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Luthers Lieblingsweine im Etterhof verkostet

Ortsgeschichtlicher Verein entführt Weinfreunde mit historischen Weinsorten in die Zeit des Reformators – Roter Urban wird noch angebaut

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Matthias Braun sprach beim Ausschank alter Weinsorten über Luther und den Wein.Foto: Alfred Drossel

Ludwigsburg. Matthias Braun und der Vorsitzende des ortsgeschichtlichen Vereins Hemmingen, Manfred Gutbrod, haben gestern im Etterhof die Zeit um mindestens 500 Jahre zurückgedreht. „Luther und der Wein“ war das Thema einer Verkostung alter Rebsorten aus der Zeit der Reformation.

Die Besucher begaben sich auf eine Reise in die Zeit Martin Luthers mit den Weinen und Rebsorten der damaligen Zeit, die auch in Hemmingen angebaut wurden. Matthias Braun aus Hemmingen hat sich mit den historischen Rebsorten beschäftigt, hat über sie berichtet und hat seine Erkenntnisse mit dem Leben Luthers verbunden. Darunter waren Weine wie der Rote Urban, der vom Weingut Graf Adelmann in Kleinbottwar noch angebaut wird, und der Blaue Affenthaler.

„Der Wein ist gesegnet“, hatte Martin Luther in einer seiner Tischreden gesagt. Der Reformator trank gerne – und beschwerte sich, wenn der Wein nicht gut war: „Die Weine, die vom Rhein und anderswoher kommen, werden von den Fuhrleuten verdorben.“ Luther bekam Wein von Fürsten geschenkt, baute selbst 600 Rebstöcken an oder nahm sich einfach Fässer aus dem Ratskeller der Stadt Wittenberg.

„Ich zeche auch“, gab Luther zu, um andere dann doch vor dem Laster der Trunksucht zu warnen. „Es soll mir aber nicht jedermann nachtun, weil nicht alle meine Mühen ertragen.“

Unstrittig ist, dass Luther und seine Tischrunden fassweise Wein leerten, was angesichts der schlechten Wasserqualität im 15. und 16. Jahrhundert nichts Ungewöhnliches war. Welchen Wein aber der Reformator vor 500 Jahren besonders mochte, ist schwieriger zu beantworten.

Luther selbst spricht von Reinfal. Ob es sich dabei um eine Rebsorte oder eine Herkunftsbezeichnung handelt, ist laut Matthias Braun unklar. Zeitgenossen schreiben von Rheinwein, Frankenwein oder Elsässer.

Trotz aller Darstellungen von Luther als Zecher: Es sei dem Reformator um den Genuss in Maßen gegangen, um Geselligkeit in Freude, erklärte Matthias Braun. Gerne wird auch das Luther-Loblied auf den Wein zitiert: „Das Brot stärkt des Menschen Herz, der Wein aber macht ihn fröhlich.“ Matthias Braun stellte fest, dass das Interesse an den historischen Rebsorten steigt. „Die Menschen sehen kulturelles Erbe nicht nur in alten Burgen und Schlössern, sondern auch in Ess- und Trinkgewohnheiten.“ Dies sei ein Teil der zunehmenden Rückbesinnung auf Traditionen.