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Karaahmetoglu nimmt dritten Anlauf

Macit Karaahmetoglu führt die Sozialdemokraten im Wahlkreis Ludwigsburg in den Bundestagswahlkampf. Bei seiner dritten Kandidatur darf der 52-Jährige auf breite Unterstützung hoffen: Bei der Nominierungskonferenz in der Ditzinger Stadthalle sprachen ihm 94 Prozent der Delegierten ihr Vertrauen aus.

94 Prozent der Delegierten machten den SPD-Kreisvorsitzenden Macit Karaahmetoglu zum Bundestagskandidaten im Wahlkreis Ludwigsburg. Foto: Holm Wolschendorf
94 Prozent der Delegierten machten den SPD-Kreisvorsitzenden Macit Karaahmetoglu zum Bundestagskandidaten im Wahlkreis Ludwigsburg. Foto: Holm Wolschendorf

Ditzingen/Kreis Ludwigsburg. Es waren keine stehenden Ovationen, mit denen die 70 Delegierten dem frischgekürten Bundestagskandidaten am Samstag nach dessen Bewerbungsrede huldigten. Wohl aber anerkennender Applaus, der deutlich machte, dass Karaahmetoglu im Wahlkampf auf breite Unterstützung der SPD-Basis im Wahlkreis Ludwigsburg setzen kann.

Der Sozialdemokrat ist fest in der Region verwurzelt. Seit 23 Jahren führt er eine Rechtsanwaltskanzlei in Ditzingen. 2006 wurde er Vorstandsmitglied des SPD-Kreisverbands Ludwigsburg, den er seit vier Jahren leitet. Dass sich kein Gegenkandidat zur Wahl stellte, war alles andere als eine Überraschung. „Ich bin hier unter Kumpels, unter Freunden“, sagte Karaahmetoglu in seiner Rede, und mit dieser Einschätzung lag er richtig: 94 Prozent der Delegierten stimmten für ihn.

Zuvor hatte Karaahmetoglu an klassische sozialdemokratische Tugenden appelliert. Er selbst habe allen Grund, der SPD unendlich dankbar zu sein. „Ohne das Anfang der 70er Jahre vom damaligen Bundeskanzler Willy Brandt eingeführte Schüler-Bafög hätte ich als Sohn türkischer Gastarbeiter, der mit elf Jahren nach Deutschland kam, kein Abitur machen und studieren können.“ Sozialdemokratische Politik habe nicht nur sein eigenes, sondern auch das Leben Millionen anderer Menschen positiv beeinflusst: „Die SPD hat Deutschland gerechter gemacht.“

Freilich steht der Kandidat vor einer schwierigen Aufgabe. Seit der ehemalige Staatsminister Gunter Huonker 1994 aus dem Bundestag ausschied, konnte die SPD im Wahlkreis Ludwigsburg keinen Abgeordneten mehr nach Berlin entsenden. Karaahmetoglu selbst scheiterte bereits zweimal mit einer Bundestagskandidatur.

Dennoch nimmt er nun einen dritten Anlauf. Der 52-Jährige ist überzeugt davon, dass die Zeit reif ist. Denn als Regierungspartei habe die SPD große Erfolge vorzuweisen. Etwa die Erhöhung des Kindergelds, das Gute-Kita-Gesetz, die Erhöhung des Arbeitgeberanteils an der Krankenversicherung, die Einführung der Mindestvergütung für Auszubildende, die Verlängerung des Kurzarbeitergelds bis Ende 2021 oder die Einführung des Mindestlohns. „Vier Millionen Menschen in Deutschland profitieren vom Mindestlohn“, sagte Karaahmetoglu. „Das ist ausschließlich dem Kampfgeist und der Ausdauer unserer Partei zu verdanken.“

Bleibt noch die Frage, wie die im Umfragetief umherdümpelnde Partei diese Erfolge vermarkten will. Eine Frage, die auch ein junger Delegierter an Karaahmetoglu richtete. Der Bundestagskandidat zeigte sich zuversichtlich. Angela Merkel stehe nun mal im Vordergrund, deshalb werde jeder Erfolg der Großen Koalition automatisch der Kanzlerin zugerechnet. „Wir haben wenig von unseren Erfolgen profitiert, das ist wirklich so“, räumte Karaahmetoglu ein. Bei der nächsten Bundestagswahl werde Merkel aber nicht mehr antreten. „Wir haben gute Chancen“, so der Jurist. Zudem sei SPD-Spitzenkandidat Olaf Scholz der richtige Mann fürs Kanzleramt. „Ich sehe niemanden, der ihm in puncto Erfahrung und Kompetenz auch nur ansatzweise das Wasser reichen kann“, so Karaahmetoglu.

Der Erfolg hänge nun von jedem einzelnen Parteimitglied ab. Themen wie der entschiedene Kampf gegen den Klimawandel, die weitere Digitalisierung und der Einsatz für ein vereinigtes Europa müssten im Wahlkampf eine entscheidende Rolle spielen. Karaahmetoglu sprach sich auch für eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes aus.

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