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Keine Autos mehr durch den Campus

Die bevorstehende Sanierung und Erweiterung der Besigheimer Friedrich-Schelling-Schule ist auch eine Chance, die Verkehrssituation rund um und auf dem Campus neu zu überdenken – und gegebenenfalls zu ändern. Klarer Wille des Gemeinderats ist, dass künftig kein Verkehr mehr übers Gelände fahren soll.

Noch regelt eine Schranke die Zufahrt über das Schulgelände. Foto: Alfred Drossel
Noch regelt eine Schranke die Zufahrt über das Schulgelände. Foto: Alfred Drossel

Besigheim. Auf fünf Züge wird die Friedrich-Schelling-Grundschule erweitert. Dafür wird nicht nur der Altbau saniert, sondern auch der Mittelbau abgerissen und ein Neubau errichtet (wir berichteten mehrfach). Bisher ist es so, dass der Schulcampus durch eine Straße geteilt wird, die vor und nach dem Unterricht sowie in den Pausen per Schranke gesperrt wird. Optimal ist das nicht. Deswegen sorgt die Verkehrsführung immer wieder für Diskussionen. Wieso bislang an der Schrankenregelung festgehalten wurde, liegt vor allem daran, dass die Straße für die Andienung der Innenstadtgeschäfte eine wichtige Rolle spielt. Der Weg aus der Innenstadt, an Stadtkirche und Steinhaus vorbei, führt bei geschlossener Schranke nur über eine enge Kurve und das schmale Schafbergle. Aber wenn jetzt ohnehin ein Großprojekt angegangen werden soll, könnte doch die Chance für eine bessere Verkehrssituation genutzt werden.

Und bevor sich ein beauftragter Verkehrsplaner mit den Möglichkeiten auseinandersetzte, hatte zunächst der Gemeinderat in einer nicht öffentlichen Klausurtagung festgelegt, was er möchte – beziehungsweise nicht möchte. So tauchte in der Verkehrsuntersuchung, die Frank Peter Schäfer vom Ingenieurbüro BS jetzt dem Gremium präsentierte, keine „Kiss-and-drop“-Zone auf. Also kein Areal, wo sich der Hol- und Bringverkehr der Eltern bündeln soll. „Klar ist, die Eltern werden sich ihren Weg suchen. Das zeigt die Erfahrung“, sagte Schäfer.

Dafür gibt es auf dem Plan jetzt mehrere schwarze Punkte: Sie stellen versenkbare Poller dar, die am Anfang und Ende der heutigen Straße über den Campus platziert werden sollen. Denn auch wenn laut Schäfer eine Vorgabe des Gemeinderats gewesen ist, dass kein Verkehr mehr übers Schulgelände rollt, so muss das Areal im Notfall und für Anlieferungen natürlich befahrbar bleiben. Und für die Lastwagen, die nach der Belieferung der Innenstadtgeschäfte aus der Altstadt herausfahren, gibt es auch eine Lösung: Der Kurvenradius zum Schafbergle soll vergrößert werden. So könne ein dreiachsiger Lastwagen von der Innenstadt kommend dort einbiegen. Hierfür sei ein „nicht unwesentlicher Eingriff in den Bestand“ nötig, sagte Schäfer über den „anspruchsvollen Bereich“. Das wäre etwas, das in der vertiefenden Entwurfsplanung ausgearbeitet werden müsse. Der Vorsitzende des Marketing Concepts Besigheim, BMU-Stadtrat Hansjörg Kollar, fehlte zwar nun bei der Gemeinderatssitzung, gab aber zuvor eine Stellungnahme ab: Die Ausfahrt über das Schafbergle werde mit der Umgestaltung funktionieren.

Wie es künftig mit den Parkplätzen rund um den Campus aussehen wird, bleibt abzuwarten. Das Büro BS weist einen Bedarf von 28 Stellplätzen für die Schule und zwei für die Kita nach, allerdings sind nur sieben auf dem vorgelegten Plan zu finden – und zwar an der Turmstraße, wo es jetzt schon Stellplätze gibt. Frank Peter Schäfer verwies auf die Parkmöglichkeiten unterhalb des Bergsporns, also Parkhaus oder Kleines Neckerle.

Das Gremium war mit der Untersuchung zufrieden: „Es ist gut umgesetzt, die Vorschläge sind alle eingearbeitet“ (Edgar Braune/WIR) oder „die Detailplanung wird man noch verfeinern müssen, aber die Dinge, die wir besprochen haben, sind gut umgesetzt“ (Walter Zeyhle/FWV). Achim Schober (CDU) hätte hingegen noch gerne etwas zum Schulwegeplan gehört und wo Eltern mit Kitakindern parken könnten, wenn sie ihre Kleinen zur Kita bringen, die ebenfalls auf dem Areal liegt. Letzteres sprach auch Helmut Fischer (BMU) an, er regte an, mit der evangelischen Kirchengemeinde zu reden, ob der Parkplatz des in der Nähe liegenden Paul-Gerhardt-Hauses dafür genutzt werden könnte. Was den Schulwegeplan betrifft, sagte Schäfer, so werde dieser mit einem nächsten Konzept vorgelegt.

Ebenfalls noch nicht tiefergehend untersucht worden ist die durchaus zur Diskussion stehende Verkehrsberuhigung in Teilen der Bügelestorstraße, die unterhalb des Schulcampus verläuft. „Dies wäre mit Sicherheit ein förderliches Element, wenn man den Verkehr durch die Bügelestor-straße vermindern möchte“, meinte Schäfer. Das jedoch sei nur eine Verlagerung des Verkehrs, merkte Ulrich Gerstetter (CDU) an. Grundsätzlich müsse man sich die gesamte Verkehrssituation genau anschauen: „Auch wenn wir nur ein wenig verändern, wird das Auswirkungen haben.“ Bürgermeister Steffen Bühler betonte, dass er auf keinen Fall eine komplette Schließung der Bügelestorstraße möchte, das führe zu Chaos an anderen Stellen. Edgar Braune sagte, das Gremium wolle ja erreichen, das möglichst wenig Elternverkehr aus Richtung Altstadt zur Schule fahre. Wie wäre es denn, wenn die Verkehrsberuhigung der Innenstadt zeitlich ausgedehnt würde? In der Sommerzeit ist an Wochenenden und Feiertagen die Zufahrt in die Innenstadt nur eingeschränkt möglich. Warum verlängere man die Verkehrsberuhigung nicht probeweise auf unter der Woche von 18 bis 8 Uhr? Zu diesen Zeiten wäre der Geschäftslieferverkehr ja nicht betroffen. Bühler winkte ab: „Die Stadt ist froh, dass der jetzige Kompromiss einigermaßen funktioniert.“ Wenn die WIR-Fraktion hierzu einen Antrag stellen wolle, könne sie das natürlich gerne tun.

Der Gemeinderat stimmte der Verkehrsuntersuchung grundsätzlich zu. Die einzelnen Planungen werden nun weiter ausgearbeitet und erneut besprochen.

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