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Olympia

Kessing: „Das Ganze wird zur Farce“

Jürgen Kessing, Präsident des Deutschen Leichtathletikverbandes, hat sich mit klaren Worten für eine Verschiebung der Olympischen Sommerspiele 2020 ausgesprochen. „Für mich kann die Entscheidung nur sein, wir verschieben die Olympischen Spiele“, sagte der Oberbürgermeister von Bietigheim-Bissingen im ZDF-Sportstudio.

Klare Ansage: DLV-Präsident Jürgen Kessing spricht sich für eine Verlegung der Olympischen Sommerspiele aus. Foto: Michael Kappeler/dpa
Klare Ansage: DLV-Präsident Jürgen Kessing spricht sich für eine Verlegung der Olympischen Sommerspiele aus. Foto: Michael Kappeler/dpa

Mainz/Bietigheim-Bissingen. Im Aktuellen Sportstudio am Samstagabend äußerte sich Kessing in einer Talkrunde mit betroffenen Athleten zur aktuellen Situation und stellte sich damit öffentlich gegen Thomas Bach. Der IOC-Präsident lehnte bis dahin eine Absage der Sommerspiele vom 24. Juli bis 9. August in Tokio ab (siehe Beitext).

Kessing betonte, dass er als Präsident des Deutschen Leichtathletikverbandes mit rund 800 000 Mitgliedern in 7 753 Vereinen, den er seit November 2017 leitet, auch verantwortlich sei für 50 hauptamtliche Mitarbeiter in der Geschäftsstelle des DLV. Das Zögern des IOC, die Spiele abzusagen sei schwer nachvollziehbar, sagte Kessing. „Wir hängen in der Luft, die Trainingsbedingungen der Athleten sind mehr als schlecht“, betonte der 62-Jährige und verwies darauf, dass alle vorgesehenen Trainingslager bereits abgesagt seien.

„Sich in dieser Phase nicht richtig vorbereiten zu können, ist das Schlimmste, was den Athleten passieren kann. Man fällt in ein tiefes Loch, die Chancengleichheit weltweit ist nicht mehr gegeben, das Ganze wird angesichts der ausfallenden Dopingkontrollen zur Farce“, so der ehemalige Stabhochspringer, der seine eindringlichen Appell mit den Worten schloss: „Für mich kann die Entscheidung nur sein, wir verschieben die Olympischen Spiele, mindestens bis ins nächste Jahr!“

Kessing hatte zuvor betont, dass er in erster Linie seiner Hauptaufgabe als Oberbürgermeister der Stadt Bietigheim-Bissingen nachkommen müsse. Er verwies auf die Notstände in der vom Coronavirus am stärksten betroffenen norditalienischen Stadt Bergamo. Der Landkreis Ludwigsburg sei Partner dieser Region. Er habe allen Mitarbeiter mit auf den Weg gegeben, die Vorsichtsmaßnahmen strikt zu befolgen. „Sonst laufen wir in genauso ein Desaster, wie es in Italien passiert ist“, so Kessing.

Ebenfalls im ZDF-Sportstudio hat Säbelfechter und Athleten-Aktivist Max Hartung für sich einen Start bei den Olympischen Spielen in Tokio in diesem Sommer ausgeschlossen. Mit diesem Schritt wolle er in der Diskussion um eine Verlegung der Sommerspiele angesichts der Coronavirus-Pandemie ein Zeichen setzen, betonte der 30-Jährige.

Hartung schließt Start für sich aus

Von einer Konsultation mit 200 Athleten durch den Deutschen Olympischen Sportbund berichtete Hartung am Samstag, dass die Athleten nun abstimmen könnten, ob sie für eine Verschiebung oder Beibehaltung des Olympia-Termins vom 24. Juli bis 9. August seien.

Ihm „breche es das Herz“, sagte der Vorsitzende des Vereins Athleten Deutschland über die Tragweite seiner Entscheidung. „Ich hätte heulen können.“ Das Internationale Olympischen Komitee forderte er auf, die „Hängepartie zu beenden“ und die Spiele zu verschieben. Hartung befindet sich derzeit in freiwilliger Quarantäne. „Was ich mir wünschen würde, dass das IOC mit offenen Karten spielt und uns Athleten mit einbezieht“, sagte Hartung.

Wie Kessing und Hartung sprachen sich in der Sendung auch Spitzenradfahrer Maximilian Schachmann und Boxerin Nadine Apetz für eine Olympia-Verlegung aus. Somit wächst der internationale Druck, die Sommerspiele nicht wie geplant in diesem Sommer auszurichten, auf das IOC weiter.

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