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LKZ-Adventskalender

Wo könnte man besser verborgene Türen öffnen, als in einem Schloss? In langen, breiten Gängen mit hohen stuckverzierten Decken reiht sich oft eine Tür an die nächste. Hinter jeder verbirgt sich ein neuer Raum mit einer neuen Geschichte. So ist es auch in Freudental. Hier ist das Schloss der Mittelpunkt des Ortes mit seinem weitläufigen historischen Park und den zahlreichen Nebengebäuden. Viele Jahre schlief das 1729 erbaute Schloss einen tiefen Dornröschenschlaf, doch mittlerweile ist das Leben zurückgekehrt. Mit viel Liebe zum Detail und einem Gespür für die Geschichte hat Schlosseigentümer Rudolf Bayer angefangen, das historische Gebäude zu renovieren. Er hatte es im Jahr 2007 vom Landkreis gekauft.

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Viele historische Bücher und Druckplatten lagern heute in der Ochsenbraterei, die von außen gut durch den hohen Kamin zu erkennen ist. Foto: Fotos: Oliver Bürkle
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Viele historische Bücher und Druckplatten lagern heute in der Ochsenbraterei, die von außen gut durch den hohen Kamin zu erkennen ist. Foto: Fotos: Oliver Bürkle
Ludwigsburg. Die Tür zum Schloss öffnet uns heute Christa Blaschke. Sie ist sozusagen die Schlossdame – oder wie man heute sagt: die Organisationsleiterin im Schloss Freudental. Die hohe Holztür knarrt als trüge sie die Last der letzten Jahrhunderte allein auf ihren Schultern. Wie oft sie wohl schon aufgeschlossen worden ist? Herzöge und Könige sind hier ein- und ausgegangen, Soldaten und Senioren waren hier bereits untergebracht. Seit rund einem halben Jahr ist Christa Blaschke mehrmals in der Woche im Schloss unterwegs – doch noch immer entdeckt sie neue Türen, die ihr bisher verborgen geblieben sind. Über 70 Räume gibt es allein im Schloss, dazu kommen noch die zahlreichen Nebengebäude. Sogar einen Geheimgang soll es auf dem Gelände geben, den man offenbar nur in gebückter Haltung durchqueren kann.

Da fällt es schwer, sich für eine Tür zu entscheiden. Denn öffentlich zugänglich sind im Schloss mittlerweile nur noch die wenigsten Räume – und das auch nur bei Veranstaltungen. Die Wahl fällt schließlich auf ein Nebengebäude, an dem jeder vorbeikommt, zu dem aber kaum jemand Zugang hat: Die Ochsenbraterei, die direkt am Schlossplatz steht und durch ihren hohen Schornstein ins Auge fällt.

Wobei das Gebäude mit kulinarischen Genüssen nichts zu tun hat. Wer die Tür öffnet, steht in einem kleinen Raum mit kahlen Wänden, in dem schon viele Jahre nichts mehr gemacht wurde. Es ist kalt und recht dunkel. Ein Fenster ist provisorisch mit Pappe verschlossen, an der Wand steht eine große Papierrolle. Einfache, weiße Schränke stehen an den Wänden, darin zahlreiche historische Bücher und Druckplatten, die ein befreundeter Künstler von Rudolf Bayer hier zwischenlagert. Auch auf einem kleinen Schränkchen und einer Art Tapeziertisch liegen Bücher. Die Seiten sind vergilbt und dünn vom vielen Blättern, die Buchrücken staubig. Man traut sich kaum, das Papier anzufassen, aus Angst, es könnte reißen.

Eine direkte Verbindung zum Schloss gibt es nicht, die Ochsenbraterei war schon immer ein Nebengebäude. Ursprünglich war hier die Schmiede – der große Kamin lässt es erahnen. Als das Kreisaltenheim im Schloss untergebracht war, standen in dem Raum Waschmaschinen. Ochsen gebraten wurden hier dagegen nie. Woher der Name stammt, lässt sich nicht genau klären. Vielleicht nennt man das Gebäude so, weil es einst so groß war, dass dort ein Ochse hineingepasst hat.