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Jubiläum soll größer gefeiert werden

Im September 1971 ist Ottmarsheim nach Besigheim eingegliedert worden. Dieses Jubiläum soll nächstes Jahr gefeiert werden – und zwar deutlich umfangreicher als von der Stadtverwaltung vorgesehen.

Szene einer kommunalen Ehe: Die zwei Bürgermeister Werner Grau (links) und Walter Müller zersägen eine Tanne. Foto: Stadtarchiv Besigheim
Szene einer kommunalen Ehe: Die zwei Bürgermeister Werner Grau (links) und Walter Müller zersägen eine Tanne. Foto: Stadtarchiv Besigheim

Besigheim-Ottmarsheim. Keine Frage, das 50-Jahr-Jubiläum der Eingemeindung ist ein Grund zum Feiern. Deswegen präsentierte die Besigheimer Stadtverwaltung dem Verwaltungsausschuss des Gemeinderats nun, wie sie sich das Festjahr vorstellt. Zum einen wird beim Festzug des Besigheimer Winzerfestes im September 2021 die Eingliederung eine wichtige Rolle spielen. Zum anderen soll es am Kirbemarkt-Wochenende im Oktober einen Festabend mit einem historischen Festvortrag geben. „Wir haben zwar noch nicht konkret angefragt, aber wir gehen davon aus, dass sich die Ottmarsheimer Vereine am Festabend beteiligen würden“, sagte Kulturamtsleiterin Anette Walz. Zudem soll die Ausstellung „Einst und jetzt“, die 1982 vom Geschichtsverein und der Stadt erarbeitet wurde, ergänzt und eine Infotafel für den Dorfplatz entworfen werden. Insgesamt 4000 Euro an Ausgaben sind für sämtliche Aktivitäten veranschlagt.

Für Ulrich Gerstetter (CDU) war das alles zu wenig: „Wir machen mehr, wenn es um Städtepartnerschaften geht – und geben auch mehr Geld aus.“ Das jetzt anstehende Jubiläum sei wohl die letzte Gelegenheit, dass sich Zeitzeugen aktiv einbringen könnten – sei es aus der Kommunalpolitik oder aus dem alltäglichen Leben. Überhaupt böte sich auch ein Theaterstück an, das sich mit den Geschehnissen rund um die Eingliederung beschäftigt – „denn ganz so unumstritten war das damals nicht“. Hier könnte die Besigheimer Studiobühne oder ein Ottmarsheimer Verein ja etwas auf die Bühne bringen. Zustimmung gab es von Christian Herbst (SPD): „Mein erster Gedanke war: Kann man da nicht ein bisschen mehr rausholen?“. Gerstetters Vorschläge seien nicht schlecht gewesen. Nicht unwidersprochen ließ er hingegen dessen Aussage, dass sich die Ottmarsheimer ja immer noch ein bisschen stiefmütterlich behandelt fühlten: „Angesichts der Investitionen der vergangenen Jahre ist es objektiv nicht so, dass sie stiefmütterlich behandelt werden.“ Der einzige Ottmarsheimer in der Runde, Stefan Bruker (FWV), meldete sich ebenfalls zu Wort. Grundsätzlich sei es gut, dass sich die Stadtverwaltung Gedanken gemacht habe. „Aber es wäre nicht schlecht, wenn man ein bisschen mehr machen könnte.“ Zumal dieses Jahr das Stadtteilfest der Coronapandemie zum Opfer fällt – „das ist für Ottmarsheimer so, als ob für Besigheimer das Winzerfest ausfällt“. Dr. Anne Posthoff (BMU) gab ihren Vorrednern recht. Sie gab aber auch zu bedenken, dass Corona im kommenden Jahr noch nicht vorbei sein werde. Ihr Fraktionskollege Helmut Fischer meinte, man müsse dennoch planen und sukzessive in die Umsetzung gehen. Seiner Fraktion seien die Verwaltungsvorschläge auch etwas zu mager vorgekommen. Die Anregungen Gerstetters finde das BMU gut und kreativ. Auch Frank Land (WIR) meinte, es sei immer schön, wenn mehr und intensiver gefeiert werden könnte. Bürgermeister Steffen Bühler nahm nach eigener Aussage mit Freude auf, dass in größerem Umfang „als von der Verwaltung gewohnt schüchtern und sparsam vorgesehen“ gefeiert werden sollte. Zum genauen Termin für die Feierlichkeiten wurde nichts beschlossen, unter anderem weil aus den Reihen des Gremiums die Anregung kam, dass lieber im Sommer gefeiert werden sollte.

Hintergrund:

Anfang September 1971 wurde Ottmarsheim nach Besigheim eingegliedert – wie der damalige Ottmarsheimer Bürgermeister Walter Müller in seinem Beitrag für die „Geschichte der Stadt Besigheim“ schrieb, sei die Eingliederung der erste „kommunale Eheschluss“ im Landkreis Ludwigsburg gewesen. Und: Sie habe sich als richtige und glückliche Entscheidung erwiesen – sowohl für Besigheim als auch für Ottmarsheim. Besigheims damaliger Bürgermeister Eberhard Frohnmayer stellte zusammen mit Walter Müller die Weichen für eine Fusion.

Hintergrund des Zusammenschlusses waren die Gemeindereform (1968) beziehungsweise die Kreisreform (1971) in Baden-Württemberg. Eine der Kommunen, die von der Landespolitik als „wenig leistungsfähig“ eingestuft wurde und somit nicht mehr eigenständig sein sollte, war das knapp 800 Einwohner zählende Ottmarsheim. „Nach der Zielplanung der Landesregierung war ursprünglich der Zusammenschluss von Mundelsheim, Hessigheim und Ottmarsheim zu einer Gemeinde vorgesehen“, fasste Müller die Ereignisse zusammen. Doch: „Eingehende Besprechungen mit Mundelsheim und Hessigheim befriedigten (..) Ottmarsheim nicht, so dass man Kontakt mit der Stadt Besigheim aufnahm.“ Und zwischen den Kommunen herrschte dann schnell Einigkeit, dass Ottmarsheim eingegliedert werden sollte – „weil beide Seiten darin die größten Vorteile sahen“. Das empfanden die Ottmarsheimer Bürger offensichtlich ähnlich: Bei einer Beteiligung von 80 Prozent stimmten 90 Prozent für den Anschluss an Besigheim. Anfang September wurde es dann offiziell: Walter Müller und der Besigheimer Bürgermeister Werner Grau unterzeichneten die Eingliederungsvereinbarung. In dieser ist unter anderem vermerkt, dass der Ortsname „Ottmarsheim“, der bisherige Ortscharakter und das örtliche Brauchtum der Gemeinde erhalten bleiben sollen. (kau)

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