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Lautstarker Protest in Ludwigsburg

Laut Dienstleistungsgewerkschaft Verdi haben sich gestern in Ludwigsburg etwa 350 Angestellte im öffentlichen Dienst am ersten Warnstreik der laufenden Tarifrunde in der Region Stuttgart beteiligt – deutlich mehr als erwartet. Die Hauptstelle der Kreissparkasse in Ludwigsburg blieb geschlossen, Verdi kündigte weitere Aktionen an.

Kundgebung auf dem Ludwigsburger Rathaushof zur Tarifrunde im öffentlichen Dienst. Foto: Andreas Becker
Kundgebung auf dem Ludwigsburger Rathaushof zur Tarifrunde im öffentlichen Dienst. Foto: Andreas Becker

Ludwigsburg. Nachdem am Mittwoch bereits in Friedrichshafen gestreikt wurde, hat Verdi am Donnerstag auch in Ulm und im Landkreis Ludwigsburg zu Warnstreiks aufgerufen. Etwa 350 Demonstranten sind am Vormittag zur zentralen Kundgebung auf dem Rathausplatz gekommen, um ihre Forderungen lautstark zu unterstreichen. Mitarbeiter des Ludwigsburger Landratsamts und der Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim sind ebenso dabei wie Hausmeister aus Markgröningen oder Erzieherinnen aus Bietigheim-Bissingen. Erstmals beteiligen sich auch Angestellte der Abfallverwertungsgesellschaft des Landkreises Ludwigsburg an einem Warnstreik.

In den ersten beiden Verhandlungsrunden konnten die Tarifpartner keine Einigung erzielen. Verdi fordert 4,8 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 150 Euro im Monat mehr bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Ausbildungsvergütung soll um monatlich 100 Euro steigen. „Von den Arbeitgebern kam bisher nichts, absolut null“, so Cuno Brune-Hägele, Geschäftsführer des Verdi-Bezirks Stuttgart, als er auf dem Rathaushof zum Mikrofon greift. „Sie können sich eine Laufzeit von 36 Monaten vorstellen: Im ersten Jahr soll’s gar nichts geben, im zweiten Jahr ein bisschen mehr als nichts und im dritten Jahr ist auch nicht viel mehr drin.“

Ariane Raad, Gewerkschaftssekretärin bei Verdi Stuttgart, thematisiert ein Gefühl mangelnder Wertschätzung, das sich bei vielen Beschäftigten zuletzt eingestellt habe. „In der Coronakrise wurdet ihr beklatscht und habt bewiesen, dass ihr nicht nur systemrelevant seid, sondern dass ohne euch nichts läuft. Und ein paar Wochen später sagen die Arbeitgeber, dass die Kassen leer sind.“ Gerade in der Coronakrise müssten die Beschäftigten für höhere Löhne kämpfen, betont Raad, zumal davon auszugehen sei, dass Lebenshaltungskosten und Mieten in Zukunft überproportional anstiegen. „Wir müssen dafür kämpfen, dass diese Krise nicht wie schon so oft in der Vergangenheit von uns bezahlt wird.“

Im Demonstrationszug, der nach der Kundgebung auf dem Rathausplatz über Wilhelmstraße und Stuttgarter Straße vorbei an Polizeipräsidium und Finanzamt zum Landratsamt zieht, befinden sich zahlreiche Mitarbeiter der Kreissparkasse Ludwigsburg. Schon im Tarifstreit 2018 hatten etwa 100 von ihnen gestreikt. Jetzt sind es noch einmal 30 mehr, schätzt Markus Bott, der für seine Kollegen spricht. „Wenn tiefere Einschnitte geplant sind, demonstrieren auch mehr Mitarbeiter.“

In seiner Rede auf dem Rathausplatz kritisiert Bott vor allem die im Raum stehende Streichung der sogenannten Sparkassensonderzahlung. „Im Kern geht es um das 14. Monatsgehalt, also um eine Kürzung des Jahresgehalts von etwa acht Prozent“, erläutert Bott. „Damit wären sämtliche Lohnerhöhungen der vergangenen Jahre hinfällig.“

Diese Pläne stoßen auf massiven Widerstand in der Belegschaft: Laut Bott haben am ersten Streiktag nicht nur Sparkassenfilialen in Oßweil, Vaihingen, Enzweihingen, Markgröningen und Kornwestheim geschlossen, auch die Hauptstelle am Schillerplatz bleibt dicht.

Bei der abschließenden Kundgebung am Landratsamt zieht Geschäftsführer Brune-Hägele, der ursprünglich nur mit 200 Teilnehmern gerechnet hatte, eine positive Bilanz. Die Demonstranten hätten nicht nur die mit Blick auf die Coronapandemie angemessene Disziplin an den Tag gelegt, „ihr habt auch die richtige Antwort auf die Bockstarrigkeit der Arbeitgeber geliefert“.

Verdi kündigt nun weitere Warnstreiks an, alleine in der kommenden Woche seien vier Aktionen in der Region Stuttgart geplant. Bis zur dritten Tarifrunde am 22./23. Oktober werde es auch im Landkreis Ludwigsburg zumindest einen weiteren Streiktag geben. „Weihnachten steht vor der Tür“, meint Brune-Hägele. „Wir auch.“

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