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„Maskenpflicht fällt viel zu früh“

Ab Montag müssen Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrerinnen und Lehrer keine Maske mehr in der Schule tragen. Foto: Sebastian Gollnow
Ab Montag müssen Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrerinnen und Lehrer keine Maske mehr in der Schule tragen. Foto: Sebastian Gollnow
Wenn am Sonntag die Coronamaßnahmen wegfallen, dann hat das auch Auswirkungen auf die Schulen. Denn Schüler und Lehrer sind dann nicht mehr verpflichtet, eine Maske im Unterricht zu tragen. Für die meisten Rektoren im Kreis kommt das viel zu früh. Denn schon jetzt ist der Personalausfall sehr hoch.

Kreis Ludwigsburg. „Wir hätten uns gewünscht, dass die Coronamaßnahmen bis zu den Osterferien fortgeführt worden wären, da die Inzidenzen aktuell noch sehr hoch sind und nach den Osterferien ein Rückgang zu erwarten ist.“ Wie Bernhard Bleil, geschäftsführender Schulleiter für die Ludwigsburger Schulen, und Mathias Hilbert, der für die Gymnasien zuständig ist, sehen es die meisten Rektoren im Kreis Ludwigsburg. „Warum bleibt die Maskenpflicht in der S-Bahn erhalten und in einem Klassenzimmer, in dem über 30 Menschen über lange Zeit zusammensitzen, fällt sie weg“ wundert sich Jörg Fröscher von der Theodor-Heuglin-Gemeinschaftsschule in Ditzingen.

Freiwillig weiter Masken tragen

„Das ist eindeutig gefährlich“, warnt auch Ulrich von Sanden, Schulleiter am Schillergymnasium in Ludwigsburg. „Damit entfällt auch ein wichtiges Stück Sicherheitsgefühl“, beklagt zudem Volker Müller, Rektor am Friedrich-Schiller-Gymnasium in Marbach. Seine SMV habe ihn schon gefragt, ob die Masken nicht trotzdem getragen werden könnten. „Das empfehlen wir auf jeden Fall“, so Müller. Und auch René Coels von der OPS in Freiberg wird die FFP2-Maske weiterhin tragen „und sehe darin einen guten Schutz für sich selbst und andere“. Diese Meinung teilen seine Kollegen und werden deshalb den Schülerinnen und Schülern sowie dem Kollegium am Montag empfehlen, die Maske freiwillig auf die Nase zu setzen.

Schutz der Abiturienten

Zwar könne man niemanden dazu zwingen, da es sich hier um Landesverordnung handle, die eindeutig über dem Hausrecht der Rektoren steht. „Aber wir werden es allen empfehlen, die Maske zu tragen, um sich vor einer Ansteckung zu schützen“, so Nicole Stockmann, Leiterin des Ellentalgymnasiums in Bietigheim-Bissingen. Gerade für die Schülerinnen und Schüler, die kurz vor den Abschlussprüfungen stünden, sei es wichtig, dass sie sich schützen. „Denn eine Infektion könnte die gesamte Abschlussprüfung über den Haufen werfen“, ergänzt Stefan Ranzinger vom Beruflichen Schulzentrum in Bietigheim-Bissingen. Vorbehaltlich der Entwicklungen in den nächsten Wochen können die diesjährigen Abschlussprüfungen nach Ostern laut Kultusministerium ohne Einschränkungen durchgeführt werden. Das bedeutet, dass auch die räumliche Trennung von immunisierten bzw. getesteten und ungetesteten Schülerinnen und Schülern nicht mehr erforderlich sein wird.

Information kommt zu spät

Ranzinger ist auch verärgert, dass das Kultusministerium bis Donnerstag keine offizielle Information an die Schulleitungen geschickt hat, wie es ab Montag weitergeht. „Die mangelhafte Informationspolitik aus dem Kultusministerium zieht sich wie ein roter Faden durch die Pandemie“, sagt Ranzinger. Schon am Dienstag hatte die Pressestelle auf LKZ-Anfrage mitgeteilt, dass die Maskenpflicht an den Schulen ab Montag entfalle. Damit entspreche man den Vorgaben aus Berlin. Das Kultusministerium teilte gestern auf Anfrage jedoch mit, dass die Schulleitungen am Donnerstag informiert worden seien und es auch zahlreiche Gespräche dazu gegeben habe. Tatsächlich kam die Information zumindest bei Ranzinger am Donnerstagabend um 20.16 Uhr per Mail an.

Tests werden reduziert

Schülerinnen und Schüler sind weiterhin zweimal pro Woche und die Beschäftigten an jedem Präsenztag zu testen, heißt es vom Kultusministerium. Diese Regel gilt schon seit dem 14. März. Einige Rektoren sehen die Reduzierung des Test-Angebots kritisch. „Wir werden damit nicht alle Infizierten rausfischen können“, so Rektor Fröscher. „Zwei Tests sind definitiv zu wenig“, ist Ulrich von Sanden überzeugt.

Kritik von den Eltern

Auch die Eltern sind nicht begeistert vom Wegfall der Maskenpflicht. „Das passt nicht zur Entwicklung der Infektionszahlen“, sagt Heike Schlegel, Vorsitzende des Gesamtelternbeirates in Bietigheim-Bissingen. Sie werde den Schülern empfehlen, die Masken freiwillig mindestens bis Ostern zu tragen. Dies sei auch mit den übrigen Elternbeiräten im Kreis abgestimmt.

Personalausfall wegen Corona

Die Schulen befürchten, dass mit dem Ende der Maskenpflicht der Personalausfall weiter in die Höhe schnellt. Schon jetzt sei der Krankenstand deutlich höher als in normalen Jahren. In der Regel fehlten zwischen acht und zwölf Prozent der Pädagogen. „Die Reserven sind bei allen am Schulleben Beteiligten aufgebraucht“, so René Coels aus Freiberg. Im Moment könnten ausfallende Lehrkräfte nicht ersetzt werden, heißt es von den geschäftsführenden Rektoren aus Ludwigsburg.