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Kunst sendet ein Lebenszeichen

Otto Beer und Angelika Lill-Pirrung stellen im Hof des MIK ihre Skulpturen aus

Kontraste: Otto Beer und Angelika Lill-Pirrung stellen aus.Foto: Holm Wolschendorf
Kontraste: Otto Beer und Angelika Lill-Pirrung stellen aus. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Wie in den Museen und Galerien vielerorts liegt auch das Jahresprogramm des Kunstvereins Ludwigsburg pandemiebedingt brach. Und doch gibt es immer wieder Lichtblicke – nicht nur angesichts der positiven Entwicklung bei den Inzidenzwerten. „Wir haben Corona“, stellt Harald Jahnke, Vorsitzender des Kunstvereins nüchtern fest, um dann zu ergänzen: „Aber wir haben auch einen Innenhof.“ Innerhalb von nur vier Wochen haben er und seine Co-Vorsitzende Isabel Jägle ein neues Ausstellungsformat ins Leben gerufen, das coronatauglich und zugleich – im Idealfall – auch zukunftsfähig sein soll. „Aus der Reihe“ heißt das Konzept, bei dem Arbeiten von Künstlermitgliedern des Vereins im Hof des MIK präsentiert werden. Im öffentlichen Raum, und doch abschließbar – was will man mehr in diesen Zeiten.

Otto Beer (Murr) und Angelika Lill-Pirrung (Erligheim) machen den Auftakt. Sie wurden gezielt angesprochen, ob sie kurzfristig an dem Projekt teilnehmen würden. „Wir Künstler sind dankbar, mal wieder ausstellen zu kennen“, erklärt Beer, „schließlich wird auch in Coronazeiten produziert – und keiner kann es sehen.“ Der Ort sei jedenfalls toll, um Kunst zu präsentieren, das findet auch seine Vereinskollegin Lill-Pirrung. So unterschiedlich die beiden Stile auch sein mögen, so gut passten sie jetzt doch zusammen, da sind sie sich einig.

Rund zwei Dutzend hölzerne Skulpturen – je nach Zählweise – zieren nun den sonst eher kargen, aber im Grunde durchaus attraktiven Hof. Angelika Lill-Pirrungs eher abstrakte Arbeiten basieren fast ausschließlich auf Fundstücken, häufig von Flohmärkten. „Die Köpfe sind immer zuerst da“, erklärt die Erligheimerin und deutet damit an, was der Betrachter schnell erkennt: dass sich bei den meist paarweise angeordneten Skulpturen abstrakte menschliche Silhouetten andeuten. Mal sind es alte hölzerne Zapfhähne von Weinfässern, mal historische Brandscheren zum Lockenwickeln, die Ausgangspunkt für die künstlerische Arbeit sind. Das Holz wird mitunter mit der japanischen Rakutechnik bearbeitet, bei der die Materie nach Zufallsprinzip durch Brandeinwirkung verändert wird.

Otto Beer ist bekannt für seine oft mannshohen und über hundert Kilo schweren Skulpturen, die er trotz Kettensäge als Hauptwerkzeug mit filigranen Zügen aus unterschiedlichesten Hölzern entstehen lässt. Das Hauptthema seiner „grobschlächtigen“ (Beer) und meist spontanen Kreationen sind stets Menschen, und diese erkennt man auch auf Anhieb. Vieles kommt augenzwinkernd daher, wie der gedrungene „King Käs’“ (Angeber) mit seiner Krone, der gleichzeitig auch eine leise Kritik am Prinzip der Monarchie transportiert. Die Figuren stünden stets in sich ruhend, das gebe die Ausdehnung der Baumstämme bereits vor, so der Murrer, der ursprünglich aus der Architektur kommt. „Wichtig sind mir Haltung Wesen meiner Figuren.“ Während die ersten Schnitte schnell gesetzt seien, feile er lange an den Nuancen. „Es dauert, bis es passt.“ Das Holz stammt bei Otto Beer immer von Bäumen, die gefällt werden mussten oder auch mal von historischen Abbruchhäusern, deren Holz eine Geschichte erzählt. Womit sich dann auch wieder der Kreis zu seiner Mitausstellerin schließt.

Info: Die Schau ist bis 1.Juli dienstags bis donnerstags von 9 bis 17 und freitags von 9 bis 15 Uhr geöffnet.

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