Logo

Masken, Abstand und frische Luft

Das neue Schuljahr am Goethe-Gymnasium läuft im Vollbetrieb – Kalte Jahreszeit birgt neue Herausforderungen

Die Fenster in den Klassenräumen sind fast durchgängig geöffnet. Fotos: Ramona Theiss
Die Fenster in den Klassenräumen sind fast durchgängig geöffnet. Foto: Ramona Theiss

Ludwigsburg. Die Pausenglocke ertönt, die Unterrichtsstunde ist vorüber. Die ersten Kinder und Jugendlichen verlassen die Klassenräume. Die Flure und der Schulhof füllen sich. Ein ungewohntes Bild, war Präsenzunterricht vor den Sommerferien doch nur gestaffelt möglich. Allerdings geschieht all dies nicht, ohne vorher den Mund- und Nasenschutz aufzuziehen. Die Disziplin ist Lehrern und Schülern bei einem Besuch des Goethe-Gymnasiums direkt anzumerken. Kaum jemand ist ohne Maske unterwegs. In das Sekretariat darf nur einzeln eingetreten werden, die Fenster in den Klassenräumen sind fast durchgängig geöffnet, auf Boden und Wänden kleben Hinweisschilder. „Wir sind erleichtert“, sagt Schulleiter Wolfgang Medinger. „Die Freude über den Präsenzunterricht ist sowohl in der Schüler- als auch in der Lehrerschaft zu spüren.“

Abstand zu Klassenkameraden zu halten, scheint aber gerade den jüngeren Schülern schwerzufallen. So geht es beispielsweise Arm in Arm zurück in die Klasse. Auch auf den Fluren geht es eng zu, wie sollte es bei rund 840 Schülern auch anders sein. Doch der Mund- und Nasenschutz sitzt dabei immer an der richtigen Stelle. „Das Tragen der Maske funktioniert bisher wirklich einwandfrei“, sagt Lehrer Benjamin Färber. „Und falls jemand seine Maske vergessen hat, dann bekommt er von uns eine neue.“ Nicht nur auf den Fluren, sondern auf dem gesamten Schulgelände gilt Maskenpflicht.

Das ist teilweise nervig, wie die beiden Siebtklässler Eva und Artur erzählen. Doch beide sind froh, dass sie überhaupt wieder in die Schule können. „Das ist definitiv besser als zu Hause“, sagt Artur. Wenn er etwas nicht verstehe, dann könne er direkt beim Lehrer nachfragen. „Das geht alles viel schneller“, sagt der Zwölfjährige. Auch das Lernen bei ständig geöffneten Fenstern störe beide Schüler nicht. „Bei diesen Temperaturen ist das kein Problem. Ich frage mich aber, wie das im Winter gemacht wird“, sagt Eva.

Diese Thematik ist auch für Schulleiter Medinger und sein Team eine große Herausforderung. In den Wintermonaten, wenn sich die Temperaturen rund um den Gefrierpunkt bewegen, solle alle zehn bis 15 Minuten ein Stoßlüften erfolgen. „Wir haben zwar auch eine gute Lüftungsanlage. Aber die ist keine Virenschluckerin“, so Medinger.

Die kommende kalte Jahreszeit scheint die Schulen noch einmal vor neue Herausforderungen zu stellen. Auch, da niemand weiß, wie sich die Coronalage entwickelt. Laut Medinger sind die schulischen Liegenschaften im Stadtgebiet einfach nicht für das geltende Abstandsgebot ausgerichtet. Aktuell verbringen die Klassenstufen die Pausen weitestgehend getrennt. Das komme nicht bei allen Schülern gut an, werde aber dennoch umgesetzt. Der innere Schulhof des Goethe wird dabei von den Klassen 5 bis 7 genutzt. Die Schüler der Klassen 8 bis 12 verbringen die freie Zeit in der Seestraße. Lassen es die Temperaturen aber nicht mehr zu, dass die Pausen im Freien verbracht werden können, dann müssen neue Möglichkeiten geschaffen werden. „Die Arkaden im Innenhof bieten zumindest vor der Witterung Schutz“, so Lehrer Färber. „Bei eiskalten Temperaturen helfen sie allerdings auch nicht viel.“ Dann müsse auf den Fluren und im Gebäude verstärkt Aufsicht geführt werden. Die strikte Einhaltung der Maskenpflicht ist dabei unabdingbar. „Denkbar ist auch, dass wir die alte Sporthalle als eine Art Pausenraum nutzen“, sagt der Schulleiter. „Aber wir leben gerade von Woche zu Woche.“ Priorität habe nun, den Präsenzunterricht so gut es geht aufrechtzuerhalten. „Das ist auch das wichtigste Anliegen der Eltern“, sagt Medinger.

Doch auch am Goethe-Gymnasium gebe es einige Lehrkräfte, die ihren Unterricht in Präsenz vor den Klassen aus gesundheitlichen Gründen aktuell nicht halten können. Während einiger Elternabende und vielen Elternmails sind auch deshalb laut Medinger Bedenken gegen weiteren Fernunterricht für einige Klassen vorgetragen worden. Deshalb wolle man den Unterricht – wo es eben geht – auf die vorhandenen Lehrkräfte verteilen, um den Präsenzunterricht zu sichern. „Die Lehrer, die nicht vor den Klassen unterrichten können, arbeiten dementsprechend zu“, sagt der Schulleiter. Gerade in der Kursstufe solle Fernunterricht unbedingt vermieden werden. „Das Abitur hat einfach Vorrang“, sagt Medinger.

Auch Hanna und Franziska sind froh, wieder vor Ort unterrichtet zu werden. „Es klappt alles viel besser, es ist interessanter und außerdem ist es auch schön, die Klassengemeinschaft wieder zu spüren“, sagt die 17-jährige Franziska. Die Masken haben sich mittlerweile eingebürgert und gehören dazu, wie Hanna sagt. Sind die Schüler an ihrem Platz, darf der Mund- und Nasenschutz im Klassenraum abgezogen werden. Schade finden beide, dass Aktivitäten wie Studien- oder Kursfahrten oder auch die Kooperationskurse aktuell nicht stattfinden können. „Es fühlt sich an, als würde ein Teil fehlen“, sagt Hanna.

Autor: