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Kleines Konjunkturprogramm

Trotz Haushaltssperre sollen in der Markgröninger Altstadt nicht nur öffentliche Sanierungsvorhaben unterstützt werden

Marktplatz in Markgröningen: Die Modernisierung des Areals und des benachbarten Kirchplatzes schlägt wohl mit rund 1,8 Millionen Euro zu Buche. Archivfoto: Alfred Drossel
Marktplatz in Markgröningen: Die Modernisierung des Areals und des benachbarten Kirchplatzes schlägt wohl mit rund 1,8 Millionen Euro zu Buche. Foto: Alfred Drossel

Markgröningen. Um die Altstadt mit ihren rund 100 Baudenkmalen in den kommenden Jahren in Schuss zu halten, muss die Stadt Markgröningen Millionen investieren. Für die Umgestaltung des Markt- und Kirchplatzes kalkulieren Bürgermeister Rudolf Kürner und sein Kämmerer Klaus Schmelzer mit etwa 1,8 Millionen Euro. Die Sanierung der Unteren Kelter schlägt wohl mit mindestens 2,3 Millionen Euro zu Buche. Und da wäre noch das Spitalareal, das die Stadt ebenfalls angehen müsste.

Zusammen kommt so eine hübsche Summe für eine Kommune, die gerade wegen Corona eine Haushaltssperre beschlossen und Schulden von weit mehr als zehn Millionen Euro im Kernhaushalt angehäuft hat. Die Altstadt war ihr trotzdem immer lieb und teuer. Derzeit läuft das fünfte Sanierungsgebiet. Der Bürgermeister verweist bei offiziellen Anlässen gerne auf die 16 Häuser aus dem 15. Jahrhundert. Der Rat habe laut Kürner in den vergangenen 42 Jahren Fördergeld in zweistelliger Millionenhöhe für den Stadtkern bereitgestellt. „Die historisch bedeutsamen Gebäude sind in städtischer Hand“, so der Rathauschef.

Der Kämmerer Schmelzer hat in den vergangenen Wochen dafür geworben, private Modernisierungsprojekte in der Altstadt bei der Förderung zurückzustellen. „Nehmen wir uns die Zeit und warten ab, bis unsere Haushaltsstrukturkommission die aktuelle finanzielle Lage beleuchtet hat“, rief der Finanzexperte den Kommunalpolitikern im Gemeinderat zu. Ende Juli erwartet Schmelzer belastbare Zahlen.

An seiner Seite: die Markgröninger CDU. „Wir können es uns derzeit nicht leisten, Hunderttausende Euros für freiwillige Aufgaben auszugeben“, so der Ratsherr Tobias Bäßler. Der Unterriexinger Christdemokrat Simeon Fleckhammer sagt: „Wir wissen noch nicht, wie dick es für uns kommt.“ Wer jetzt für weitere Investitionen stimme, handele unverantwortlich.

Mehrheitsmeinung ist das in Markgröningen nicht. Freie Wähler, SPD, GAL und FDP wollen private Vorhaben in der Altstadt weiter unterstützen, wenn auch mit reduzierten Sätzen. Sie würden zu Einsparungen von mehr als 850.000 Euro führen. Der Anteil der Stadt liegt bei etwa 455.000 Euro. „Wir müssen auch in schwierigen Zeiten Impulse setzen“, sagt der Fraktionschef der Freien Wähler, Matthias Reutter. Die SPD erhofft sich, dass private Investoren für ein kleines Konjunkturprogramm für ortsansässige Handwerker sorgen. „Wir müssen unsere Mutterstadt und die Teilorte attraktiver gestalten“, findet die Unterriexinger Stadträtin Karin Rosswog.

Für die Markgröninger GAL gilt es, die Immobilien und Baudenkmale mit Geschichte zu erhalten. „Ich will nicht, dass historische Bausubstanz verfällt und es das dann war mit der Altstadt“, bekennt der Ratsherr Arndt Zwicker. Für die Markgröninger FDP ist es wichtig, dass auch in Krisenzeiten freiwillige Aufgaben angepackt und nicht nur das Pflichtprogramm abgespult werde. Der Ratsherr Joachim Blank: „Es ist ein Signal, dass nicht alles eingestampft wird.“

Mit 18:5 stimmte der Rat schließlich gegen den Vorschlag der CDU, die Förderung privater Projekte zu schieben.

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