Logo

PÄDAGOGISCHE HOCHSCHULE

Leerer Hörsaal, voller Stundenplan

Sehr unzufrieden sind vier Studierende der Pädagogischen Hochschule, die anonym bleiben möchten, vom Sommersemester, das wegen der Coronakrise online stattfand. Vieles sei anders gelaufen als erhofft. Eine Befragung, die die Hochschule selbst gestartet hat und die mehr als 3000 Studenten beantwortet haben, kommt zu einem etwas anderen Ergebnis. Laut dieser ist die Zufriedenheit der Studenten verglichen mit den Vorjahren nur leicht zurückgegangen.

350_0900_26613_dpa_5FA1D80089353C21.jpg

Für die Studierenden der Pädagogischen Hochschule (PH) läuft gerade die Prüfungsphase. Die Prüfungsphase nach einem Semester, das so ganz anders war als sie es sich vorgestellt hatten. Wegen der Coronakrise fanden alle Vorlesungen online statt, manche Seminare mussten ausfallen, weil zum Beispiel Musikunterricht, Exkursionen und Sportstunden nicht möglich waren. „Das gesamte Semester hat sich angefühlt, als wäre es eine Dauerprüfungsphase“, sagt eine Studentin. Sie erzählt unserer Redaktion mit drei Kommilitonen von ihren Erfahrungen im Online-Semester. Allerdings wollen die vier Studierenden anonym bleiben.

Der Aufwand in dem zurückliegenden Semester sei enorm gewesen, berichten sie. „Wenn man sich mal zwei freie Tage am Wochenende gegönnt hat, hat man es sofort bereut.“ Das Problem: Statt in die Vorlesungen zu gehen und den Dozenten zuzuhören, musste alles selbst erarbeitet werden. Die Studenten erzählen, dass sie bei vielen Seminaren seitenweise Texte gelesen und darüber Essays geschrieben haben. „Wir konnten die Texte nur noch überfliegen, sonst hätten wir das nicht mehr geschafft.“

Mehr Aufwand für Studenten und Dozenten

„Der Aufwand ist subjektiv etwas höher, weil man alles alleine machen muss“, sagt Martin Fix, der Rektor der PH. Laut einer Umfrage unter den Studenten, die die PH beauftragt hat, ist der Aufwand im Vergleich zum vergangenen Semester aber nur leicht gestiegen: von 3,3 auf 3,7 (auf der Skala stand 3 für einen genau richtig empfundenen Aufwand und 5 für einen deutlich zu hohen Aufwand). Es habe für alle Beteiligten „wahnsinnig viel Arbeit gegeben“, so Fix. Zum Teil sei es sehr schwierig gewesen, die Corona-Auflagen, die manchmal wöchentlich von der Landesregierung aktualisiert wurden, umzusetzen. Man habe immer wieder improvisieren müssen. „Ich denke aber, wir haben durch rationale Entscheidungen das Schiff gut durch die unruhige Zeit gesteuert“, sagt Fix.

Für die Studierenden blieb manches, was die Verwaltung organisierte, im Verborgenen. Aber wie die Dozenten mit der digitalen Lehre umgingen, das bekamen sie aus erster Hand mit. Einige seien sehr engagiert gewesen, ist es den vier Studenten wichtig zu betonen. Aber es gebe auch die andere Seite: Manche Dozenten hätten sich kaum bei den Studierenden gemeldet. Die Studenten erzählen von Lehrenden, die sich via Chat gemeldet hätten, in dem die Studenten auch Fragen haben stellen können. Das sei jedoch sehr unübersichtlich gewesen. Ein anderer Dozent habe sein Seminar statt mit einer Videokonferenz über das Telefon durchgezogen. Es sei wünschenswert, dass im nächsten Semester mehr Einheit herrsche, sagen die Studenten.

Die Lehre sei allerdings auch nicht in der Präsenz einheitlich, betont Martin Fix. „Das soll sie auch nicht sein, denn methodische Vielfalt ist angebracht.“ Es sei jedoch bedauerlich, wenn sich einzelne Dozenten tatsächlich nicht bei den Studenten gemeldet hätten. Einige Kollegen, so der Rektor, hätten vor allem jetzt zum Ende des Semesters eine starke Überlastung gespürt. Denn Kommunikation, Rückmeldung und Korrektur benötigten in der digitalen Lehre mehr Zeit.

Die Studierenden wünschen sich für das nächste Semester mehr Klarheit. Vor allem, was die Prüfungsanmeldung und -buchung anbelangt. Das müsse besser digitalisiert werden – und auch funktionieren. Außerdem ein großer Wunsch der Studenten: eine Lösung für die praktischen Fächer. Dazu zählen zum Beispiel Sport, Kunst, Musik und Erlebnispädagogik. Zu diesen Fächern gehören eigentlich praktische Seminare, die im vergangenen Semester aber wegen der Hygiene- und Abstandsregeln ausgefallen sind.

Für praktische Fächer braucht es eine Lösung

„Hier ärgern wir uns gemeinsam mit den Studenten über die Coronapandemie“, sagt Rektor Martin Fix. Es müsse dringend eine Lösung gefunden werden. Aber die Seminare seien ja nicht einfach so ausgefallen. Es gehe vielmehr darum, die Gesundheit der Studierenden und Lehrenden zu schützen. Die Hoffnung sei, dass die Infektionszahlen niedrig bleiben. Dann könne im Wintersemester wieder einiges mit kleinen Teilnehmerzahlen angeboten werden, etwa in der Sportpraxis.

Wie das Wintersemester aussehen wird, ist abhängig von der Entwicklung der Pandemie. Ein Hybrid-Semester, also ein ständiger Wechsel zwischen Online- und Präsenzvorlesungen können sich die vier Studenten nicht vorstellen. Einige ihrer Kommilitonen seien wieder zu ihren Eltern gezogen, um die Miete zu sparen und seien gar nicht mehr in Ludwigsburg. Ein ständiger Wechsel sei für diese nicht machbar, weil sie zum Teil lange Anfahrtswege haben.

Das sieht auch der Senat der PH so und habe beschlossen, so Fix, dass auch im Wintersemester der größte Teil der Vorlesungen und Seminare online stattfinden wird. Damit sei man auch besser gewappnet für eine mögliche erneute Verschärfung der Corona-Regeln. In kleineren Gruppen seien Präsenztermine aber denkbar. Vor allem in Bereichen, in denen das unersetzbar ist, etwa bei der Laborarbeit oder in der Sportpraxis. Dabei wolle man sich auf die Studienanfänger konzentrieren, für die das Corona-Semester besonders schwer war. Denn sie kennen nun weder die Hochschule noch ihre Kommilitonen persönlich.

Autor: