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Licht, düster, aber immer Wald

Kersten Paulsen, Sibylle Möndel und Peter Otto Hilsenbek in der Zehntscheuer

Vielseitig: „Waldlauf“ von Kersten Paulsen und Papierobjekt von Peter Otto Hilsenbek. Foto: Susanne Müller-Baji
Vielseitig: „Waldlauf“ von Kersten Paulsen und Papierobjekt von Peter Otto Hilsenbek. Foto: Susanne Müller-Baji

Möglingen. Corona hat die Welt fest im Griff – und Umweltthemen stehen mit einem Mal wieder ganz hinten an. Da kommt die aktuelle Ausstellung „Unter Bäumen“ in der Zehntscheuer gerade zur rechten Zeit: Kersten Paulsen, Sibylle Möndel und Peter Otto Hilsenbek werfen hier Fragen nach dem Wesen von Wald und Menschen auf.

Ein Brustpanzer und Speere, Knochen eines großen Tieres – was genau ist da in der Installation „Wald-Brand“ von Peter Otto Hilsenbeck ein Raub der Flammen geworden? Auf den zweiten Blick ist es „nur“ verkohltes Holz im Galerie-Schaufenster, eigentümlich schwebend über der spiegelnden Unterlage. Aber das beklemmende Gefühl bleibt. Zu frisch sind die Bilder der Waldbrände in Australien und in den USA: Etwas Wertvolles ist zerstört worden. Was genau, darüber lässt sich beim Rundgang durch die Zehntscheuer hervorragend nachdenken.

Da sind zum Beispiel die „Lichtungen“ von Sibylle Möndel: Eine Serie übermalter und verfremdeter Siebdrucke, in denen nun das Licht partiell durch den Wildwuchs fällt. Und schon verweben sich Vorder- und Hintergrund zu einem verwirrenden Geflecht. Bietet das Dickicht ein willkommenes Versteck – oder lauert da was im Unterholz? Die Kornwestheimerin hat dem Wald hier jene ambivalente Rolle zugeteilt, die er seit Jahrhunderten für den Menschen hat: Noch vor 200 Jahren wäre kaum jemand ohne triftigen Grund in einen Wald gegangen: Die befestigten Straßen der Städte boten Sicherheit, im Wald gab es nur Bäume, die man wahlweise als Bau- oder als Heizmaterial verwandte.

Doch dann wuchsen die Städte in den Himmel und je mehr man sich der Natur entfremdete, desto romantischer wurde sie wahrgenommen – und bald Ort der Freizeitgestaltung. Wie im lyrischen Triptychon „Waldlauf“ der Markgröningerin Kersten Paulsen, der nicht umsonst den Untertitel „eine Erzählung“ hat. Man bewegt sich in Leserichtung durch die Flächen des Ölgemäldes, wie die Waldläuferin selbst. Von düster zu licht führt der Weg, so die eine optimistische Deutung. Oder ist doch alles ganz anders und aus dem ursprünglichen Urwald der linken Tafel wird ein zahmes Parkwäldchen?

Und dann sind da noch die aus in Lack getränkten Buchblöcke des Kornwestheimers Peter Otto Hilsenbek. Ihre amorphen Formen bilden einen erstaunlichen Weg ab: Baum wird zu Holz, zu Papier, zum Katalog und dann zum pflanzenartigen Kunstobjekt. Aber der Wald als lebender Organismus bleibt verloren. Auch das wird klar im wechselvollen Kunstspaziergang „Unter Bäumen“: Die Bedrohung im Wald und für den Wald geht immer nur vom Menschen aus.

Info: Die Werkschau ist bis 29. November in der Zehntscheuer, Kirchgartenstraße 1, zu sehen. Geöffnet ist donnerstags von 16 bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 12 Uhr und sonntags von 10.30 bis 13 Uhr.

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