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Köllesturm

Knapp 65 Zentimeter aus dem Lot

Das Wahrzeichen Köllesturm gerät immer mehr in Schieflage. Jährlich neigt er sich um zwei Zentimeter. Mittlerweile ist er schon 64,5 Zentimer aus dem Lot. Eine Sanierung kostet über eine Million Euro. Der Gemeinderat hat für 200.000 Euro Untersuchungen beauftragt.

Der Köllesturm hat vor Jahren Erdanker bekommen (unten am Sockel). Sie können jedoch die Neigung nach Westen hin nicht stoppen.Foto: Alfred Drossel
Der Köllesturm hat vor Jahren Erdanker bekommen (unten am Sockel). Sie können jedoch die Neigung nach Westen hin nicht stoppen. Foto: Alfred Drossel

Bönnigheim. Der aus dem Jahr 1284 stammende Köllesturm, der seine Namen von einem früheren Türmer namens Kölle hat, wird zum Sorgenkind. Der Turm neigt sich nämlich immer weiter; jedes Jahr um zwei Zentimeter. Die 2006 eingebrachten Verankerungen und eine Bohrpfahlwand am Fundament konnten die Neigung nicht stoppen. Der Bönnigheimer Gemeinderat hat jetzt das Bietigheimer Büro Johann Grau mit Untersuchungen beauftragt.

Der Statiker erläuterte dem Gremium in der jüngsten Sitzung das Sanierungskonzept, vor allem auch Möglichkeiten zur Behebung der Mauerschäden. Grau beantwortete viele Fragen. Frosteinfluss würde die Steinoberfläche des Turms angreifen, stellte Grau fest. Betroffen seien die Innenwände der Durchfahrt. Hier wirkten sich auch die Belastungen des Autoverkehrs schädigend aus.

Um die Neigungen zu stoppen, muss tief in die Tasche gegriffen werden: Geschätzte 800.000 Euro werden veranschlagt. Mit der Vorprüfung und Planung ist man schnell bei 1,2 Millionen Euro. Im aktuellen Haushalt sind bereits mehr als 200.000 Euro dafür vorgesehen. Bürgermeister Albrecht Dautel unterstrich, dass es wichtig sei, dass die Stadt ihrer Verkehrssicherungspflicht nachkomme. Zur Beruhigung der Räte stellte Johann Grau fest, dass der Turm aktuell nicht einsturzgefährdet sei. Dittmar Zäh (UWG) hält es für wichtig, Maßnahmen zu ergreifen, die den Untergrund des Turms zur Ruhe bringen. Problem dabei ist, dass die Fundamente des Bauwerks kaum mehr als einen Meter tief in den Boden ragen.

Auch Gerhard Hepperle (FWV/CDU) plädierte dafür, den „Turm auf sichere Füße zu stellen“. Manfred Schmälzle stellte die Frage, ob in der Vergangenheit nicht etwas falsch gemacht worden sei. Eine Antwort vermochte niemand zu geben. Für Jürgen Carstens (Grüne) ist es wichtig, dass die Maßnahmen förderungsfähig sind.

„Wir dürfen das Risiko nicht eingehen, nichts zu machen“, betonte Hans-Martin Jäger (UWG). Der Gemeinderat habe den Bürgern gegenüber die Verpflichtung, eine schnelle und richtige Lösung zu finden.

Bürgermeister Dautel unterstrich, dass zur Finanzierung der Gesamtkosten von mehr als einer Million Euro als nächster Schritt die Zuschüsse aus verschiedenen Fördertöpfen geprüft werden müssten. Als mögliche Förderadressen kommen die Denkmalpflege, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und das Denkmalschutzsonderprogramm des Bundes in Frage. Der Gemeinderat begrüßte einstimmig das weitere Vorgehen.

Zugestimmt hat das Gremium auch einem Sanierungskonzept für drei Stadtmauerabschnitte im Bereich Ringstraße 34/Schlossstraße 53 sowie am Burgturm Burgplatz 2. Die Kosten dafür belaufen sich auf rund 195.600 Euro. Die Stadt rechnet auch hier im Rahmen der Denkmalförderung mit Fördermitteln. Die Arbeiten sollen diesen Sommer ausgeschrieben werden. Die Sanierung der Stadtmauer soll dann von Oktober bis etwa April kommenden Jahres angegangen werden. Dazu gehören gründliches Entfernen des Efeubewuchses, eine teilweise Wiederherstellung des Mauerwerks, Austausch geschädigter Einzelsteine und Abtragen des losen Mauerwerks.

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