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Kultureller Spaziergang zum geplanten Gewerbegebiet

Wanderung von Ottmarsheim nach Mundelsheim – Gästeführerin berichtet über Archäologie und tierische Bewohner – Veranstaltung von Zukunftswerkstatt und Attac

An der Landesstraße 1115 bei Mundelsheim, zwischen Obsthalle und Autobahn, könnte ein neues Gewerbegebiet entstehen. Derzeit befindet sich das Gelände in einem regionalen Grünzug und wird für die Landwirtschaft genutzt. Foto: Andreas Becker
An der Landesstraße 1115 bei Mundelsheim, zwischen Obsthalle und Autobahn, könnte ein neues Gewerbegebiet entstehen. Derzeit befindet sich das Gelände in einem regionalen Grünzug und wird für die Landwirtschaft genutzt. Foto: Andreas Becker

Besigheim/Mundelsheim. Der Verband Region Stuttgart möchte am Mundelsheimer Autobahnanschluss ein Gewerbegebiet ausweisen. Die Attac-Regionalgruppe Besigheim-Ludwigsburg und die Zukunftswerkstatt Besigheim haben sich zusammen mit Interessierten bei einem kulturellen Spaziergang von Gästeführerin Katrin Held das Gelände zeigen lassen.

„Das ist keine politische Veranstaltung“, betont Sabine Kumkar von Attac zu Beginn des Spaziergangs. Von Katrin Held will man sich von der Ottmarsheimer Höhe durch Felder und Weinberge hinunter nach Mundelsheim führen lassen, um das dortige Weinbaumuseum zu besichtigen. Doch das eigentliche Ziel des Spaziergangs an diesem Samstag ist ein ganz anderes: „Der Hintergrund ist, ein Gefühl für die Landschaft zu bekommen“, erklärt Bernd Moritz von Attac. Denn den trotz des nahen Gewerbegebiets und der Autobahn 81 idyllischen Landschaftsraum zwischen Ottmarsheim und Mundelsheim könnte eine tiefgreifende Veränderung bevorstehen.

Der Verband Region Stuttgart möchte dort nahe der Autobahnausfahrt Mundelsheim eine Gewerbefläche ausweisen. Der Gemeindeverwaltungsverband (GVV), dem Besigheim, Freudental, Gemmrigheim, Hessigheim, Löchgau, Mundelsheim und Walheim angehören, ist dem Ansinnen gegenüber aufgeschlossen. Mundelsheim hat bereits ein Areal auf seiner Gemarkung dafür angeboten. Beschlossen von den örtlichen Gemeinderäten ist indes noch nichts. Die GVV-Mitgliedskommunen müssten den Flächennutzungsplan entsprechend ändern. Zuvor müssten allerdings erst einmal die Voraussetzungen im Regionalplan geschaffen werden. Denn bislang liegt das betreffende Gelände in einem Grünzug (wir berichteten mehrfach).

Zu sehen gibt es für die Teilnehmer des Spaziergangs auf dem Weg dorthin einiges. Man besichtigt den römischen Gutshof und das nicht weit davon entfernt liegende Mithräum, ein Tempel des Mithras-Kults aus dem dritten Jahrhundert, am Rande des interkommunalen Gewerbegebiets Ottmarsheimer Höhe.

Dabei nutzt Held die Gelegenheit, um auf andere Themen aufmerksam zu machen: das zunehmend rücksichtslose Verhalten von Weinbergspaziergängern, die Privateigentum in keiner Weise beachten; fehlende sanitäre Anlagen für Lastwagenfahrer, die das Wochenende über auf das Löschen ihrer Ladung warten müssen, und entsprechende Hinterlassenschaften; Vandalismus am Mithräum. Die Teilnehmer lauschen interessiert Helds Ausführungen zu den Kulturdenkmälern und genießen den weiten Ausblick über im Wind wogende Getreidefelder, unter deren Krume sich unter Umständen noch so manch archäologischer Fund verbirgt, und über die sich daran anschließenden Weinberge. „Wenn hier ein Unternehmen erweitern will, hat man schnell einen Baustopp und eine Notgrabung“, erklärt Katrin Held.

Zudem berichtet sie von tierischen Bekanntschaften, die sie auf der geplanten Gewerbefläche, die sich östlich der Obsthalle entlang der Landesstraße 1115 zwischen Mundelsheim und Autobahnanschluss erstreckt, gemacht hat: „Hasen, jede Menge Vögel und sogar zwei Eulen.“

Unterwegs werden Eindrücke und Meinungen ausgetauscht. „Ich bin skeptisch, ob das zu einer klimafreundlichen Verkehrspolitik passt, wenn hier in Autobahnnähe ein Gewerbegebiet erschlossen wird statt die Güter wieder auf die Bahn zu bringen“, sagt Moritz im Gespräch mit unserer Zeitung. Zudem stelle sich die Frage, ob es sinnvoll sei, einen lebendigen Grünzug zu einem Gewerbegebiet zu machen oder ob es nicht noch andere mögliche Flächen gebe. „Wenn sich dort dann der x-te Logistiker ansiedelt, wäre das ökologisch und von der Zahl der Arbeitsplätze her ein Armutszeugnis.“

„Das Gelände ist viel reichhaltiger als es von der Straße aus wirkt“, findet Kumkar, die das Areal bereits abgelaufen ist. Die Ackerflächen wechselten sich immer wieder mit kleinteiligen Baumstreifen, Gebüsch und Wiesen ab, die Tieren und Pflanzen als Lebensraum dienten. Zudem stehe das Gelände in Verbindung zum nahegelegenen Wald. Davon abgesehen seien auch Ackerflächen wertvoll, betont Attac-Mitglied Matthias Böhringer: „Irgendwo muss das Brot schließlich herkommen.“

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