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„Mehr als nur ein Waschhaus“

Passendes Ambiente: Autorin Beate Volmari präsentiert gemeinsam mit Bürgermeister Ralf Trettner das Buch über die Gemeindewaschküche und den Tierzuchthof. Foto: Ramona Theiss
Passendes Ambiente: Autorin Beate Volmari präsentiert gemeinsam mit Bürgermeister Ralf Trettner das Buch über die Gemeindewaschküche und den Tierzuchthof. Foto: Ramona Theiss
In ihrem Buch „Mit voller Deckung und allen Wassern gewaschen“ hält Beate Volmari die Geschichte der Pleidelsheimer Gemeinschaftsanlagen, zu denen auch ein Tierzuchthof gehörte, lebendig. Anekdoten und Bilder spiegeln ihren großen Stellenwert im gesellschaftlichen Leben wider.

Pleidelsheim. Ein bisschen so wie früher im Waschhaus ist es gewesen, als Beate Volmari ihr Buch über die Gemeinschaftsanlagen der Gemeinde Pleidelsheim jüngst vorstellte. Man kam zusammen mit gutem Grund und tauschte Neuigkeiten aus. Denn getratscht werde natürlich früher wie heute nicht im Ort, sagt Volmari augenzwinkernd. Auf Anregung des Bürgermeisters Ralf Trettner hat sich die Kulturwissenschaftlerin, freie Journalistin und Autorin der Historie der örtlichen Gemeinschaftsanlagen angenommen, zu denen neben dem Waschhaus auch der Tierzuchthof gehörte. Der Anlass: Die Gebäude sollten einem Supermarkt und Wohnbau weichen. Damit die einst für die Gemeinde so wichtigen Einrichtungen nicht in Vergessenheit geraten, wollte er ihnen mit der Herausgabe eines Buches über sie ein Denkmal setzen lassen.

Knapp 100 Seiten dick ist nun dieses Andenken, das die Ludwigsburger Druckerei Ungeheuer+Ulmer unter dem Titel „Mit voller Deckung und allen Wassern gewaschen“ für die Kommune realisiert hat. Inzwischen steht zwar das Waschhaus unter Denkmalschutz, darf also doch nicht abgerissen werden. Eine wertvolle Dokumentation der Zeitgeschichte ist das Buch dennoch. Zahlreiche Fotografien hat Volmari dafür aus den Anfängen der Gemeindeeinrichtungen bis heute zusammengetragen. Sie machen nicht nur die Arbeit dort anschaulich, sondern zeigen die Gemeinschaftsanlagen auch als einen wichtigen Teil des gesellschaftlichen Lebens in der Gemeinde. Im Besonderen gilt dies für das Waschhaus, dem sich auch der Hauptteil des Buches widmet.

„Das Waschhaus war mehr als nur ein Waschhaus. Es war ein wichtiger Treffpunkt für die Frauen im Ort“, berichtet Volmari von den Gesprächen, die sie mit vielen Zeitzeuginnen geführt hat. Dabei erfuhr sie auch so manch eine Anekdote. „Eine ältere Frau beispielsweise erzählte mir, dass sie ihre dreckige Wäsche in der Bettlade versteckt hat, damit ihre Töchter diese nicht zum Waschen mitnehmen. Denn dann hätte sie keinen Grund mehr gehabt, selbst ins Waschhaus zu gehen.“ Diese und weitere persönliche Erinnerungen hat Volmari ebenfalls in ihrem Buch festgehalten. Sie machen zum einen die Geschichte der Einrichtung lebendig, in der vor allem vor Festtagen Hochbetrieb herrschte, während Kinder in den Trögen badeten oder Verstecke spielten. Zum anderen drücken sie aber auch den großen Stellenwert aus, den das Waschhaus behalten hat, trotzdem Waschmaschinen für zu Hause auch in Pleidelsheimer Haushalten Einzug hielten.

„1950 gab es über 100 Gemeindewaschküchen in Baden-Württemberg“, berichtet Volmari. In den 1970er und 1980er Jahren habe jedoch eine nach der anderen den Betrieb eingestellt. Nur in Pleidelsheim drehten sich die Waschtrommeln weiter und liefen die Mangeln heiß – bis ins neue Jahrtausend hinein. Mehrfach hätten die Pleidelsheimerinnen Bestrebungen der Gemeinde, die Waschküche zu schließen, abwehren können. Als dann jedoch 2003 das Landratsamt Ludwigsburg den Pleidelsheimer Haushalt nicht genehmigte, „stand der Gemeinde das (Wasch)wasser buchstäblich bis zum Hals“, schreibt Volmari über das Ende der kommunalen Einrichtung. Inzwischen wird dort zwar wieder gemangelt und gewaschen. Aber nicht mehr von angestellten Waschmeisterinnen und Mangelfrauen. Anni Entenmann sorgt ehrenamtlich für saubere Wäsche in Rathaus, Kindergärten und Schule.