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Kritik an Sperrung der Alleenstraße

„Seit die Straße zu ist, ist der Zustand unerträglich“, sagt Manuela Palumbo. Sie arbeitet in einer Kieferorthopädiepraxis am Bahnhof. Ihr Parkplatz liegt im Parkhaus an der Solitudestraße. Seit die Alleenstraße im März gesperrt wurde, müsse sie bis zu 20 Minuten zusätzlich für die Fahrt nach Hause einplanen. Denn im Berufsverkehr zwischen 17 und 18 Uhr geht nach der Erfahrung von Palumbo und vieler ihrer Kollegen in der Solitudestraße oft nichts mehr. Schon bei der Fahrt aus dem Parkhaus stehe man manchmal im Stau.

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Ab dem Nachmittag ist das gesperrte Teilstück der Alleenstraße menschenleer (oben rechts). In der Solitudestraße (Mitte) stauen sich dagegen oft die Autos – teilweise bis hoch zur Leonberger Straße. Die Ausfahrt aus dem Parkhaus in der Solitudestraße beginnt schon mit einem Stau (links). Die Fotos stammen aus der Vorweihnachtszeit. Fotos: Holm Wolschendorf
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Ab dem Nachmittag ist das gesperrte Teilstück der Alleenstraße menschenleer (oben rechts). In der Solitudestraße (Mitte) stauen sich dagegen oft die Autos – teilweise bis hoch zur Leonberger Straße. Die Ausfahrt aus dem Parkhaus in der Solitudestraße beginnt schon mit einem Stau (links). Die Fotos stammen aus der Vorweihnachtszeit. Fotos: Holm Wolschendorf
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Ab dem Nachmittag ist das gesperrte Teilstück der Alleenstraße menschenleer (oben rechts). In der Solitudestraße (Mitte) stauen sich dagegen oft die Autos – teilweise bis hoch zur Leonberger Straße. Die Ausfahrt aus dem Parkhaus in der Solitudestraße beginnt schon mit einem Stau (links). Die Fotos stammen aus der Vorweihnachtszeit. Fotos: Holm Wolschendorf
Ludwigsburg. Der Verkehr hat sich verlagert

Mit der Sperrung des Teilstücks der Alleenstraße will die Stadt mehr Sicherheit für Schüler und Radfahrer erreichen. Seit Anfang 2017 ist in der Alleenstraße eine provisorische Fahrradstraße eingerichtet. Das heißt: Radfahrer und Autos teilen sich den Straßenraum. Durch die Sperrung für den Autoverkehr hat die Stadt erreicht, dass sich die Zahl der Autos im restlichen Teil der Alleenstraße mehr als halbiert hat – von täglich 2500 auf 1000 Autos.

Das Problem daran: Die Autos haben sich natürlich nicht in Luft aufgelöst. Stattdessen hat sich der Verkehr verlagert. Wer aus der Solitudestraße Richtung B 27 will, muss nun durch die Mathilden- oder die Wilhelmstraße fahren. „Wir hocken praktisch in einer Falle“, sagt die Ärztin Katrin Würfel, die ebenfalls bei dem Kieferorthopäden arbeitet. Im Berufsverkehr stehen die Autos in der Solitudestraße Stoßstange an Stoßstange. Das habe es vor der Sperrung nicht so häufig gegeben.

Knapp 15 Kollegen, die ihren Parkplatz im Parkhaus in der Solitudestraße haben, seien von dem Problem betroffen. „Der Rückstau reicht bis in die Tiefgarage. Dort sammeln sich die Abgase. Das ist wirklich unangenehm“, erzählt Palumbo. Man müsse immer warten, bis ein Autofahrer einen in die Solitudestraße einfädeln lasse.

Nach Meinung von Palumbo, Würfel und ihren Kollegen funktioniert der Abfluss des Verkehrs einfach nicht mehr. Über die Mathildenstraße könnten zu wenige Autos bei Grün Richtung B 27 abzweigen. Manchmal bleibe als einzige Möglichkeit, um aus der Stadt herauszukommen, die Wilhelmstraße.

Vor allem während der vier Wochen Weihnachtsmarkt war es schlimm. Da sei teilweise überhaupt nichts mehr gegangen, weil beide Parkhäuser in der Mathildenstraße voll waren und die Leute einfach mit ihren Autos auf der Straße gewartet haben, bis wieder ein Parkplatz frei wurde. „Da war die Mathildenstraße praktisch zu“, sagt Palumbo.

Besonders grotesk empfinden die Betroffenen die Situation, weil das gesperrte Teilstück der Alleenstraße am frühen Abend praktisch leer und ungenutzt ist. Während sich in der Solitudestraße die Autos oft stauen, liegt die Alleenstraße in gähnender Leere da. Nach Schülern und Radfahrern muss man suchen. „Das ärgert uns besonders“, sagen Palumbo und Würfel. Daher fordern sie, dass die Straße wieder für den Autoverkehr komplett geöffnet wird. Ein klar abgegrenzter Radweg wäre ihrer Meinung nach die bessere Lösung.

Die Stadt hat die Grünphase verlängert

Dazu wird es nach Meinung von Baubürgermeister Michael Ilk aber nicht kommen. Dass die Alleenstraße eine Fahrradstraße ist, bleibt für ihn gesetzt. In seinen Augen ist die Situation auch gar nicht so schlimm. „Punktuell gibt es in der Solitudestraße Probleme mit dem Lieferverkehr“, sagt Ilk. Es brauche eben seine Zeit, bis die Leute sich auf die veränderte Verkehrssituation umgestellt haben.

Außerdem, so der Baubürgermeister weiter, habe man auf das erhöhte Verkehrsaufkommen im unteren Bereich der Solitudestraße reagiert. Mit dem neuen Verkehrsrechner könne die Grünphase für Rechtsabbieger, die in die Mathildenstraße abbiegen wollen, um bis zu zehn Sekunden verlängert werden. „Über Kontaktschleifen merkt der Verkehrsrechner, wenn sich die Autos in der Solitudestraße stauen und reagiert darauf.“ Gleichzeitig sei die Grünphase für Fußgänger verkürzt worden. Das habe die Situation entspannt.

Aus Gründen der Verkehrssicherheit schließt Ilk aus, dass die Alleenstraße wieder komplett für den Autoverkehr geöffnet wird. Die Gefahr für die Schüler wäre zu groß. Er könnte sich aber vorstellen, die Straße außerhalb der Schulzeiten, am Wochenende und in den Ferien wieder freizugeben. Dafür müssten die provisorischen Poller durch versenkbare ersetzt werden. Noch im Frühjahr soll der Gemeinderat eine Entscheidung treffen.