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Kein Freizeitpark auf der Liegewiese

Aus der Liegewiese des Mineralfreibads Oberes Bottwartal in Oberstenfeld wird nun doch kein Bürger- und Freizeitpark. Das Bad bleibt in diesem Sommer komplett geschlossen. Diese Entscheidung ist am Dienstagabend in einer teils turbulenten und von zwei Pausen unterbrochenen Sitzung des Zweckverbands gefallen.

Die Becken sind bereits winterfest gemacht. Auch auf der Liegewiese und auf dem Spielplatz bleibt es dieses Jahr leer. Foto: Andreas Becker
Die Becken sind bereits winterfest gemacht. Auch auf der Liegewiese und auf dem Spielplatz bleibt es dieses Jahr leer. Foto: Andreas Becker
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Oberstenfeld/Beilstein. Die Idee, wenigstens die Liegewiese des beliebten Freibads zu öffnen, war aus der Mitte des Oberstenfelder Gemeinderats gekommen, nachdem in einer reichlich kuriosen Zweckverbandssitzung die Öffnung des Freibades verhindert worden war (siehe „Die Fußangeln eines Zweckverbandes“).

Der Oberstenfelder Gemeinderat hatte sich vor knapp drei Wochen mit elf zu sieben Stimmen für eine Öffnung der Liegewiese ausgesprochen – entgegen dem Vorschlag der Verwaltung übrigens. Bevor aber der Zweckverband als Träger des Bades die endgültige Entscheidung fällte, musste das Thema auch im Beilsteiner Gemeinderat behandelt werden. Das geschah zwei Stunden vor der Zweckverbandssitzung, und das Ergebnis in Beilstein war eindeutig: keine Öffnung als Freizeitpark! Stadtrat Bernd Kircher (SPD) fasste es so zusammen: „Wir können Freibad, aber ob wir auch Park können? Das sehe ich kritisch.“ Das Konzept passe vorne und hinten nicht.

Das Konzept sah vor, die Liegewiese, das Beachvolleyballfeld und den Spielplatz von 8 bis 21 Uhr zu öffnen (ab 15. August bis 27. September von 8 bis 20 Uhr). Der FKK-Bereich der Wiese sollte geschlossen bleiben, Alkohol und Glasflaschen im Park wären verboten, die Toilette am Kinderspielplatz sollte geöffnet sein. Für Reinigung, Schließdienste und Mülleinsammeln sollte das Personal des Zweckverbandes sorgen. Die Schwimmbecken werden mit Bauzäunen abgesperrt. Zusätzliche Kosten zusätzlich zum Abmangel von knapp 846.000 Euro: 44.740 Euro. Eintritt: frei.

„Wir hätten das Bad aufmachen können“, ärgerte sich Dietmar Rupp (FWV), „das ist jetzt, als hätte man den Leuten eine Ananas versprochen und gibt ihnen stattdessen einen Rettich!“ Der Beilsteiner Gemeinderat war mit großer Mehrheit für die Öffnung des Freibads gewesen. „Ein Park ist das Ding nicht!“, schimpfte sein Fraktionskollege Oliver Muth, „das Ding bleibt zu!“ Für etwas, das kein Park sei, werde er keine 44.000 Euro ausgeben.

Ursula Fein (FDP) fürchtete, dass auf der Liegewiese Partys gefeiert werden, deren Teilnehmerzahl nicht zu kontrollieren sei. Und Brigitte Kobiela (Bürgerliste) fasste zusammen: „Wir leben in einer so wunderschönen Landschaft, da ist ein Park nicht nötig!“

Außer Stefan Kleinbach (FWV) stimmte deshalb zwar keiner der Beilsteiner Stadträte für die Öffnung der Liegewiese, aber Bürgermeister Patrick Holl schwante, wie die Abstimmung im Zweckverband ausgehen würde: „Oberstenfeld will für die Öffnung stimmen, da werden wir unterliegen.“ Denn Beilstein als der kleinere Partner im Zweckverband verfügt über acht, Oberstenfeld über zehn Stimmen. Und die Verbandsmitglieder müssen so abstimmen, wie sie von ihren jeweiligen Gemeinderäten mandatiert wurden – eigentlich. Das hatte aber schon bei der Freibadöffnung nicht geklappt. Es klappte auch diesmal nicht, als sich der Zweckverband in der Gronauer Mehrzweckhalle traf.

Aus Oberstenfeld hätten acht Stimmen für die Öffnung als Park kommen müssen, aus Beilstein sieben gegen die Öffnung, so lautete der Auftrag der jeweiligen Gemeinderatsgremien (aus beiden Kommunen fehlten Mitglieder). Dass es nicht einfach würde, machte Annette Kori (Freie Wähler, Oberstenfeld) klar: „Es fällt mir sehr schwer, mich an die Abstimmung zu halten, mir ist so übel!“ Und sie verließ den Saal.

Im Laufe der teilweise turbulenten Diskussion, bei der die Beilsteiner Verbandsmitglieder ihre Argumente gegen eine Parköffnung wörtlich wiederholten, war auch Oliver Kämpf (Bürgerliste, Beilstein) nahe dran, den Saal zu verlassen, er habe keine Lust auf diese Spielchen. Hanns-Otto Oechsle (SPD, Oberstenfeld) hatte beantragt, die Abstimmung zu vertagen, ein spontanes Händeheben versank im Tumult, es kam zur ersten von zwei Pausen mit heftigen Diskussionen der beiden Lager. „Es ist halt blöd so, wie es ist!“, kommentierte Zweckverbandsvorsitzender und Oberstenfelds Bürgermeister Markus Kleemann. Bei der Abstimmung stand Beilstein einheitlich zur Ablehnung, Oberstenfeld stimmte uneinheitlich ab, weshalb diese Stimmen nicht zählten und der Istzustand erhalten bleibt: Auch die Liegewiese bleibt zu.

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