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Knapp 500 Atomgegner unterwegs

Vor dem zehnten Jahrestag der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima zogen gestern knapp 500 Demonstranten vom Kirchheimer Bahnhof zum Kernkraftwerk Neckarwestheim. Ihre Forderung: sofort abschalten. Mit der Demonstration wollten sie erneut auf die Gefahren der Atomkraftnutzung aufmerksam machen.

Protestmarsch: die Demonstranten auf dem Weg zum Kernkraftwerk. Fotos: Alfred Drossel
Protestmarsch: die Demonstranten auf dem Weg zum Kernkraftwerk. Foto: Alfred Drossel
Die Kernkraft wird zu Grabe getragen.
Die Kernkraft wird zu Grabe getragen.
Stilecht und coronakonform.
Stilecht und coronakonform.

Kirchheim/Gemmrigheim. Unter dem Motto „AKWs abschalten sofort – weitere Energiewende jetzt“, marschierten gestern Nachmittag Hunderte Demonstranten zum Atomkraftwerk Neckarwestheim. Die Trommelgruppe „Lokomotive Stuttgart“ stimmte auf den Demonstrationszug ein, der wie in den Jahren zuvor den gleichen Weg nahm und von Polizeistreifen gesichert wurde. Es kam zu keinen Zwischenfällen. Franz Wagner vom Bündnis Fukushima-Neckarwestheim sprach von knapp 500 Teilnehmern vor Ort und 200 Sympathisanten, die ihre Beiträge eingesandt hatten.

Auf den Transpararenten und in den Grußbotschaften waren Schlagworte wie „Super-GAU in Grün“, „Legt den Schrott-Reaktor endlich still“, „Stadtwerke statt EnBW“ oder „Handeln, bevor es zu spät ist“ zu lesen. Wie in den Vorjahren tauschte das Bündnis Fukushima-Neckarwestheim mit den befreundeten Antiatom-Initiativen der japanischen Stadt Kyoto Solidaritätsgrüße aus. Die gestrige Demonstration erinnerte an die Fukushima-Katastrophe am 11. März 2011. Nagomi Norimatsu von der japanischen Gruppe „Ichimoku“ aus Stuttgart mahnte in ihrer Ansprache vor den Toren des Kraftwerks, Fukushima nicht zu vergessen. Sie berichtete von Vertuschungsversuchen der japanischen Behörden und der AKW-Betreiberfirma, um die Planung der Olympischen Spiele nicht zu gefährden. Mit ihnen habe von der Katastrophe abgelenkt werden sollen, um vor der Weltöffentlichkeit das Trugbild einer heilen Welt zu malen.

„Hier in Neckarwestheim warnen wir seit Jahren vor dem zunehmenden Risiko eines schweren Unfalls. Was muss noch passieren, bis die Grün geführte Landesregierung endlich die Reißleine zieht und den Rissreaktor stilllegt?“, fragte Armin Simon von der Anti-Atom-Initiative „Ausgestrahlt“ in Bezug auf die Presse-Veröffentlichungen der vergangenen Tage. Selbst einen Reaktor, in dem sich seit Jahren immer neue, gefährliche Risse bilden würden, wolle die Landesregierung auf Teufel komm raus bis zum letztmöglichen Termin am Netz halten. Und das, obwohl der Zustand des Kraftwerks seit 2018 nicht mehr den Genehmigungskriterien entspreche, so Simon.

Dem Bündnis Fukushima-Neckarwestheim als Veranstalter der Demonstration sei es ein Anliegen, den Atomausstieg immer als Kernelement innerhalb von Energiewende und Klimaschutz zu sehen, betonte Herbert Würth, der auch im Aktionsbündnis Castor-Widerstand Neckarwestheim aktiv ist. Würth nahm erstmals auch die Kohlekraftwerke ins Visier: „Bereits jetzt blockieren Atom- und Kohlekraftwerke mit ihrem umweltschädlichen Strom die weitere Energiewende und verstopfen die Netze. Wir fordern den sofortigen Atomausstieg und bis spätestens 2030 den Kohleausstieg.“ Die Energiewende dürfe nicht behindert werden. Es müssten alle Ausbremsregelungen abgeschafft werden, die den Bau von Windkraftanlagen und großen Photovoltaikanlagen verhinderten.

Anete Wellhöfer von der Anti-Atom-Initiative Karlsruhe rief die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Demonstration auf, „den nächsten Castor-Transport nach Philippsburg im Blick zu behalten“. Es sollten noch drei weitere unnötige und gefährliche Castor-Transporte hin zu Standort-Zwischenlagern stattfinden, so Wellhöfer. Es könnten schon im November Atommüllverschiebungen stattfinden, sagte sie.

Demonstrationszug und Kundgebung fand unter Coronabedingungen statt, die, so ein Polizeisprecher, auch eingehalten wurden. Die Veranstalter hatten wegen der Coronapandemie nur rund 200 Teilnehmer erwartet. „Maske und Abstand, das war auch mit so vielen Menschen kein Problem“, sagte Herbert Würth. Vieles aber habe im Vorfeld über das Internet organisiert werden müssen. Wer nicht kommen wollte, konnte sich online beteiligen.

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