Logo

Magnete sollen Kunden anlocken

Wie kann man den Einzelhandel in Freiberg stärken? Wie lässt sich die Kaufkraft am Ort binden? Welche Waren können an welchem Standort verkauft werden? Antworten auf diese Fragen soll das Einzelhandelskonzept liefern, das die Stadt in Auftrag gegeben hat und dessen Entwurf bald öffentlich ausgelegt wird.

Wie kann sich der Einzelhandel in Freiberg weiterentwickeln? Ein entsprechendes Konzept soll Antworten liefern. Archivfoto: Ramona Theiss
Wie kann sich der Einzelhandel in Freiberg weiterentwickeln? Ein entsprechendes Konzept soll Antworten liefern. Foto: Ramona Theiss

Freiberg. Nachdem der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig grünes Licht gegeben hatte, kann das 116-seitige Papier vom 19. Oktober bis 30. November im Baurechtsamt, Zimmer 111, des Rathauses eingesehen werden. Darin enthalten sind zahlreiche Lösungsansätze für die künftige Entwicklung des Einzelhandels in der Stadt, die Peter Helbig vom Büro Acocella den Ratsmitgliedern grob vorstellte.

Wichtig für den Einzelhandel einer Stadt seien die Bindungsquoten, sagte der Fachmann. Sie bezeichnet das Verhältnis zwischen Umsatz und Kaufkraft. Genau an dieser Stelle malte der Planer ein düsteres Bild. „Nur ein geringer Teil der Kaufkraft kann gebunden werden“, sagte Helbig und nannte mit dem Breuningerland und dem Onlinehandel zwei der größten Mitspieler. Lediglich in den Bereichen Nahrungsmittel, Zeitschriften und Drogerieartikel erreiche man eine gute Bindungsquote von 70 Prozent.

Insbesondere Aldi, Edeka, Penny und Rewe würden die Funktion der Nahversorgung übernehmen. Während der Edeka-Markt durch seine Lage im Zentrum ein wichtiger Frequenzbringer sei, würden die anderen drei Märkte abseits der Wohnbebauung liegen. Auch der Drogeriemarkt am Marktplatz sei wichtig für den Einzelhandel in der Innenstadt. Während das Zentrum in der Betrachtung gut wegkommt, identifiziert Helbig in den Stadtteilen Beihingen, Heutingsheim und Geisingen „größere Nahversorgungslücken“.

Die zentrale Frage, wie sich der Einzelhandel in Freiberg entwickeln kann, sei vor dem Hintergrund der Coronapandemie schwierig zu sagen. „Bekleidungsgeschäfte leiden darunter, weil die Kunden im Geschäft nichts anprobieren wollen – da hat der Onlinehandel an Bedeutung gewonnen“, sagte Helbig. Dennoch sehe er in der Stadt gerade in den Bereichen Bekleidung, Schuhe und Lederwaren noch Entwicklungsspielraum. In einer Stadt der Größenordnung wie Freiberg sei die Situation schwierig, da es dort vorwiegend kleinere, inhabergeführte Geschäfte gibt. „Aber Potenzial für eine Stärkung des Einzelhandels ist da.“

Um dies in Freiberg zu erreichen, müsse der Fokus insbesondere auf die Innenstadt gelegt werden. Dort sollten Magnetbetriebe in möglichst großen, zusammenhängenden Erdgeschossflächen ansiedeln. Zudem wird angeraten, die Angebotsvielfalt auszubauen. Auch die Stärkung der Gastronomie und Dienstleister könne sich positiv auf den Einzelhandel auswirken.

Städtebaulich rät Peter Helbig unter anderem dazu, den öffentlichen Raum aufzuwerten, Hinterhöfe zu beseitigen, auf eine identitätsstiftende Architektur zu achten und die Innenstadt mit dem übrigen Stadtgebiet zu vernetzen. Dazu kann laut dem Fachmann ein attraktives Rad- und Fußwegenetz beitragen.

Auf die Frage von FDP-Stadtrat Dr. Thomas Baum, welcher Magnetbetrieb denn für Freiberg infrage komme, entgegnete Helbig, dass er dabei einem großen Drogeriemarkt gute Chancen beimesse. Er solle als Ergänzung zum bestehenden Markt betrachtet werden, der vergleichsweise klein sei. Dr. Christine Henkel (ULF) wollte wissen, wie sich die Bindungsquote berechnet. Dazu, so Helbig, seien die Händler nach ihren Umsätzen befragt worden. Außerdem gebe es auch Marktforschungsinstitute, welche die Kaufkraft von Kommunen veröffentlichen würden.

Autor: