Logo

„Keine Hinterzimmer-Entscheidung“

Im frisch sanierten Stiftsgebäude gibt es nun 21 betreute Wohnungen, von denen neun bereits von Bestandsmietern bewohnt sind. Jetzt hat der Gemeinderat Kriterien festgelegt, nach denen die restlichen zwölf Wohnungen vermietet werden – und zu welchem Preis.

Ein stilvoller Garten gehört bei den betreuten Wohnungen im Oberstenfelder Stiftsgebäude dazu. Archivfoto: Alfred Drossel
Ein stilvoller Garten gehört bei den betreuten Wohnungen im Oberstenfelder Stiftsgebäude dazu. Foto: Alfred Drossel

Oberstenfeld. Seit 2018 wird das Stiftsgebäude umfassend modernisiert. Die Sanierung mache „große Fortschritte“ sagte Bürgermeister Markus Kleemann bei der jüngsten Gemeinderatssitzung. Er gehe davon aus, dass alle Wohnungen im Februar des kommenden Jahres bezogen werden können.

Betreutes Wohnen mitten im Ort, Einkaufsmöglichkeiten und Ärzte nur einen Steinwurf weit entfernt – das ist für viele Menschen ein attraktives Angebot. Deshalb ist es kein Wunder, dass es bereits 82 Interessenten für die noch freien zwölf Wohnungen gibt. Neun der insgesamt 21 Wohnungen sind bereits bewohnt; und zwar von Menschen, die bereits vor und während der Sanierung im Stift gelebt haben.

Punktesystem bei der Vergabe

Die Vermietung der noch freien zwölf Wohnungen soll – so die Verwaltung – „fair, gerecht und transparent“ sein. „Hier wird nichts im Hinterzimmer entschieden!“, versprach Bürgermeister Kleemann. Trotzdem: Die Vergabe der Ein- und Zweizimmerwohnungen werde eine schwierige Entscheidung sein. „Wir werden einige nicht glücklich machen“, vermutet Kleemann. Bei der Vergabe helfen soll ein Punktesystem. Voraussetzung ist allerdings, dass sich die Bewerber weitestgehend selbst versorgen können; mit Demenz oder Pflegebedürftigkeit lässt sich das Prinzip betreutes Wohnen nicht vereinbaren. Menschen mit Behinderung dagegen sind willkommen, für sie (bei einem Behinderungsgrad von mindestens 50 Prozent) gilt auch nicht die Regel, wonach ein Mieter mindestens 65 Jahre alt sein muss. Weitere „Pluspunkte“ gibt es für das Alter: Je älter, desto mehr Punkte. Auch der Grad der Behinderung gibt Punkte, sodann ob die bisherige Wohnung bereits barrierefrei ist oder nicht. Wer bereits in einer barrierefreien Wohnung lebt, hat schlechtere Karten.

Pluspunkte gibt es auch, wenn der Hauptwohnsitz Oberstenfeld ist. Und wer sich ehrenamtlich betätigt hat, sei es bei der Feuerwehr oder in einer karitativen Einrichtung, sammelt ebenfalls Punkte. Bei Punktegleichheit entscheidet das Los.

Vor Beginn des Vergabeverfahrens soll es einen Besichtigungsnachmittag geben, bei dem sich die Interessenten in kleinen Gruppen die Wohnungen anschauen können. Der Architekt und Vertreter der Verwaltung werden Fragen beantworten.

„Es gibt keine zwei Interessentenlisten“

Dem in Oberstenfeld kursierenden Gerücht, es würden zwei unterschiedliche Bewerberlisten geführt, widersprach Kleemann: Es gebe nur eine Liste, auf der alle Interessenten stehen. Wer noch nicht da-rauf steht, sich aber für eine Wohnung interessiert, sollte einfach beim Bauamt anrufen und sich bewerben. „Es gibt keine Warteliste!“, betonte Kleemann, „sondern ausschließlich eine Interessentenliste.“ Was die Miete angeht, so stimmte der Gemeinderat für den von der Verwaltung vorgeschlagenen Preis von 8,37 pro Quadratmeter Kaltmiete. Verfügt die Wohnung über einen der angebauten Balkone kommen noch mal 0,59 Euro pro Quadratmeter obendrauf. Auch für die Einbauküche werden monatlich 30 bis 50 Euro fällig. Einen Kellerraum kann man für zehn Euro im Monat mieten. Für Grundleistungen erhebt das benachbarte Kleeblattpflegeheim eine monatliche Pauschale von 97,15 Euro. Die „Altmieter“ müssen – wie versprochen – keine Mieterhöhung fürchten. Die neuen Mieten gelten nur für die neu bezogenen Wohnungen.

Autor: