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Mehr als Bücher: „Bibliothek der Dinge“ in Planung

Warum soll man in einer Bücherei nur Bücher ausleihen können? Warum nicht ein Raclettegerät, eine Nähmaschine oder eine Oboe? In Marbach soll eine sogenannte „Bibliothek der Dinge“ Realität werden.

Marbach. Franziska Kunz, die rührige Leiterin der Stadtbücherei, ist immer auf der Suche nach Innovationen, die ihre Einrichtung voranbringen. So hat sie sich jetzt das Thema „Bibliothek der Dinge“ vorgenommen, ein Angebot, das bislang eher im (groß-)städtischen Bereich – zum Beispiel auch in Ludwigsburg – unterbreitet wird. Vorausgesetzt, die Marbacher Bücherei erhält eine Förderung aus dem Bundesprogramm „Vor Ort für alle“, könnte es noch in diesem Jahr losgehen.

Gegenstände, die man nicht ständig braucht, werden verliehen

Im Kern geht es bei diesem Modell darum, dass Gegenstände verliehen werden, die nicht ständig in Gebrauch sind. Franziska Kunz könnte sich eine Mischform vorstellen zwischen Dingen, die die Bücherei gezielt mit dem Geld aus dem Förderprogramm anschafft und verleiht, und Dingen, die Bürger zur Verfügung stellen. Hier kommt auch die Nachhaltigkeitsgruppe ins Spiel, die sich vor einigen Jahren in Marbach gegründet hat, und bereits einen virtuellen Verleihladen betreibt.

Auf der Homepage www.n-gruppe.org gibt es derzeit 24 Dinge, die Bürger kostenlos an andere Bürger verleihen. Das reicht von „zwei praktischen Klappstühlen“ über einen Tagesrucksack für Wanderungen oder einem Hochdruckreiniger bis zur Sackkarre und einer Fondueausstattung. „Mit dem virtuellen Leihladen wollen wir die Marbacher Schätze in Kellern, Dachböden und Zimmerecken sichtbar und nutzbar machen. Wir leihen uns gegenseitig aus, was eh schon da ist“, überschreibt die N-Gruppe diese Möglichkeit nachhaltiger Nutzung.

Ein nachhaltiges Angebot

Die Frage der Nachhaltigkeit treibt auch Franziska Kunz bei ihren Überlegungen um. „Der Zeitpunkt, die Bibliothek der Dinge einzuführen, wäre jetzt ideal, wo jeder Haushalt mit steigenden Kosten zu kämpfen hat und sich die Frage stellt: Was brauche ich wirklich“, so die Büchereileiterin im Gespräch mit unserer Zeitung. Sie hofft, Anfang August einen positiven Förderbescheid in Händen zu halten und dann in die Detailplanung gehen zu können. 11000 Euro werden insgesamt beantragt, zu dieser Summe müsste die Bücherei einen Eigenanteil von 2700 Euro beisteuern.

6000 Euro möchte Franziska Kunz für die „Bibliothek der Dinge“ einsetzen, mit dem restlichen Geld eine Rückgabebox für die Zweigstelle der Bücherei in Rielingshausen anschaffen. Eine solche Box, die für die Rückgabe von Medien außerhalb der Öffnungszeiten der Bücherei gedacht ist, gibt es in Marbach seit nunmehr einem Jahr. „Das Angebot wird von unseren Kunden sehr gut angenommen“, freut sich Franziska Kunz.

Bildungspartner der Schulen und Kindergärten

Darüber hinaus sieht Kunz die wichtigste Aufgabe für die Bücherei in diesem Jahr darin, in der Pandemie verlorene Kunden wieder zurückzugewinnen und ihre Rolle als Bildungspartner in Kooperation mit den Kindergärten und Schulen neu zu etablieren. Weil seit Corona vor allem ältere Menschen der Einrichtung fern bleiben, hofft Franziska Kunz, dass sich der weiterhin angebotene Lieferservice bei dieser Klientel noch mehr herumspricht und angenommen wird.