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Komplexe kammermusikalische Raritäten

„Mit Tiefgang“ feiert die neuen Konzertreihe Klanglese Kirbachtal ihre Premiere in der Hohenhaslacher Kelter

Begeisterten ihr Publikum mit ihrem Können: (von links) Alexander Sonderegger, Theresa Sophie Reustle, Karl Stauber, Till Breitkreutz, Stefan Fehlandt, Julia Ungureanu und Benedikt Büscher. Foto: Konzertverein Kirbachtal
Begeisterten ihr Publikum mit ihrem Können: (von links) Alexander Sonderegger, Theresa Sophie Reustle, Karl Stauber, Till Breitkreutz, Stefan Fehlandt, Julia Ungureanu und Benedikt Büscher. Foto: Konzertverein Kirbachtal

Hohenhaslach. Zum Zeitpunkt des geplanten Konzertbeginns ist sie noch recht lang, die Schlange vor dem Einlass in die Hohenhaslacher Kelter. Der Konzertverein Kirbachtal hatte zum Auftakt der neuen Konzertreihe Klanglese Kirbachtal geladen und der Publikumszuspruch war groß: Auf rund 160 der 180 Plätze in der imposanten, 1767 erbauten, jetzt coronaverordnungskonform bestuhlen Kelter hat sich ein erfreulich bunter Mix aus Kammermusikliebhabern und Ortsansässigen niedergelassen – und bis deren Corona-Status überprüft und Kontaktdaten erfasst sind, vergeht einige Zeit.

Gelungene Kombination von Musik und Wein

Die Resonanz an diesem milden Sommerabend zeigt indes vor allem, dass das Konzept, „Kammermusik von internationalem Rang mit der Region und ihren Weinen zu verbinden“, aufgeht. Die Kombination von Musik und Wein sei eine „Symbiose“ und werde hier zur „gelebten Partnerschaft“, befand denn auch Carolin Klöckner, die aus Gündelbach stammende Deutsche Weinkönigin der Saison 2018/2019, als Schirmherrin der Klanglese. Entsprechend bestand in der Pause sowie nach dem Konzert die Möglichkeit, sich mit edlen Tropfen lokaler Provenienz zu stärken.

Dennoch ließ die Premiere keine Zweifel daran aufkommen, dass hier die Musik im Vordergrund steht: Durchweg hochkarätig waren die Darbietungen der Musikerinnen und Musiker um den Bratschisten Till Breitkreutz, der auch als künstlerischer Leiter der Klanglese fungiert – obschon zumeist noch jung an Jahren, verfügen die meisten bereits über einschlägige Erfahrungen, etwa im Gustav Mahler Jugendorchester oder in Yehudi Menuhins Live-Music-Now-Programm.

Zudem wurde das Versprechen, „keine Meterware“ anzubieten, rundum eingelöst: Keines der drei Werke auf dem Spielplan lässt sich dem Bereich des geläufigen Repertoires zuordnen, eher handelt es sich um ausgesprochene Raritäten, wie im Fall von Max Bruchs zwischen 1918 und 1920 komponiertem, lange als verschollen geltendem und erst 2006 bei einer Auktion wieder aufgetauchtem Streichquintett in Es-Dur.

Der Titel des Auftaktkonzerts ließ sich durchaus wörtlich verstehen: „Mit Tiefgang“ war auch ein Hinweis darauf, dass sowohl Johann Nepomuk Hummels 1822 entstandenes Klavierquintett in es-Moll (op. 87) als auch Felix Mendelssohn Bartholdys zwei Jahr später geschriebenes, aber erst posthum veröffentlichtes Klaviersextett in D-Dur (op. 110) eine Besetzung erfordern, in der die Streichergruppe um einen in der Kammermusik eher unüblichen Kontrabass erweitert ist.

Mit Benedikt Büscher, dem stellvertretenden Solokontrabassisten des Stuttgarter Staatsorchesters, hier hochklassig besetzt, war Alexander Sonderegger ein brillanter Solist mit feinstofflich perlendem Anschlag auf dem Steinway.

Drei beziehungsreiche

Werke voller Komplexität

Aber selbstverständlich handelt es sich bei den drei beziehungsreichen, um die Entstehung der Romantik aus dem Geist der Wiener Klassik gruppierten Werken genauso auch um substanzielle Musik voller Komplexität. Und die war bei den bereits Genannten sowie Theresa Sophie Reustle und Julia Ungureanu (Violine), Stefan Fehlandt (Viola) und Karl Stauber (Cello) in besten Händen.

Mit dem Largo aus Joseph Haydns Klavierkonzert in F-Dur als besinnlich-apollinischem Ausklang bedankte sich das exzellente Ensemble für den euphorischen Applaus und die vielen Bravorufe der begeisterten Premierengäste.

Infos zu den weiteren Terminen: www.klanglesekirbachtal.de.

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