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Kelten-Prunkgrab erreicht die Stadt auf einem Lkw

Zum zweiten Mal ist am Mittwoch ein komplettes Prunkgrab aus der Keltenzeit in einem 80-Tonnen-Block von der Heuneburg nach Ludwigsburg transportiert worden. Auch dieses Grab soll hier unter Laborbedingungen erforscht werden. Erste Goldfunde deuten auf ein ranghohes Mitglied der Herrscherfamilie hin.

•Diese Goldperlen wurden im ersten Grab von der Heuneburg gefunden. Sie wurden ab 2011 in Ludwigsburg freigelegt. Archivfoto: Holm Wolschendorf
•Diese Goldperlen wurden im ersten Grab von der Heuneburg gefunden. Sie wurden ab 2011 in Ludwigsburg freigelegt. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Wer war die oder der Tote? Ein Herrscher über die erste Stadt nördlich der Alpen? Und welche Geheimnisse hat der Tote mit ins Grab genommen? Schon bald könnte es darauf erste Antworten geben.

Zum zweiten Mal hat das Landesamt für Denkmalpflege ein komplett erhaltenes Grab aus der keltischen Blütezeit um 600 vor Christus geborgen und in ein Labor des Landesamts nach Grünbühl gebracht. Das Prunkgrab stammt aus der Nekropole (antike Begräbnisstätte) Bettelbühl bei Herbertingen im Landkreis Sigmaringen. Dort, weniger als drei Kilometer von der Heuneburg an Donau entfernt, soll vor 2600 Jahren die erste Stadt nördlich der Alpen gestanden haben.

Ist es ein Verwandter der Keltenfürstin?

Bereits am Dienstagabend startete das Grab als 80-Tonnen-Koloss auf einem Lkw Richtung Ludwigsburg, erläutert Nicole Ebinger, die Chefrestauratorin des Landesamts für Denkmalpflege. „Um 5.10 Uhr haben wir Ludwigsburg-Nord erreicht.“ Dort ging es dann aber erst einmal nicht mehr weiter, weil eine Ampel im Weg stand. Der Lkw mit dem Prunkgrab auf der Ladefläche verstopfte die komplette B27. Gegen 11 Uhr kam das Grab dann an seinem Ziel in Grünbühl an. Am frühen Mittwochabend wurde es von zwei Kränen abgeladen.

„Es handelt sich wieder um ein frühkeltisches Holzkammergrab“, sagt Nicole Ebinger, die schon das Grab der Keltfürstin, das vor zehn Jahren von Herbertingen nach Ludwigsburg transportiert wurde, miterforscht hat. Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass auch das Grab aus Hügel zwei – insgesamt umfasst die Nekropole sieben Hügel – die europäische Keltenforschung in Aufruhr versetzen wird. Zwar ist das Grab noch verschlossen, ein erster Suchschnitt in die Kammer hat aber schon spektakuläre Funde zum Vorschein gebracht: darunter Goldperlen, eine Bernsteinfibel sowie Überreste von Wagenbeschlägen aus Bronze.

Laut Ebinger könnte es sich um einen Verwandten der Keltenfürstin aus dem zuerst erforschten Grabhügel handeln. Ob ein Mann oder eine Frau in dem Prunkgrab liegt, ist bisher noch nicht klar. Die Restauratorin rechnet auch bei diesem Grab mit einer hervorragenden Erhaltung durch den feuchten Boden in der Donauebene. Dies macht neben den Funden aus Gold auch organische Überreste – etwa aus Holz oder Leder – wahrscheinlich. Durch die Trockenheit der vergangenen Jahre sei es höchste Zeit gewesen, das Grab zu bergen.

Die Ausgrabung dauert mehrere Jahre

Nicole Ebinger möchte sich mit Einschätzungen zurückhalten, es gebe aber erste Indizien, die darauf hindeuten, dass das zweite Grab noch prunkvoller ausgestattet ist und für die Wissenschaft noch interessanter sein könnte. Der fein gearbeitete Goldschmuck ist für die Archäologen übrigens nur ein interessanter Aspekt unter vielen. Ebinger stellt klar: „Wir wiegen unsere Ergebnisse nicht in Gold auf.“ Diese Gräber hätten nur in ihrer Gesamtschau eine „wahnsinnige Aussagekraft über das Leben der Kelten.“

Ein Team aus Fachleuten hat nun mehrere Jahre Zeit, das Grab unter Laborbedingungen zu öffnen und alle Funde sofort wissenschaftlich zu untersuchen. Ebinger rechnet damit, dass es etwa zwei Jahre dauern wird, alle Funde freizulegen. Forschung aus Auswertung werden dann weitere Zeit in Anspruch nehmen. „Wir haben hier in Ludwigsburg schon sehr gute Erfahrungen mit dem ersten Grab gesammelt.“ Um den 80-Tonnen-Block wird jetzt eine Leichtbauhalle errichtet, dann folgen Arbeitsbühnen, mit denen man direkt über der Ausgrabungsfläche arbeiten kann.

Auf die Ergebnisse aus Ludwigsburg, neben der Chefrestauratorin des Landes sind auch der Landesarchäologe Dirk Krauße sowie der Archäologe Leif Hansen, der die Heuneburg erforscht, involviert, werden in den nächsten Monaten die Augen der europäischen Keltenforschung gerichtet sein. Denn schon das erste Grab galt als bedeutendster Keltenfund im Land, seit der Freilegung des Keltengrabs von Hochdorf Ende der 70er Jahre. Auch der Öffentlichkeit sollen möglichst bald erste Funde präsentiert werden. Das Interesse ist groß. Die Ausstellung „Das Geheimnis der Keltenfürstin von der Heuneburg“ mit den Funden aus dem ersten Grabhügel tourt schon seit Jahren durch das Land.

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