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Kunst mit mehr Sein als Schein

US-Künstler Daniel Rozin zeigt im Kunstverein Ludwigsburg so eindrucksvoll wie plakativ, dass Kunst ohne ihren jeweiligen Betrachter kaum eine Bedeutung hätte. Die technische Komplexität und Perfektion dieser ungewöhnlichen Spielwiese lässt staunen.

Spieg‘lein an der Wand: Daniel Rozin präsentiert seine drei großen Arbeiten, die ab Donnerstag im Kunstverein im MIK zu sehen sind. Fotos: Ramona Theiss
Spieg‘lein an der Wand: Daniel Rozin präsentiert seine drei großen Arbeiten, die ab Donnerstag im Kunstverein im MIK zu sehen sind. Fotos: Ramona Theiss
Spieg‘lein an der Wand: Daniel Rozin präsentiert seine drei großen Arbeiten, die ab Donnerstag im Kunstverein im MIK zu sehen sind. Fotos: Ramona Theiss
Spieg‘lein an der Wand: Daniel Rozin präsentiert seine drei großen Arbeiten, die ab Donnerstag im Kunstverein im MIK zu sehen sind. Fotos: Ramona Theiss
Spieg‘lein an der Wand: Daniel Rozin präsentiert seine drei großen Arbeiten, die ab Donnerstag im Kunstverein im MIK zu sehen sind. Fotos: Ramona Theiss
Spieg‘lein an der Wand: Daniel Rozin präsentiert seine drei großen Arbeiten, die ab Donnerstag im Kunstverein im MIK zu sehen sind. Fotos: Ramona Theiss

Ludwigsburg. Dass Kunst stets möglichst ernst sein soll, wie nicht wenige Kreative meinen, sei falsch, findet Daniel Rozin. Seine Arbeiten sollen anders, nämlich „happy und freundlich“ sein, mit dem Betrachter kommunizieren – deshalb baut der israelisch-amerikanische Künstler, der ursprünglich aus dem Design-Bereich kommt, seit 26 Jahren mechanische, kinetische Dinge. Und die sind mitunter ganz schön sperrig, vor allem für längere Reisen. Logistisch sei es nicht ganz einfach gewesen, die drei für den Kunstverein Ludwigsburg ausgewählten Arbeiten aus New York in Barockstadt zu schicken, schließlich sind sie weder klein noch leicht und zudem mit recht komplexer, empfindlicher Technik ausgestattet. Nun aber, nach zwei Tagen Aufbau steht die schlicht „Mirror“ bezeichnete Ausstellung im MIK. „Es ist ein guter Platz, um Kunst zu zeigen“, sagt Rozin, und es dürfte mehr als nur eine amerikanische Höflichkeitsfloskel sein – schließlich hat der Kunstverein einmal mehr seine Raumaufteilung gewandelt und setzt auf klare Struktur und Konzentration. Die linke Wand tritt nun hinter den drei Kunstwerken mit schwarzen und grauen Holzverschalungen hervor, das Licht fällt gezielt auf das schillernde Farbenspiel. Und die Ausstellung funktioniert – womit eben weniger dramaturgische Kniffe, denn die ausgefeilte digitale Technik gemeint ist. Seine Kreationen funktionieren wie eine Art digitaler Spiegel: Über eine kleine, integrierte Kamera werden Bewegungen erfasst und von einem Computer über kleine Motoren in ausgeklügelte mechanische Abläufe übersetzt, die quasi in Echtzeit stattfinden. Bewegungen werden also am Ende wieder in analoge Bewegungen zurückübersetzt. Ein Spiegel sei etwas Persönliches, ein Abbild sehe bei jedem Menschen anders aus – und so sei es eben auch hier. „Um das Werk zu vollenden, braucht es den Betrachter, es ist eine Zusammenarbeit.“ Über hundert Variationen seines „Spiegels“ hat er mittlerweile gebaut – drei davon sind nun in Ludwigsburg zu sehen.

Maschinen entwickeln ein Eigenleben

Sein „Chopstick Mirror“ besteht zum großen Teil aus Holz. 480 bewegliche Essstäbchen koreanisch-japanischen Stils – die chinesischen eignen sich wegen der Form offenbar weniger – hat Rozin auf einen hohlen Korpus montiert. Wenn sie den menschlichen Bewegungen nacheifern, entsteht ein feinperlend-klackerndes Geräusch. Der „RGB Peg Mirror“ ahmt mit sich drehenden Knöpfen aus CNC-gefrästem eloxiertem Aluminium nicht nur die Bewegungen nach, sondern auch die Farben – erzeugt aus den Grundfarben Rot, Grün und Blau. Der „CMY-Schatten Spiegel“ mit nicht weniger als 1555 farbigen, lasergeschnittenen Acryl-Paddles verwendet wiederum die Farbpalette aus dem Druckbereich – und damit wieder ein ganz anderes optisches Erlebnis. Zehn Jahre lang, erzählt Rozin, habe er gegrübelt wie er Letzteres in die Tat umsetzen könnte – die reine Herstellung war dann in wenigen Monaten beendet. Alle zwei Minuten wechseln die Elemente zwischen interaktivem und automatisiertem Modus, so dass auch ohne Interaktion immer wieder Bewegung entsteht. So entwickeln die Maschinen zeitweilig ein Eigenleben, die dem Besucher das unwirkliche Gefühl vermittelt, nicht ganz allein im Raum zu sein.

Info: Die Ausstellungen von Daniel Rozin und Clement Loisel (Salon) werden am Donnerstag, 23. Juni, um 18.30 Uhr eröffnet.

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