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Bürgerbeteiligung

Jugendgemeinderat braucht Kandidaten

Der Einsatz der Jugendlichen hat sich ausgezahlt. Noch in diesem Jahr soll der Jugendgemeinderat zum ersten Mal tagen. Bis es soweit ist, haben die Jugendlichen noch viel vor. Die erste Bewährungsprobe: Kandidaten finden.

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Ludwigsburg. Im März dieses Jahres stehen die ersten Wahlen zum Jugendgemeinderat an. „Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren“, sagt Patrick Burtchen. Er leitet die Abteilung Jugend der Stadt Ludwigsburg und rührt fleißig die Werbetrommel. Mit Plakaten, Flyern und Besuchen an Schulen sollen Jugendliche für das Thema begeistert werden. Es gilt, möglichst schnell Kandidaten für die Besetzung des 21-köpfigen neuen Jugendgemeinderates zu finden. Kandidieren können alle Jugendlichen zwischen 14 und 20 Jahren, die in Ludwigsburg wohnen oder eine Ludwigsburger Schule besuchen.

Der Jugendgemeinderat wird zudem durch eine neu geschaffene 30-Prozentstelle im Sitzungsdienst unterstützt. „Da haben wir echt drum gekämpft“, berichtet Burtchen. Beteiligung funktioniere nicht, wenn sie nicht begleitet werde. Sonst liefen die Bemühungen ins Leere. Jetzt gelte es, erst einmal Erfahrungen zu sammeln. Burtchen will sich für den Erfolg des Jugendgemeinderates einsetzen. „Wir müssen bereit sein, uns zu engagieren und nicht gleich aufzugeben“, sagt er.

Auch Hannah Junginger von der Jugendförderung der Stadt ist zuversichtlich. Sie wird die Jugendlichen federführend bei ihrer Arbeit im neuen Jugendgemeinderat begleiten. Ein erster Kandidat habe sich bereits vor Weihnachten gemeldet, wie sie erfreut berichtet.

Für die Stadträtin Laura Wiedmann (Grüne) ist zudem die Unterstützung vonseiten der Stadt wichtig. Man müsse die Jugendlichen begleiten und bei Projekten, die ins Stocken geraten, aus dem Tief holen – sie motivieren durchzuhalten und weiterzumachen. „Man braucht einen langen Atem, dann klappt es auch“, sagt sie. Wiedmann saß selbst zwei Jahre lang im Jugendgemeinderat in Reutlingen. Der Jugendgemeinderat biete einen Zugang zur Stadt- und Kommunalpolitik. „Dann befasst man sich anders damit, was Kommunalpolitik bedeutet – was es bedeutet, politisch aktiv zu sein“, betont sie. Der Jugendgemeinderat sei eine Investition in die Zukunft der Kommunalpolitik. „Bei mir hat es funktioniert“, erklärt sie. Ohne ihre Arbeit im Jugendgemeinderat wäre sie wahrscheinlich nicht zum Gemeinderat gekommen. Jetzt gelte es, Werbung für die bevorstehenden Wahlen zu machen, um alle Jugendlichen zu erreichen.

Der künftige Ludwigsburger Jugendgemeinderat gehört zu einem dreisäuligen Konzept zur Jugendbeteiligung. Damit können sich junge Menschen ungezwungen und auf unterschiedliche Art einbringen. Besonders die Jugendhearings und die Beteiligung bei konkreten Projekten sollen dabei sicherstellen, dass alle Interessierten in die Abläufe eingebunden sind. Zusätzlich sollen so neue Kandidaten gewonnen werden. Mit dem breitgefächerten Beteiligungskonzept reagieren die Ludwigsburger auch auf Berichte von Jugendgemeinderäten in anderen Städten, die sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben.

Klaus Kupke vom Amt für Schulen, Jugend und Sport in Reutlingen begleitet den dortigen Jugendgemeinderat seit seiner Entstehung im Jahr 1997. Dort wurde viel erreicht, sagt er. Doch nach fast zwanzig Jahren Erfolgsgeschichte gibt es einen Dämpfer. Es würde immer schwerer, Bewerber zu finden, sagt Kupke. „Die Jugendlichen binden sich nicht gerne für zwei Jahre.“ Vielen fehle die Zeit, sich neben Schule und Hobbies anderweitig zu engagieren. Bei der letzten Wahl kamen in Reutlingen 35 Bewerber auf 24 zu vergebene Plätze. Das reiche zwar, jedoch wären Kupke 45 oder mehr Kandidaten lieber.

Um neue Bewerber zu gewinnen, setzt er auf den persönlichen Austausch zwischen den Jugendlichen. „Wenn amtierende Jugendgemeinderäte von ihren Erfahrungen berichten, ist das authentischer“, so Kupke. Oftmals wäre den Jugendlichen gar nicht richtig klar, wie die Lokalpolitik ihre Umgebung bestimmt. Er würde sich wünschen, dass sich mehr Kommunalpolitiker in Schulen vorstellen, denn die Kommunalpolitik fehle oft auf dem Lehrplan.

Bei der ersten Wahl 1997 sind sie mit 107 Bewerbern auf 30 Plätze gestartet. Seitdem ging es immer wieder auf und ab. Seit zwei bis drei Jahren beobachtet er jedoch den Trend, dass die Beteiligung zurückgeht. „Wir müssen uns Gedanken machen, wie es weitergeht“, sagt er. Man müsse den Jugendlichen klarmachen, was sie bewegen können. Auch der Austausch mit den Stadträten sei wichtig.

Von einem Modell zur Beteiligung anhand der Schülermitverwaltung (SMV) hält er wenig. Wirkliches Engagement sei dort eher selten. Oft würde die SMV an der Schule vor sich hin dümpeln. „Als Beteiligungsmodell ist es daher mit Vorsicht zu genießen.“

Anders ist es in Heilbronn. Dort habe es in den 20 Jahren, die der Jugendgemeinderat besteht, keine Probleme gegeben, Kandidaten zu finden, wie Carolin Haug von der Geschäftsstelle des dortigen Jugendgemeinderats berichtet. Man müsse den Jugendlichen von Anfang an zeigen, was sie bewirken können. „Schon in der Werbung zur Wahl muss klar werden, was erreicht werden kann.“ Auch sie hält es für das Beste, die Jugendlichen selbst werben zu lassen. In Heilbronn ließen sich bei der Wahl im vergangenen Jahr 53 Kandidaten aufstellen. Auch die Wahlbeteiligung war mit 53,3 Prozent sehr hoch. Das „Geheimrezept“ sei es, wie Haug sagt, dass sowohl die Verwaltung als auch der Stadtrat den Jugendgemeinderat unterstützen.

 

21 neue Jugendgemeinderäte werden gesucht. Der Jugendgemeinderat bietet jungen Menschen aus Ludwigsburg und solchen, die Ludwigsburger Schulen besuchen, die Chance, die Stadt- und Kommunalpolitik aus der eigenen Perspektive heraus mitzugestalten. Die Wahl wird in einem Online-Verfahren mittels individuellen Zahlencodes durchgeführt. Über die Lehrer an den Schulen werden die Schüler ihre persönlichen Zugangs-Tans erhalten und können dann direkt vor Ort abstimmen. Jugendlichen, die keine Schule in Ludwigsburg besuchen, werden die Zugangsdaten per Post zugesendet. Wer sich für die Wahl im März dieses Jahres aufstellen lassen und mitmachen möchte, kann sich unter Telefon (0 71 41 ) 97 517 337 bei Hannah Junginger von der Jugendförderung melden oder per E-Mail an hannah.junginger@jugendfoerderung.de.