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Ludwigsburger Wohngebiet Fuchshof lässt auf sich warten

Erschließung vielleicht erst ab 2023 – In Ludwigsburg werden dringend Wohnungen benötigt

Das Modell aus dem Wettbewerb: Neben der Schule wird ein privater Investor bauen, alles Weitere ist noch völlig offen. Modellbild: Bürkle/LKZ
Das Modell aus dem Wettbewerb: Neben der Schule wird ein privater Investor bauen, alles Weitere ist noch völlig offen. Modellbild: Bürkle/LKZ

Ludwigsburg. In Ludwigsburg sind Wohnungen rar. Am Fuchshof soll deshalb gebaut werden, neu entstehen wird dort am Rande der Oststadt fast schon ein eigener Stadtbezirk. Darüber geredet wird schon seit zwanzig Jahren, vor zehn Jahren wurden die ersten Planungen angekündigt – doch es geht nicht recht voran. Die Baugebiete Schauinsland und Gämsenberg haben den Fuchshof längst auf der Schnellspur überholt.

Woran das liegt? Die Baubürgermeisterin macht die Komplexität dafür verantwortlich. Bebauungsplan, Schulbau, Sportparkpläne, Quartiersgarage, Mobilitätskonzept, Grün- und Freiraumkonzept, städtebaulicher Wettbewerb – die Liste dessen, was diese Fläche in der Oststadt und in direkter Nähe zu Oßweil an Zuwendung verlangt, ist lang. Es ist ein riesiges Areal, das man entwickeln will. „Das ist wie bei einer Brombeerhecke, wenn man an einer Ecke zieht, zappelt gleich alles“, so Andrea Schwarz.

Dazu kommt, dass die Stadt noch immer nicht im Besitz aller Grundstücke ist, und eigentlich auch erst auf die Baustelle will, wenn es so weit ist. „Wir können die Eigentümer nicht zum Verkauf zwingen“, zeigt sich die Baubürgermeisterin machtlos. Eigentlich wollte man, so noch vor einem Jahr, bereits diesen Herbst mit der Erschließung des Gebiets beginnen. Doch das haut nicht hin. Jetzt ist die Rede von 2023. Über Bürger, die sich wundern, wie die Jahre ohne Spatenstich dahinstreichen, sagt sie: „Ich verstehe das Kopfschütteln.“

Sollte es weiter mit den Grundstücken hapern, müsste man auf kleinerer Fläche loslegen. Schließlich will man für die Internationale Bauausstellung 2027 (IBA) etwas vorweisen können, für das sich die Stadt mit dem Wohngebiet angemeldet hat. Die Zeit drängt also. Doch wer Tempo macht, ist ein privater Immobilienkoloss, der sich, entgegen dem gedachten Konzept, ein Grundstück gesichert hat und bauen will. Auch wenn noch nicht klar ist, wann das Unternehmen Bonava loslegen kann, durchkreuzt dieses auch in einem zweiten Punkt die städtischen Pläne: Bonava will keine Quartiersgarage für ein weitgehend autofreies Wohngebiet, so die Ideen bei der Stadt. Das Unternehmen setzt auf seinem Grundstück lieber traditionell auf Tiefgaragen.

Wird das Wohngebiet überhaupt ein Vorzeigeprojekt?

Direkt neben der Schule will Bonava rund 80 Wohnungen erstellen. Die Stadt hat bei den Garagen bereits nachgegeben. „Die Argumente sind nachvollziehbar“, sagt Schwarz. Das Baufeld soll, so die Begründung, nicht, wie im Wettbewerb vorgesehen, mit dem Blick auf Autos und die Parkgarage beginnen.

Fällt damit das Konzept in sich zusammen? Für die stellvertretende Vorsitzende der Grünen, Christine Knoß, ist das schon der erste Tabubruch. „Wir sind mit einem Tiger gestartet und landen als Bettvorleger“, kritisierte sie jüngst. Das Auto spiele immer noch eine wichtige Rolle, die Wohnformen seien konventionell. „Das ist überhaupt nichts Besonderes mehr und weit entfernt von einem Vorzeigeprojekt“, findet sie. Wer Tiefgaragen plane, von denen man aus direkt zur Wohnung gelangt, schaffe ein anonymes Wohnen.

Auch der Gestaltungsbeirat der Stadt hat seine Schwierigkeiten mit dem Projekt. Er hält das Entrée mit der Tiefgarageneinfahrt für „unbefriedigend“, in der Schule wäre das die Note6. Bemängelt wird am Entwurf von Bonava, dass Fahrradabstellräume nicht den Wohngebäuden zugeordnet sind und größere Freiräume fehlen. Die Planung ergebe noch „kein stimmiges Bild“.

Die Baubürgermeisterin argumentiert anders. Das neue Wohngebiet sollte zwar klimaneutral, aber nie komplett autofrei werden. „Es gibt schon Straßen, um mit dem Auto vorfahren zu können.“ Ansonsten halte man an dem reduzierten Stellplatzschlüssel von 0,8 fest, das heißt, dass auch Bewohner gewollt sind, die kein Auto haben – und vielleicht, so Schwarz, lieber mit dem Lastenrad fahren.

Das neue Baugebiet soll trotz aller Kritik etwas zum Vorzeigen werden. Weniger Verkehr rund um die Häuser, keine öffentlichen Stellplätze im Wohngebiet, stattdessen eine Quartiersgarage für den Teil, den die Stadt plant. Dazu Mobilitätsstationen für E-Mobilität, eine grüne Fuge zwischen dem Baufeld1 und Baufeld2. Insgesamt sind rund 520 Wohnungen geplant. Ein wichtiges Element ist die Energieversorgung, geplant sind Photovoltaikanlagen, Fernwärmeversorgung und eine „Bauweise mit niedrigem Energieeinsatz“, wie es in einer Vorlage für die Stadträte heißt. Holz und Recyclingbeton könnten zum Einsatz kommen.

Wie ein Wohnviertel wirkt, dafür ist maßgeblich die Architektur verantwortlich. In vielen Städten setzt man inzwischen auf Atmosphäre, kleinräumige Strukturen, Innenhöfe und Begegnungsräume. Laut Schwarz soll der Fuchshof ein lebendiges Quartier werden, die Architektur vielfältig, auch Baugemeinschaften sollen zum Zug kommen. Denkbar wären „Coworking spaces“, also flexibel nutzbare Räume, die von Bewohnern als Gemeinschaftsbüro genutzt werden könnten. Vergibt die Stadt die Grundstücke, kann sie auch auf die Gestaltung einwirken. Der private Investor Bonava will, wenn auch mit Holz, aber doch eher konventionell bauen. „Darauf haben wir wenig Einfluss“, erklärt die Baubürgermeisterin.

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