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Landrat und Kliniken-Chef fordern harten Lockdown

Noch mehr Infektionen, so viele Corona-Patienten in den Krankenhäusern in Ludwigsburg und Bietigheim wie nie zuvor, immer mehr Tote: Landrat Dietmar Allgaier und Kliniken-Chef Professor Jörg Martin haben am Freitagmittag in dramatischen Worten einen raschen und harten Lockdown gefordert.

Freie Intensivbetten werden nochmals knapper: Vor der erhofften Entspannung ab Ende Mai stellen sich die Kliniken auf neue Höchstzahlen an Coronapatienten ein. Archivfoto: Jonas Güttler/dpa
Freie Intensivbetten werden nochmals knapper: Vor der erhofften Entspannung ab Ende Mai stellen sich die Kliniken auf neue Höchstzahlen an Coronapatienten ein. Foto: Jonas Güttler/dpa

Kreis Ludwigsburg. In Stuttgart begann Ministerpräsident Winfried Kretschmann gerade, neue Ausgangsbeschränkungen für Baden-Württemberg zu verkünden, als im Ludwigsburger Kreishaus Landrat Dietmar Allgaier und Kliniken-Geschäftsführer Jörg Martin die Politik zu – so Allgaier – „harten und einschneidenden Maßnahmen“ zur Eindämmung der Pandemie aufriefen. Umgehende Verschärfungen der bisherigen Kontaktbeschränkungen seien „dringend nötig“, so Allgaier. Sonst drohe auch im Kreis eine Sieben-Tage-Inzidenz von über 200 Neuinfektionen pro 100000 Einwohner, die beispielsweise in den Nachbarkreisen Heilbronn, Rems-Murr und Enz bereits überschritten ist. Ohne einen harten und auch über Weihnachten geltenden Lockdown sei es „nur eine Frage der Zeit, wann es auch bei uns so weit ist“, warnte Allgaier. „Menschenleben kommen vor Umsatzzahlen“, erinnerte der Landrat an die aktuellen Todesfälle etwa in den Kleeblatt-Heimen in Asperg und Bönnigheim.

„Es ist nicht fünf vor, sondern zwei Minuten nach zwölf“, drängte auch Jörg Martin, Geschäftsführer der Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim (KLB) und habilitierter Anästhesist, auf ein unverzügliches Handeln der Politik. In den Krankenhäusern in Ludwigsburg und Bietigheim lagen gestern insgesamt 115 Covid-Patienten – ein neuer Spitzenwert, der deutlich über den Zahlen des Frühjahrs liege, so Martin. „Wir arbeiten hart am Anschlag. Ohne Lockdown oder bei Lockerungen an Weihnachten wird im Januar die dritte Welle beginnen – auf einem sehr hohen Niveau. Ab Februar würden dann in der gesamten Republik die Intensivbetten knapp. Dann kämen wir alle an unsere Kapazitätsgrenze.“

Noch könnten die KLB die Kreis-Bevölkerung aber gut versorgen, unterstrich der Kliniken-Chef zugleich. Auch einen Einsatz positiv getesteten, aber symptomfreien Personals, wie er etwa in Belgien erfolgte, müsse niemand befürchten. „Jeder kann weiter ins Krankenhaus kommen, unsere Kliniken gehören zu den sichersten Orten überhaupt“, sagte Martin. Der Normalbetrieb in Ludwigsburg, Bietigheim und an der Orthopädischen Klinik Markgröningen werde – im Gegensatz zum Frühjahr, als die OKM heruntergefahren wurde, um Personal nach Ludwigsburg abzustellen – bestmöglich aufrechterhalten. „Alle notwendigen Operationen finden statt, wir verschieben nur, was wirklich verschiebbar ist.“

Martin verdeutlichte zugleich die immense Belastung des gesamten Personals – vom Chefarzt über die Krankenschwester bis zur Putzfrau. Zum riesigen Problem werde es immer wieder, dass auch KLB-Personal positiv getestet wird oder als Kontaktperson in Quarantäne muss. So erwiesen sich in der Unfallchirurgie drei bei ihrer Aufnahme noch negativ getestete Patienten nur zwei Tage später als infiziert. Konsequenz: „Wir mussten 15 Pflegekräfte nach Hause schicken, aber die Patienten war natürlich weiter da und mussten versorgt werden“. Auch die zentrale Wäscherei fiel am 23. Oktober von einem Tag auf den anderen komplett aus – insgesamt 30 Beschäftigte waren hier in Quarantäne. Zehn Tonnen Wäsche täglich mussten bis 9. November anderweitig „untergebracht“ werden. „Das haben wir geschafft“, sagt Martin – und jeder hört mit: Aber noch schlimmer darf es nicht kommen!

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