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Krankenhaus bietet Soforthilfe für Vergewaltigungsopfer an

Am Ludwigsburger Krankenhaus startet am Donnerstag ein Unterstützungsangebot für Opfer sexueller Gewalt. Vergewaltigungsopfer ab 14 Jahren können sich dort schnell und unkompliziert behandeln lassen. Auch tatrelevante Spuren werden im Krankenhaus gesichert.

Opfer von Vergewaltigungen oder sexueller Gewalt können sich ab sofort an das Krankenhaus wenden. Auch wenn sie zunächst auf eine Anzeige verzichten wollen. Archivfoto: Maurizio Gambarini/dpa
Opfer von Vergewaltigungen oder sexueller Gewalt können sich ab sofort an das Krankenhaus wenden. Auch wenn sie zunächst auf eine Anzeige verzichten wollen. Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Ludwigsburg. Das Versorgungsangebot „Medizinische Soforthilfe nach Vergewaltigung“ ist für alle Menschen ab 14 Jahren gedacht, die sexualisierte Gewalt erlebt haben. Es startet pünktlich zum Internationalen Tag der Beseitigung von Gewalt gegen Frauen, der am Donnerstag stattfindet. Das Angebot enthält auf Wunsch der Betroffenen eine rechtssichere vertrauliche Spurensicherung direkt im Klinikum – auch im Falle eines vorläufigen Verzichts auf rechtliche Schritte werden strafrechtlich relevante Beweise für eine spätere Anzeigenerstattung erhoben, dokumentiert und gesichert, schreibt das Landratsamt in einer Mitteilung. Das heißt: Es ist keine Anzeige bei der Polizei erforderlich, um Tatspuren rechtssicher zu dokumentieren. Gleichzeitig wurden Versorgungsstrukturen geschaffen, die von sexueller Gewalt Betroffenen die Zugangswege zu einer guten medizinischen Versorgung erleichtern.

Bei dem Angebot steht die medizinische Hilfe sowie der Zugang zu einer integrierten Nachsorge und eine Vermittlung in das psychosoziale Hilfesystem im Vordergrund. Bei der optionalen verfahrensunabhängigen Spurensicherung wird das sichergestellte Beweismaterial zum zuständigen rechtsmedizinischen Institut in Heidelberg gebracht. Dort steht es für Erwachsene ein Jahr und für Minderjährige bis zur Vollendung des 19.Lebensjahres für eine etwaige Anzeigenerstattung zur Verfügung.

Die Projektkoordination liegt bei Cynthia Schönau, Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises Ludwigsburg. Aktiv begleitet wird sie durch das Projektteam: Dr. Uschi Traub vom Gesundheitsdezernat des Landkreises, Dr. Melanie Burger und Elena Meißner vom RKH Klinikum Ludwigsburg, Elke Karle vom Verein Silberdistel sowie Pia Rothstein vom Verein Frauen für Frauen. Vom Referat Prävention des Polizei steht Karin Stark dem Projektteam zur Seite.

„Die medizinische Soforthilfe nach einer Vergewaltigung schließt die Lücke zwischen einem sofortigen Einleiten eines Ermittlungsverfahrens auch gegen den Willen von Betroffenen und der Nichtanzeige von derart schweren Straftaten. Betroffene sind nun freier in ihren Entscheidungsmöglichkeiten und können medizinische Hilfe ohne Bedenken in Anspruch nehmen“, sagt Karin Stark. Polizeipräsident Burkard Metzger begrüßt dieses Angebot ebenfalls: „Viele Opfer sexualisierter Gewalt sind unmittelbar nach der Tat nicht in der Lage, eine Entscheidung für oder gegen eine Anzeige bei der Polizei zu treffen. Aus Sorge, dass eine andere Person über ihren Kopf hinweg Anzeige erstatten könnte, nehmen sie dann möglicherweise keine medizinische Versorgung in Anspruch“, so Metzger. Das Modell der „Medizinischen Soforthilfe“ erleichtere Betroffenen nicht nur den Zugang zur medizinischen Notfall-Versorgung. Die Verknüpfung mit Handlungshilfen und Angeboten der Spurensicherung ermögliche es ihnen auch, sich in einer vertrauensvollen Atmosphäre mit weiteren Schritten auseinanderzusetzen, die im Falle einer Anzeige zu einem Ermittlungsverfahren führen können.

Aus Sicht des Gesundheitsdezernats des Landratsamts ist das Hilfsangebot bei sexueller Gewalt gegen Frauen, das eines der größten Gesundheitsrisiken darstellt, enorm wichtig. Auch die Verhinderung von Geschlechtskrankheiten und ungewollter Schwangerschaft spielen eine große Rolle, so Uschi Traub. „Nur, wenn wir das Thema Vergewaltigung aus der Tabuzone holen, werden Veränderungen möglich und können Unterstützungsangebote sichtbar werden,“ kommentieren Pia Rothstein von der Beratungsstelle bei sexualisierter Gewalt (Frauen für Frauen) und Elke Karle von der Fachberatungsstelle gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen (Silberdistel).

Während das Klinikteam das medizinische Versorgungsangebot stellt, zieht Projektkoordinatorin Cynthia Schönau mit ihrem Projektteam im Hintergrund die Fäden und leistet Organisation, Vernetzungs- und Öffentlichkeitsarbeit. (red)

Info Auf der Homepage des Projekts: www.soforthilfe-nach-vergewaltigung.de kann man sich informieren oder Fragen direkt an gleichstellungsbeauftragte@landkreis-ludwigsburg.de richten.