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Kontrastprogramm auf dem Akademiehof

Das Sinfonieorchester Ludwigsburg geht am kommenden Mittwoch dorthin, wo abends das Leben der jungen Barockstädter pulsiert

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Bringen klassische Klänge auf den Akademiehof: Dirigent Hermann Dukek (links) und Jochen Haller von der Karlshöhe.Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Hermann Dukek schrieb sich schon Ende vergangenen Jahres, da hatte er sein neues Amt noch gar nicht angetreten, eine zentrale Aufgabe auf die Fahnen: Das Sinfonieorchester Ludwigsburg sollte, so der Dirigent, der im Januar Nachfolger von Siegfried Bauer wurde, noch stärker in die Stadt hineinstrahlen. Wie das gehen könnte, zeigt er jetzt – indem er dorthin geht, wo es manchmal weh tut. Auf den Akademiehof. Am Mittwoch, 26. Juli, um 20 Uhr wird – so das Wetter mitspielt – der Akademiehof bespielt. Mit sommerlich-leichten Klängen, keine schwere Kost, wie Dukek versichert. Auf dem Programm stehen etwa die „Italienische Sinfonie“ von Felix Mendelssohn Bartholdy sowie Auszüge aus Georges Bizets „Carmen Suite 1 und 2“.

 

Der zentrale Platz zwischen Film- und Theaterakademie ist nun eher für wilde Partys und demolierte Klos bekannt als für feine Hochkultur. Und genau deshalb ist es der richtige Ort für Dukek. „Wir wollen Jugendliche erreichen, die vielleicht nie ins Forum kommen würden“, sagt der 40-Jährige, der in Korntal-Münchingen lebt. Ein neues Format finden, nennt er das – „niederschwellig“ wäre das passende Schlagwort. Das Programm dauert nur rund 45 Minuten, der Eintritt ist natürlich frei.

 

Zwischen dem ersten richtigen Konzert im vergangenen April und dem traditionellen Neujahrskonzert im kommenden Januar war genug – man könnte auch sagen: zu viel – Luft. Das Projekt wurde im Rund des Orchesters diskutiert und rasch als sinnvoll erachtet.

 

Die rund 80 Musiker werden am Mittwoch in teils ungewohnter Pose spielen: Ganz urban werden die meisten auf dem zentralen Rasen stehen, nur das Cello, das Blech sowie das Schlagzeug sitzen.

 

Auch wenn der Eintritt nichts kostet, soll die Veranstaltung einem guten Zweck dienen. Natürlich vor Ort. Dem Freundeskreis der Karlshöhe werden die Spenden und Einnahmen aus dem Verkauf von (alkoholfreien) Getränken und Brezeln zugutekommen, wahrscheinlich einem Jugendhilfeprojekt, wie Jochen Haller, Vorsitzender des Freundeskreises, erklärt. Seit der Ägide von Siegfried Bauer gibt es traditionell eine enge Verbindung zwischen Orchester und Karlshöhe, die Zusammenarbeit war schnell beschlossen.

 

Gespannt ist der Dirigent auf die Akustik, unter freiem Himmel, aber ohne Mikrofone ist eine ungewohnte Konstellation. Aber Hermann Dukek ist optimistisch, dass es funktioniert. Vor ein paar Wochen habe er einen Gitarristen dort spielen gehört und war begeistert, wie gut man ihn gehört habe. Am Ende des letzten Schultags dürfte die Stimmung auf dem Akademiehof blendend sein. Vielleicht zu gut? „Wir können nicht garantieren, dass es störungsfrei läuft, aber wir können und müssen es mal ausprobieren“, sagt Dukek. Und schließlich wirke klassische Musik ja auch beruhigend, und wer vielleicht doch die eine oder andere Melodie erkenne, dürfe auch gerne eine bisschen mitpfeifen – der Akademiehof ist ja schließlich nicht das Forum.