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Markgröningen kann Wohnungsbauziel nicht halten

Die Stadt wollte bis 2021 rund 300 neue Wohneinheiten schaffen. Warum daraus nichts wurde, lässt sich an der Ziegelei und am Benzberg beobachten.

Abhängig von der Stadtbahn: Die Entwicklung des alten Ziegeleigeländes in Markgröningen. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Abhängig von der Stadtbahn: Die Entwicklung des alten Ziegeleigeländes in Markgröningen. Archivfoto: Holm Wolschendorf

Markgröningen. Am Benzberg in Markgröningen hat die Stadt große Pläne. Mit einem Wohnbauunternehmen aus Besigheim will sie auf dem rund 8000 Quadratmeter großen Areal ein neues Quartier entstehen lassen. Als Bonbon ist ein Kindergarten geplant, den die Stadt bitter nötig hat. Ihr fehlen Betreuungsplätze, was dazu führen könnte, dass Eltern ihren Anspruch darauf vor Gericht einklagen. Dennoch stimmte der Markgröninger Gemeinderat vor Weihnachten nur mit zwei Stimmen Mehrheit einer Anpassung des dortigen Bebauungsplans zu.

Die Fläche, die unter Eingeweihten als Glaserareal firmiert, benannt nach einer alten Markgröninger Familie, ist zu einem Dauerbrenner geworden. Seit Jahren diskutiert die Politik darüber, wie dieses urbane Mischgebiet entwickelt werden sollte, das an ihr Bildungszentrum und die Stadthalle grenzt, ohne dass es zu einem Durchbruch gekommen wäre.

„Wir wollen eine saubere Lösung“, sagt etwa der CDU-Fraktionschef Erich Hutflus. „Vieles spricht dafür, das Gebiet zu verkleinern.“ Die SPD setzt sich neben der Wohnbebauung vor allem für den ins Auge gefassten neuen Kindergarten ein. „Er ist uns wichtig“, so der Ratsherr Helmut Schäfer.

Zu den schärfsten Kritikerinnen des Glaserareals zählt die Grün-Alternative Liste GAL. „Wir haben größte Bedenken“, sagte die Co-Fraktionschefin Katja Drobac-Liebmann neulich in ihrer Haushaltsrede. „Einerseits aufgrund der geplanten intensiven Bebauung, andererseits wegen der Verträglichkeit mit bestehendem Gewerbe und der Stadthalle.“ Nach Ansicht der GAL ist die Verwaltung gefordert, mit dem Bauträger auf einen Nenner zu kommen.

Kritik an Rathausspitze

Die FDP geht hart mit Bürgermeister Rudolf Kürner und Stadtbaumeister Klaus Schütze ins Gericht. Ihr Ratsherr Joachim Blank: „Die Herangehensweise bei der Quartiersentwicklung kann ich nicht immer gutheißen. So war vor kurzem beispielsweise das Vorgehen bei der Erarbeitung eines Bebauungsplans voreilig, und im Nachgang entdeckte Problemstellen wurden dann durch Reduzierung der eigentlich gewünschten Planung umgangen.“ Ohne das Areal zu benennen, wusste auch so jeder Bescheid.

2019 setzten sich Kürner, Schütze und der Markgröninger Gemeinderat das Ziel, in den kommenden beiden Jahren rund 300 neue Wohneinheiten in Markgröningen zu schaffen. Heute ist klar, dass dieses Ziel verfehlt worden ist. Laut Kürner laufe die Innenentwicklung im gesamten Stadtgebiet zwar „sehr gut“. In die Aktion 300 Wohneinheiten rechnete er aber auch das alte Ziegeleigelände an der Straße nach Schwieberdingen mit ein. Hier schweben der Stadt rund 200 Einheiten vor. Diskutiert wird wie beim Glaserareal seit Jahren, nennenswerte Fortschritte sind jedoch Fehlanzeige.

„Wir brauchen dieses Wohngebiet nicht nur, um neuen Wohnraum zu schaffen“, sagt der im Mai scheidende Bürgermeister. „Wir brauchen auch die Einnahmen aus den Grundstückserlösen.“ Die Stadt habe laut Kürner bereits „erhebliche Beträge“ in die Vorplanung investiert.

Problem Stadtbahn

Problematisch für die Ziegelei ist, dass die geplante Stadtbahn zwischen Ludwigsburg und Markgröningen (und eine mögliche Verlängerung bis Schwieberdingen) nur im Schneckentempo vorankommt. „Der Zweckverband Stadtbahn muss uns dringend die Grundlage für die Entscheidung des Schwieberdinger Astes bereitstellen, damit wir im Gemeinderat die Weichen stellen und das Wohngebiet Ziegelei freigeben können“, sagt Kürner.

Immerhin scheint es im Zweckverband herrschende Meinung zu sein, das Schwieberdinger Boschwerk über Markgröningen, das Bildungszentrum Benzberg und die Ziegelei an die Stadtbahn anzuschließen – und nicht über Möglingen, was auch infrage käme.

Probleme, die künftig Kürners Nachfolger in Markgröningen lösen muss.

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