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Klimaschutz: Druck von unten in den Kommunen

Die baden-württembergische Landesregierung hat sich im Herbst 2021 dazu verpflichtet, ihre Verwaltung bis 2030 klimaneutral zu gestalten. Dass in vielen Kommunen eine solche Selbstverpflichtung noch nicht in Sicht ist, will der bundesweite Verein Germanzero ändern. Nun startet eine Gruppe im Bottwartal eine lokale Initiative.

Die grün-schwarze Landesregierung macht es vor, aber so manche Kommune noch nicht nach: Die Initiative Germanzero will darauf hinwirken, dass sich Verwaltungen zu Klimaneutralität und damit zu einer schwarzen Null beim Treibhausgasausstoß verpflichte
Die grün-schwarze Landesregierung macht es vor, aber so manche Kommune noch nicht nach: Die Initiative Germanzero will darauf hinwirken, dass sich Verwaltungen zu Klimaneutralität und damit zu einer schwarzen Null beim Treibhausgasausstoß verpflichte

Großbottwar. „Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun“, zitiert die Gruppe aus dem Bottwartal in ihrer Pressemitteilung den französischen Dramatiker Molière. Einer, der sich zum Handeln für eine klimaneutrale und damit gute Zukunft verpflichtet sieht, ist Andreas Fink aus Großbottwar. Zwar gehört er selbst dem Vorstand des Grünen-Ortsverbands an, betont aber: „Die Initiative ist bewusst von der Partei losgelöst.“ Denn jeder solle mitmachen können, und man hoffe, so Barrieren zu verhindern, aber auch Widerstand in den anderen Fraktionen der Gemeinderäte.

Gespräche, Begehren und Anträge

Denn auf deren Entscheidungen einzuwirken, ist ein erklärtes Ziel der Initiative. Viele Gemeinderäte wünschten sich eine schwarze Null im Haushalt, um der nachfolgenden Generation keine Schulden zu hinterlassen, so die Mitteilung weiter. „Aber was wünschen sich die Kinder und Enkelkinder?“, fragen die Initiatoren von Germanzero (übersetzt: deutsche Null) fürs Bottwartal, um auch gleich selbst die Antwort zu geben: „Eine schwarze Null beim Klimaschutz!“ Damit in den Gremien am Ende Beschlüsse fallen, die Klimaneutralität der jeweiligen Gemeinde bis spätestens 2035 zum Ziel haben, soll es Gespräche mit Politikern, Bürgerbegehren und Einwohneranträge geben. Wie das alles genau funktioniert, ist Thema bei einem ersten Workshop an diesem Donnerstag.

Zwar findet die Auftaktveranstaltung online statt und steht damit allen Interessierten aus dem Bottwartal offen, die ersten Schritte sollen aber in Großbottwar erfolgen. Denn dort geht es Andreas Fink in Sachen Klimaneutralität viel zu langsam, während er Steinheim etwa mit seinem Nahwärmenetz schon ein gutes Stück weiter sieht. Nach Großbottwar sollen Aktivitäten in Murr, Steinheim und Oberstenfeld folgen. Auch Marbach, Benningen und Beilstein sind denkbar, doch hängt das davon ab, ob sich Einwohner von dort dem Netzwerk anschließen. „In keiner der vier Bottwartalkommunen gibt es einen Beschluss des Gemeinderats, bis zu einem bestimmten Jahr klimaneutral zu werden“, sagt Andreas Fink. „Obwohl genug Rückenwind von Bund und Land da ist.“

„Die Zeit läuft uns davon“

In Großbottwar würden etwa weiterhin kommunale Gebäude ans Gasnetz angeschlossen. „Man macht weiter wie bisher, aber man sieht ja gerade, dass das nicht der Weg ist, den wir in der Zukunft gehen können“, so Andreas Fink. Im geplanten Gewerbegebiet Geißhälden sieht er Potenzial für ein Blockheizkraftwerk, was auch bereits im Gemeinderat angeregt wurde, und wünscht sich zudem ein Nahwärmenetz für die städtischen Gebäude. Das war in letzter Zeit kein Thema, doch die Wärmeversorgung für die Bürger wurde in der jüngsten Gemeinderatssitzung zumindest angestoßen: Die Stadtverwaltung ist mit der Vorbereitung der Wärmeplanung beauftragt, die Energieagentur im Kreis Ludwigsburg (LEA) mit einer Machbarkeitsuntersuchung für ein Wärmenetz zunächst für den Teilort Winzerhausen.

„Die Zeit läuft uns davon“, heißt es aber in der Mitteilung von Germanzero Bottwartal. Während „die da oben“ noch redeten, wolle man jetzt anfangen: „Die Initiative möchte die Politiker und Politikerinnen im Bottwartal dazu bringen, die Gemeinden klimaneutral zu machen, so schnell wie möglich.“ Als nächstgrößere Einheit nach den Privathaushalten hält die Initiative die Kommunen für prädestiniert: „Germanzero Bottwartal fordert Klimaschutz in unseren Heimatorten ein.“

Überparteilicher Verein mit vielen lokalen Ablegern

Dabei sind die Klimaschützer aus dem Bottwartal nicht auf sich allein gestellt. Denn der überparteiliche Verein Germanzero mit Sitz in Hamburg und Geschäftsstelle in Berlin unterstützt laut der Mitteilung deutschlandweit bereits 70 Teams, darunter auch drei im Kreis Ludwigsburg – in Besigheim, in Sachsheim und wie berichtet in Bietigheim-Bissingen. Nun soll Großbottwar hinzukommen. „Es wäre schön, wenn wir ein paar Mitstreiter finden“, so Andreas Fink. Doch auch wer sich nur informieren möchte, ist willkommen. Denn die Initiative will auch ein Bewusstsein für ihr Anliegen schaffen.

INFO: Die Auftaktveranstaltung für Großbottwar findet diesen Donnerstag, 23. Juni, um 18.30 Uhr online statt. In zwei Blöcken zu je eineinhalb Stunden geht es um die Vernetzung und Tipps für eine eigene Kampagne vor Ort. Weitere Infos und Anmeldung bis 12Uhr am Donnerstag unter mitmachen.germanzero.de/ kickoff_ke_gro_bottwar_20220623

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