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Kurzfristige Schließungen gut kommuniziert

Schulen nutzen alle Kanäle, um Pennäler und Eltern zu informieren – Remseck entscheidet sich für Wechselunterricht

Auch die Glemstalschule zieht die Notbremse.Foto: Holm Wolschendorf
Auch die Glemstalschule zieht die Notbremse. Foto: Holm Wolschendorf

SCHWIEBERDINGEN/ FREIBERG/REMSECK/LUDWIGSBURG. Der Schulunterricht sollte eigentlich am gestrigen Montag wieder starten. Am Sonntag aber stellte das Staatliche Schulamt es den Schulen wegen der stark gestiegenen Corona-Neuinfektionen frei, selbst über eine Öffnung zu entscheiden. Viele Klassenzimmer im Landkreis bleiben daraufhin leer.

Auch die Glemstalschule in Schwieberdingen hat die Notbremse gezogen, die Gemeinschaftsschule ist am Montagmorgen geschlossen. „Nur die Abschlussklassen sind da, außerdem haben wir eine Notbetreuung“, sagt Schulleiterin Silke Benner, als sie gegen 7.30 Uhr ihr Auto auf dem Parkplatz am Herrenwiesenweg abstellt und zu ihrem Arbeitsplatz geht. Vereinzelt tröpfeln Schüler der Abschlussklassen und die Jüngeren aus der Notbetreuung ein. Enttäuschte Schüler oder Eltern, die umsonst gekommen sind und sich nun über die kurzfristige Schließung ärgern, sind kurz vor Unterrichtsbeginn nicht auszumachen. Offensichtlich wurde der am Sonntag gefasste Entschluss gut kommuniziert, die Glemstalschule hat die Schließung auf ihrer Homepage und über ihre interne Plattform veröffentlicht. „Wir haben alle Kanäle bedient“, sagt Benner. „Alle dürften davon erfahren haben.“ Schulträger sind die Gemeinden Schwieberdingen und Hemmingen. Man habe sich gemeinsam mit den beiden Bürgermeistern Nico Lauxmann und Thomas Schäfer sowie den Schulleitungen der örtlichen Grundschulen dazu durchgerungen, die Einrichtungen zu schließen, so Benner. Diese Vorgehensweise wurde auch mit den Elternbeiratsvorsitzenden aller Schulen abgestimmt. Die Entscheidung sei nicht leichtgefallen. „Aber sonst würden wie jetzt öffnen und am Mittwoch wieder schließen, weil die Inzidenz dann drei Tage lang über 200 liegt“, sagt die Schulleiterin. „Das würde noch mehr Verwirrung stiften.“ Sie hofft, dass die Fallzahlen bald sinken. „Die Kinder brauchen dringend Präsenzunterricht.“

Auch an der Flattichschule in Freiberg wird niemand von verschlossenen Türen überrascht. Wie Rektor Folkert Schröder im Gespräch mit der LKZ berichtet, ist seine Einrichtung mittlerweile gut auf den Ernstfall vorbereitet. Bei einer Schließung informiert die Flattichschule über ihr inkludiertes Messengersystem, das ähnlich wie Whatsapp funktioniert. Wurde eine Nachricht von den Eltern gelesen, bekommt das die Schulleitung signalisiert. Erfolgt die Bestätigung nicht, meldet sich die Schule telefonisch. Das Modell funktioniert.

Die Stadt Remseck hat von einer Schulschließung zunächst abgesehen: Die Grundschulen und die Realschule Pattonville haben gestern nach wochenlangem Homeschooling erstmals wieder im Wechselunterricht geöffnet, wie die städtische Pressestelle per E-Mail mitteilt. Die Stadtverwaltung räumt ein, dass diese Öffnung „eventuell nur von sehr kurzer Dauer sein könnte“. Dennoch habe man sich bewusst gegen eine Schließung entschieden, denn der Lernkontrolle vor Ort komme eine zentrale Bedeutung zu. Die Lehrer hätten nun die Möglichkeit, die Kinder genauer einzuschätzen; nach dem langen Homeschooling könnten die Lernfortschritte nun im Präsenzunterricht besser beurteilt werden. „Die Lehrer können darüber reflektieren, was in den vergangenen Wochen gut lief und was verbessert werden muss“, heißt es in der E-Mail. Die Stadtverwaltung weist darauf hin, dass für den Wechselunterricht eine indirekte Testpflicht besteht. Bei bis zu drei Tagen Präsenzunterricht werde einmal pro Woche, bei einer Anwesenheit von über drei Tagen zweimal pro Woche getestet. Zusätzlich müssten Schüler sowie Lehrer in den Schulgebäuden FFP2- beziehungsweise OP-Masken tragen. Vergangenen Samstag sei das kommunale Testzentrum in der Stadthalle komplett ausgelastet gewesen, da immer mehr Eltern mit ihren Kindern dieses städtische Angebot wahrnähmen.

Ludwigsburgs Schulen folgen der Inzidenz

Nach einiger Verwirrung über das Wochenende steht nun fest: Ludwigsburgs Schulen bleiben abhängig von der Sieben-Tage-Inzidenz an Covid-19-Infektionen offen. Im Kreis stand diese gestern nach 201,4 und 203,7 auf 191,4. Am Wochenende wird weniger getestet und weniger gemeldet. Wenn es bei der Inzidenz-Grenze von 200 bleibt, sind die Schulen damit diese Woche für Abschlussklassen und Wechselunterricht geöffnet. Erst bei drei Tagen über 200 schließen die Schulen am übernächsten Tag, bundesweit ist allerdings aktuell eine Inzidenz-Grenze von 165 im Gespräch. Eine Entscheidung wird hier am Mittwoch erwartet.

Am Montag fanden in Ludwigsburg bereits die Testungen für die Klassengruppen statt. Am Dienstag sollen an den Grund- und weiterführenden Schulen weitere Tests stattfinden. Damit seien diejenigen, die diese Woche mit dem Präsenzunterricht dran seien, einmal durchgetestet, sagte Bernhard Bleil gegenüber unserer Zeitung. Vereinbart sind zwei Tests die Woche, der nächste wäre dann am Donnerstag. Der Geschäftsführende Rektor aller Schulen außer der Gymnasien sowie Mathias Hilbert als Geschäftsführender Direktor aller Gymnasien hatten sich wie berichtet noch am Sonntag für eine Linie in Ludwigsburg stark gemacht, das Staatliche Schulamt indes hatte es den Schulen freigestellt. Das Regierungspräsidium wiederum sagte am Montag deutlich, dass die Schulen öffnen müssen, solange die geforderten Infektionskriterien nicht erreicht seien.

Wie berichtet, hat die Stadt aus dem eigenen Fundus alle Schulen mit Schnelltests ausgestattet. Die Vorsitzende des Gesamtelternbeirats Ludwigsburg, Erika Macan, betonte gestern gegenüber der LKZ, die Eltern befürworteten die Öffnung. Der Ludwigsburger Weg sei „eine gute Entscheidung“, sagte sie. Sie betonte allerdings, dass es auch Eltern gebe, die ihre Kinder lieber zu Hause ließen. Hier spiele die englische Variante, die für mehr junge Infizierte sorge, sicherlich eine Rolle.

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