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Organspende

Jubiläum in schwierigen Zeiten

Josef Theiss, der seit gut 24 Jahren mit einer neuen Leber lebt und eine Kontaktgruppe leitet, engagiert sich auch bundesweit. Am Sonntag wurde Jubiläum gefeiert. Und auch im Kreis steht bald eines an – obwohl die derzeitige Situation wenig Grund zum Feiern gibt.

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Beim Gottesdienst in Schwetzingen kommt es für Josef Theiss auch zum Wiedersehen mit der Pfarrerin Barbara Roßner (beide nebeneinander), die er nach seiner Transplantation in Heidelberg kennenlernte, wo sie Klinikseelsorgerin war. Foto: privat
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Bietigheim-Bissingen/Schwetzingen. Josef Theiss ist noch immer ganz glücklich, wenn er an den vergangenen Sonntag zurückdenkt. Eingeladen waren er und rund 200 andere Mitglieder des Patientenverbandes „Lebertransplantierte Deutschland e.V.“ nach Schwetzingen, wo rund ums Schloss das 25-jährige Bestehen der Organisation begangen wurde. „Das war eine traumhafte Feier“, sagt der Bissinger, der selbst fast genauso lange mit einer neuen Leber lebt, und seit 1994 der Ansprechpartner für andere Transplantierte im Kreis ist. Doch er organisiert auch die Gottesdienste für Veranstaltungen auf Bundesebene. „Das sind Dankgottesdienste dafür, dass Gott und der Spender uns ein zweites Leben geschenkt haben, aber auch für die Familien der Spender.“

Für den gläubigen Katholiken ist das Engagement aufgrund seiner Vorkenntnisse eine Selbstverständlichkeit, wenngleich eine, die viel Arbeit erfordert. Schon morgen ist der 78-Jährige wieder unterwegs, um den nächsten Gottesdienst vorzubereiten, zum Tag der Organspende, der 2019 zentral in Kiel begangen wird. Um eine Kirche, aber auch einen Geistlichen zu finden, der die Predigt hält, gehe er gerne auf die jeweiligen Landeskirchen zu, und bitte um Hilfe, damit die auch wüssten, was in ihren Bezirken vor sich gehe.

Viele Kontakte, um aufzuklären

Überhaupt: Information ist sein Hauptanliegen. Mehrere Veranstaltungen organisieren er und seine Mitstreiter deshalb in der Region, gehen in die Schulen, machen jedes Jahr den Organspendetag an der Pädagogischen Hochschule oder einen Stand bei der großen Blutspendeaktion des DRK in Tripsdrill. Jeder, der komme, werde angesprochen, so Theiss, dem dieser Termin immer Erfolgserlebnisse beschert: „Gefühlt zwei Drittel der Blutspender haben auch einen Organspendeausweis“, sagt er, „das ist eine tolle Zahl“. Zudem konnten sie mehr als 900 Spenderausweise verteilen, viele der Angesprochenen hätten diese auch spontan ausgefüllt.

Doch insgesamt gibt es einen Organmangel. Das habe er erst unlängst schmerzhaft erfahren, als ein noch recht neues Mitglied der Kontaktgruppe starb. Dessen Krankheit hatte sich so rapide verschlimmert, und eine Ersatzleber konnte binnen weniger Tage nicht gefunden werden. Jeden Tag sterben bundesweit drei, vier Betroffene, die auf Wartelisten für eine Transplantation stehen. Und viele seien dort noch gar nicht erfasst, weil man die Operationen vor allem von Nierenkranken durch Dialyse hinausschieben könne.

Allzu viel Hilfe erwartet Theiss sich nicht durch die Neuregelung, die derzeit von der Politik diskutiert wird – bislang muss man einer Entnahme explizit zustimmen, die Idee ist, dass künftig alle automatisch Spender sind, wenn sie nicht widersprochen haben. Damit würden Angehörige weiterhin zusätzlich befragt, obwohl ein Verstorbener schon kundgetan hatte, dass er spenden will. Theiss und seine Mitstreiter wollen die Menschen auch dazu bringen, über ihre Entscheidung für – 80 Prozent der Bevölkerung seien positiv eingestellt, weil sie froh wären, wenn sie selbst ein Organ bräuchten – oder gegen die Spende zu sprechen, damit Angehörige den Willen tatsächlich kennen.

„Spender werden oft nicht erkannt“

Das größte Problem sieht Theiss aber darin, dass viele Kliniken potenzielle Organspender nicht erkennen, oder dies aufgrund des Aufwands nicht erkennen wollten, sagt er. Und zitiert eine Untersuchung zweier Ärzte, wonach das bislang im Raum stehende Potenzial zu niedrig sei. Basis sind etwa 4000 Hirntote jedes Jahr, wovon aber die Hälfte aufgrund von Krankheit als Organspender ausfalle, dazu diejenigen, die sich dem schon per Ausweis oder sonstiger Verfügung verweigert hätten. 2017 kam man so auf 797 Spender, nachdem es 2003 noch 1140 gewesen waren.

Es sei daher an der Zeit, dass es für Kliniken höhere Entschädigungen gibt, wenn sie Transplantationen vornehmen, fordert Theiss. Zudem sollten die Transplantationsbeauftragten, die jede Klinik mit Intensivstation hat, gestärkt werden. Ziel ist es, dass sie personell aufgestockt werden und besser und schneller Experten der Stiftung Organtransplantation, die für die Vermittlung der Organe zuständig ist, mit ins Boot holen können. Er und seine Mitstreiter hoffen „sehr auf das neue Gesetz“. Noch bis Ende dieser Woche haben sie Zeit, eine Stellungnahme zu dem Referentenentwurf als weiteren Schritt abzugeben.

Theiss investiert viel Zeit in sein Engagement. Doch daran liegt es nicht, dass er sich derzeit noch unsicher ist, ob das Jubiläum der Kontaktgruppe im Kreis, die 2019 25 Jahre besteht, gefeiert wird. Denn die sinkende Zahl an Organspendern wirke sich auch auf die Zahl der Mitglieder aus, zudem tauschten sich Jüngere lieber übers Internet aus und weniger über persönliche Kontakte. Aber dann erinnert er sich daran, dass auch die vergangenen Jubiläen gefeiert wurden, obwohl manche etwa gesagt hätten, 15 Jahre sei kein richtiger Anlass. „Für uns zählt jedes Jahr“, sagt er mit Blick auf sein „geschenktes zweites Leben“ mit einer bis heute wunderbar funktionierenden Leber. „Und irgendwas fällt uns bis zum Jubiläum bestimmt noch ein.“

Info: Die Kontaktgruppe trifft sich am 25. September um 15 Uhr im Enzpavillon zu Informationen und zur Begegnung. Gäste sind willkommen, ebenso ist es egal, welches Organ betroffen ist. Kontakt: (0 71 42) 579 02, E-Mail: josef.theiss@lebertransplantation.de.