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Jugendmusikschule braucht städtischen Zuschuss dringend

Muss im Herbst der Betrieb wieder eingestellt werden? Wie für viele Einrichtungen bleibt es für die Jugendmusikschule spannend, wie es weitergeht. Doch eines ist schon jetzt sicher: Ohne den vollen Zuschuss der Stadt kann sie nicht mehr lange ihr volles Programm anbieten.

Instrumentalunterricht vor dem Computer: Für viele Musikschülerinnen und -schüler war das während des Lockdowns Realität. Für die Jugendmusikschule bedeutete das Einnahmen, obwohl mehrere Monate lang kein Präsenzunterricht möglich war. Foto: Augustas
Instrumentalunterricht vor dem Computer: Für viele Musikschülerinnen und -schüler war das während des Lockdowns Realität. Für die Jugendmusikschule bedeutete das Einnahmen, obwohl mehrere Monate lang kein Präsenzunterricht möglich war. Foto: Augustas Cetkauskas/stock-adobe.com

Ludwigsburg. In den vergangenen Jahren hatte Christiane Schützer, die Leiterin der Ludwigsburger Jugendmusikschule (JMS), im Ausschuss für Wirtschaft, Kultur und Verwaltung (WKV) gute Nachrichten zu verkünden. Die Musikschule war finanziell gut aufgestellt, die Schülerzahlen zeigten nach oben, die Kooperationen waren erfolgreich. Ganz so rosig sah die Situation nicht aus, als Christiane Schützer den Jahresbericht für 2020 im Ausschuss präsentierte. „Das erste Mal seit Jahren hatten wir ein negatives Jahresergebnis“, so Schützer. 2020 brachte der Musikschule ein Defizit von 38900Euro. Sie sei froh, dass dieses Defizit betrieblich aufgegangen werden konnte, so die Musikschulleiterin. Zum einen sei das möglich gewesen, weil der Unterricht online fortgeführt werden konnte. Diese Möglichkeit sei gut angenommen worden. „Oft war das für die Schüler das einzige Hobby, das noch weiterlief“, sagte Christiane Schützer.

Weil in den Vorjahren gut gewirtschaftet wurde, konnte der negative Jahresabschluss 2020 aus Rückklagen ausgeglichen werden. Jedoch: „Alleine können wir das in den nächsten Jahren nicht stemmen“, so Schützer. Die stabile Arbeit der JMS könne nur fortgesetzt werden, wenn sie wieder öffentlich gefördert würde. Wegen der Coronapandemie wurde der städtische Zuschuss für Vereine in den Jahren 2020 und 2021 um zehn Prozent gekürzt. Das traf nicht nur die Jugendmusikschule, sondern auch zum Beispiel die Tanz- und Theaterwerkstatt und die Kunstschule Labyrinth hart.

Von den Stadträten holten sich Christiane Schützer und ihr Team viel Lob ab. Eine Zusage, dass der Zuschuss 2022 wieder wie gewohnt fließt, gab es allerdings nicht. „Wir schauen danach, dass es nach Möglichkeit keine Kürzungen mehr gibt“, formulierte es CDU-Rätin Edith Klünder. Michael Vierling (Grüne) sprach seine Achtung aus, dass die Jugendmusikschule die städtischen Kürzungen hinnimmt, obwohl die Leistungen fast ununterbrochen online weiter erbracht wurden. Florian Lutz (Freie Wähler) wünschte der JMS, dass sie die angezogene Handbremse bald wieder ganz lösen kann. „Wir hoffen sehr, dass im Herbst nicht wieder Schließungen anstehen“, so Christiane Schützer. Daniel O‘Sullivan (SPD) und Sebastian Haag (FDP) wollten wissen, wie lang die JMS noch „im Krisenmodus“ überleben könnte. Die Musikschule habe für die kommenden Jahre gewisse Rücklagen, erläuterte Schützer. Wenn es weiterhin weniger Geld von der Stadt gebe, habe die JMS zwei Möglichkeiten: Entweder müssten höhere Gebühren verlangt werden, dann wäre der Musikunterricht aber nicht mehr unbedingt sozialverträglich. Oder aber die Rücklagen müssten sehr schnell aufgebraucht werden. Dann könne es jedoch sein, dass die Musikschule bald keine Ensembleproben mehr anbieten oder die Kooperationen mit Kitas und Grundschulen nicht mehr aufrechterhalten kann. „Dafür sind wir auf das städtische Geld angewiesen“, so Schützer.

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