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Berufswahl

Mädchen entdecken Technik

Girls’-Day-Akademie hat an 40 Schülerinnen Zertifikate vergeben – Große Nachfrage

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Die Absolventinnen der Girls’-Day-Akademie haben keine Scheu mehr vorm Löten, Fräsen oder Programmieren.Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Bietigheim-Bissingen. 40 Mädchen aus Besigheim, Bönnigheim und Sachsenheim haben Zertifikate für ihre Teilnahme an der siebten Auflage der Girls’-Day-Akademie erhalten. Damit haben seit dem Start im Schuljahr 2008/2009 bereits 340 Mädchen intensive Einblicke in technische und naturwissenschaftliche Berufe erhalten. Die Nachfrage nach der nächsten Seminarreihe ist bereits groß.

Bei der Abschlussveranstaltung im Kleinkunstkeller in Bietigheim präsentierten die diesjährigen Absolventinnen das, was sie in den vergangenen Monaten gemacht und erlebt haben. In Spielen und Liedern ließen die Schülerinnen beim Abschlussabend das Erlebte Revue passieren. Dass neben handwerklichen Arbeiten und Firmenbesuchen der Spaß nicht zu kurz gekommen ist, zeigte der Film, der bei dem Workshop an den Bavaria-Filmstudios in München entstanden ist.

Bei der Berufswahl vieler Jugendlicher spielen klassische Rollenbilder nach wie vor eine große Rolle. Die Girls’-Day-Akademie will dazu beitragen, Schülerinnen der neunten Klassen von Real-, Werkreal- und Gemeinschaftsschulen den Blick für technische Berufe zu öffnen und ihnen die Scheu zu nehmen. Träger dieses Projektes ist der Verein zur Förderung der Frauenweiterbildung (Furiosa), dem es in den vergangenen Jahren immer wieder gelungen ist, Fördermittel zu akquirieren. Rund 30 Veranstaltungen finden im Verlauf einer Girls’-Day-Akademie statt. An einem Nachmittag in der Woche lernten die Mädchen in Schul-Workshops technische Grundkenntnisse, wie Löten, Fräsen und Programmieren.

Und weil Mädchen selbstbewusst sein sollten, wenn sie sich in Männerdomänen vorwagen, sind die Schülerinnen in Bereichen wie Kommunikation, Präsentation und Prozessmanagement geschult worden. Nach der Theorie spielt auch die Praxis bei dieser Form der Berufsorientierung eine große Rolle.

Die Mädchen besuchten Firmen und erhielten dort Einblick in verschiedene Berufsfelder. In einigen Fällen blieb es nicht bei dem einmaligen Besuch. So wie bei Kim, die im Schuljahr 2012/13 an der Girls’-Day-Akademie teilgenommen hat und mittlerweile eine Lehre als Mechatronikerin bei Valeo absolviert. Das Unternehmen hat sie im Rahmen der Akademie kennengelernt. „Ich habe mich dort sofort wohlgefühlt“, lobte sie die Willkommenskultur von Valeo in der von Hiltraut Vieth vom Verein Furiosa moderierten Interviewrunde. Anderen Mädchen ist es wohl auch so ergangen: In ihrer Ausbildungsabteilung seien drei junge Frauen und zwei junge Männer. Sophie ist eines der Mädchen, das an der nächsten Girls’-Day-Akademie teilnimmt. In der Schule hat sie bereits das Profilfach Technik belegt. „Ich freue mich auf die Firmenbesuche und bin gespannt, was dort gemacht wird“, sagte sie. Franziska hat gemerkt, dass durch die Teilnahme an der Girls’-Day-Akademie auch ihr Selbstvertrauen gestiegen ist. „Man traut sich immer mehr zu.“

Rita Haller ist Rektorin der Max-Lutz-Realschule in Besigheim und hat die Akademie von der ersten Stunde an miterlebt. „Was dort angeboten wird, ist im normalen Schulbetrieb nicht leistbar“, sagte sie. Sie appellierte an ihre Zuhörer, sich dafür einzusetzen, dass es die Akademie noch weiterhin geben wird. Zumindest für dieses Jahr ist die Finanzierung gesichert: Die Arbeitsagentur übernimmt die Hälfte der Kosten, das Land bezuschusst dieses Projekt zu 20 Prozent aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds, und die Wüstenrotstiftung beteiligt sich zu 30 Prozent an den Kosten.