ursprüngliche Besichtigungstermin im April musste wegen des Corona-Lockdowns verschoben werden –, sei sie sehr angetan gewesen.

Jetzt gelte es, die Planungen aus der Machbarkeitsstudie von 2019 mit einer breiten Bürgerbeteiligung zu verfeinern. Dabei müssten feste Rahmenbedingungen beachtet werden. Außerdem sei es wichtig, bei den Förderkonferenzen dabei zu sein, „um die Töpfe zu öffnen und Mittel zu akquirieren“, wie der Marbacher Rathauschef sagt. In der Machbarkeitsstudie wurden die Kosten für das interkommunale Projekt auf rund zwölf Millionen Euro taxiert. Über das Landesprogramm „Natur in Stadt und Land“ wird zudem ein Zuschuss in Höhe von maximal zwei Millionen Euro gewährt. Nachdem der Bund die Erweiterung des Deutschen Literaturarchivs in Marbach mit 73 Millionen Euro fördere, entstehe auf der Schillerhöhe bis 2033 ein Kultur- und Literaturpark. „Das ergibt gemeinsam mit der Gartenschau eine ungeheure Dynamik in der Stadt und ist eine einmalige Chance“, sagt Jan Trost.

Unbändige Freude auch bei seinem Amtskollegen Klaus Warthon in der Nachbarkommune Benningen. „Freude ist untertrieben“, sagt der Schultes. „Das ist vielmehr eine große Euphorie und für unsere Kommune eine epochale Entscheidung.“ Die Bewerbung für die Gartenschau habe er immer als Jahrhundertchance bezeichnet und sehr auf den Zuschlag gehofft. Benningen künftig als Gartenschaukommune nennen zu dürfen, sei zwar nicht vergleichbar etwa mit der Bezeichnung Olympiastadt, doch der bleibende Wert sei immens. Folglich sollte die Bewerbung auch „so toll wie möglich“ sein. Dabei hätten Benningen und Marbach zwei Trumpfkarten in der Hand gehabt. Die beiden Kommunen seien die einzigen Bewerber gewesen, die an einem Fluss liegen, der das Gartenschaugebiet komplett durchfließt und als verbindendes Element genutzt werden kann. Der zweite Trumpf sei die Erweiterung des Literaturarchivs samt Literaturpark auf der Schillerhöhe. „Dass dort eine grüne Lunge entsteht, könnte eine Rolle bei der Entscheidungsfindung gespielt haben“, vermutet der Benninger Schultes.

Und wie geht es jetzt weiter? „Heute passiert noch nichts“, witzelt Warthon. Nächstes Jahr werden sich die Bürgermeister aus Benningen und Marbach zusammensetzen, um einen groben Zeitplan abzustecken. Bis zum Start der Gartenschau sind es etwas mehr als zwölf Jahre. „Doch die vergehen sehr schnell, wie die Erfahrung mit unserer Umgehungsstraße gezeigt hat“, so Warthon. Auch Jan Trost freut sich darauf, „mit Benningen die nächsten Schritte abzustimmen“. Doch das sei bestimmt noch nicht in den nächsten Wochen nötig. „In den nächsten Monaten werden wir erst die Auswirkungen der Coronapandemie bewältigen müssen“, sagt Trost, der zudem im Wahlkampf steckt und am 24. Januar für eine zweite Amtszeit wiedergewählt werden will.

Während die Bürgermeister von Marbach und Benningen sicher auf die Vergabe angestoßen haben, herrscht im Ludwigsburger Rathaus Katerstimmung. „Aus Perspektive des Planungsteams und der Stadt stimmt diese Entscheidung natürlich traurig“, sagt Oberbürgermeister Matthias Knecht. Die Barockstadt hatte sich zum dritten Mal für die Ausrichtung einer Landesgartenschau beworben – und ist zum dritten Mal gescheitert. Idealerweise hätte man die Landesgartenschau gerne 2034 ausgerichtet, dann feiert das Blühende Barock Jubiläum. Stattdessen darf nun Bad Mergentheim die Veranstaltung 2034 durchführen.

Insgesamt 17 Kommunen hatten sich für die Gartenschauen und Landesgartenschauen zwischen 2031 und 2036 beworben. „Leider konnten nicht alle Städte einen Zuschlag erhalten. Ich bin überzeugt, dass die Mühe und Arbeit aber nicht umsonst war“, sagt Landwirtschaftsminister Peter Hauk. Ludwigsburg will in jedem Fall die Realisierung des sogenannten Grünen Rings vorantreiben – auch ohne Landesgartenschau. „Irgendwann nehmen wir vielleicht noch einmal einen Anlauf.“