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Liaison endet mit Drohungen vor Gericht

Junge Frau wegen räuberischer Erpressung zu Haft auf Bewährung verurteilt - Familienvater zahlt

Ditzingen. Wegen räuberischer Erpressung in zwölf Fällen hat das Amtsgericht Ludwigsburg eine 25-jährige Frau zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt – und damit einen Schlussstrich unter ihr reichlich bewegtes Vorleben gezogen. „Ich werde niemanden mehr enttäuschen“, versprach die junge Frau unter Tränen.

Die Geschichte, die jetzt vor der Amtsrichterin endete, hatte ganz harmlos im Frühjahr 2017 angefangen: als Gespräch in einer Ditzinger Steuerberaterkanzlei. Dort wollte sich die damals 21-Jährige wegen der Finanzierung einer Massagepraxis beraten lassen. Aus dem Klientenverhältnis war recht schnell ein sehr privates Verhältnis geworden: Der Staatsanwalt sprach in seiner Anklage von „einvernehmlichen körperlichen Handlungen“, die auch mit Geldzahlungen verbunden waren. Innerhalb weniger Tage gingen mal 96 Euro, mal 300, mal sogar 5000 Euro auf dem Konto der jungen Frau ein, insgesamt waren es bis August 2018 knapp 60000 Euro.

Der Staatsanwalt sprach von räuberischer Erpressung, denn die Geldforderungen gingen mit Drohungen einher. Die reichten von der Ankündigung, die Kanzlei in Verruf zu bringen bis zur Anzeige wegen sexueller Belästigung. Der verheiratete Familienvater nahm die Drohungen ernst und zahlte. Eines Tages bekam er das Foto einer Schusswaffe geschickt mit dem Satz: „Guck mal, was ich mir besorgt habe!“ Da ging der Mann zur Polizei. Verängstigt und verunsichert habe er gewirkt, sagte der vernehmende Polizist jetzt vor Gericht aus; er sagte aber auch, dass der Mann nur lückenhaft berichtet und Teile der Chats mit der jungen Frau auf seinem Handy bereits gelöscht hatte, „weil sie ihm so peinlich waren“.

Damit offenbarte sich die Kehrseite der Geschichte: Ein großer Teil der Geldzahlungen war offenbar freiwillig erfolgt; irgendwann  jedoch war die Liaison der beiden gekippt. Es folgten dramatische Szenen: Drohungen mit dem Auto gegen einen Baum zu fahren und schließlich die Aufforderung an  die junge Frau: „Bring dich doch um, dann haben wir alle Ruhe!“ 

Ihre Mandantin habe sich in einer Notsituation befunden, sagte die Verteidigerin. Die Vorwürfe räume sie ein, Fragen werde sie nicht beantworten. Das Geständnis ersparte auch dem Mann eine Aussage, die für ihn „durchaus kompromittierend“ hätte sein können, wie es die Verteidigerin  leicht süffisant formulierte.

Inzwischen hat die junge Frau einen Sohn geboren, eine Gefängnisstrafe abgesessen – und sie hat große Pläne: Am liebsten Abitur machen und Jura studieren. Sie befinde sich auf einem guten Weg fand auch das Gericht und setzte die Strafe zur Bewährung aus.

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