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Konsumkritik durch die Blume

Zugängliche Kunst: Jürgen Elwert und Cindy Velz. Fotos: Andreas Becker
Zugängliche Kunst: Jürgen Elwert und Cindy Velz. Fotos: Andreas Becker
Zugängliche Kunst: Jürgen Elwert und Cindy Velz. Fotos: Andreas Becker
Zugängliche Kunst: Jürgen Elwert und Cindy Velz. Fotos: Andreas Becker
Die Galerie Wendelinskapelle zeigt einen Dialog zwischen Collagenkunst und Stillleben

Marbach. „Botanica“ hat Monika Schreiber ihre jüngste Ausstellung in der Wendelinskapelle benannt. Bewusst habe sie nach der intensiven monografischen Schau von Cornelia Weihe einen „leichter zugänglichen“ Titel gewählt, so die Marbacher Galeristin: „Ich wollte etwas von der Leichtigkeit des Frühlings hereinholen.“ Mit der Backnanger Künstlerin Cindy Velz und dem Münchinger Maler Jürgen Elwert kombiniert Schreiber zwei Positionen, die auf den ersten Blick mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten zu besitzen scheinen. Die 1973 in Belgien geborene und sowohl in Bildender Kunst als auch in Kammermusik (Klarinette) ausgebildete Velz arbeitet in erster Linie mit Papier, bevorzugt mit Abbildungen aus Hochglanzmagazinen. Die Schere ist eines ihrer bevorzugten Werkzeuge, bereits mehrfach waren ihre Arbeiten hier zu sehen.

Elwert hingegen ist Ölmaler durch und durch. Zudem stellt er erstmals in der Wendelinskapelle aus. Nachdem sich frühere Phasen mit Themen wie Gewalt, Sexualität und Religion auseinandersetzten, hat er sich nun der Flora zugewandt. „Tulpen“, „Pfingstrosen“, „Hortensien“ lauten die Titel einiger Arbeiten der vergangenen drei Jahre, großformatige Tafelbilder, zumeist quadratisch oder zumindest dem Quadrat angenähert. Üppige Blüten sind darauf zu sehen, in pastosem Duktus und einer gedeckten Palette souverän gemalt, vor einem vielschichtigen, diffusen Hintergrund, der als Firmament im Ungefähren verbleibt. Doch wie in den Vanitas-Stillleben der flämischen Barockmeister ist die Natur in Elwerts Blumenstücken eine unbelebte, tot oder sterbend: Er zeigt Pflanzen im Zustand ihres Verwelkens, Verblühens, Vergehens – seine botanische Malerei reflektiert auf das Thema der Vergänglichkeit. Nie sind die Motive in einem Bouquet arrangiert, manche wirken, in leichter Untersicht gegeben, wie die Perspektive eines in der Wiese liegenden Betrachters: Spillerige Stängel, die schwere, volle, sterbende Kelche nach oben stemmen, wo sie vor dem Hintergrund eines vagen Himmels vergehen. Die Komposition von „Wiesenblumen“ erinnert an ein Herbarium, in dessen Seiten vom Leben ja nur die getrocknete, gepresste Form bleibt.

Wo sich die Malerei von Elwert tatsächlich auf das Reich der Pflanzen konzentriert, verfolgt Velz einen anderen Ansatz: Auch wenn einige ihrer Arbeiten Titel wie „3 Damen auf Rosen“ tragen, steht hier der Mensch als Sujet im Mittelpunkt. Genauer gesagt: der Körper der Frau. Noch genauer: der Blick der Werbung auf diesen. In ihren jüngsten Arbeiten hat sie ihr Verfahren, Vorder- und Rückseiten aus Magazinen miteinander in Verbindung zu bringen, noch etwas verfeinert: Der Einsatz von Ölfarbe lässt das Papier durchscheinend werden, zusätzlich werden die durch diese Intervention oft janusköpfigen Motive nun hinterleuchtet. Ihr frei im Raum präsentiertes „Model ‚Falter‘“ ist eine aus Magazinseiten gefertigte, von Plexiglasscheiben gefasste Intarsienarbeit. Ästhetische Konsumgesellschaftskritik kennzeichnet auch ihre Collagen auf mit floralen Mustern bedruckten Servietten: Sie werden zur Bühne für Frauen-, manchmal auch Sportlerkörper in den inszenierten Posen der Werbung, die dazu dienen, den Wunsch, begehrlich zu wirken, in Kaufanreize ummünzen. Feminismus durch die Blume, wenn man so sagen darf.

Eine schöne Pointe der Hängung von Monika Schreiber besteht in einer Begegnung kleiner Quadratformate über dem Treppenaufgang: In trunkener Reihung säumen Elwerts „4 kleine Lilien und Rosen“ zwei seiner Großformate wie eine Fransenborte, während ihnen von unten eine Art Petersburger Wolke aus fünf „Rosenerinnerungen“ von Cindy Velz entgegenschwebt, die aus den „Rosenseifenblasen“ am Fuß der Treppe aufzusteigen scheint. Dazu zeigt Schreiber in ihrer „Frühlingsausstellung“ Schmuck floraler Anmutung von Simone Mühleisen.