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Mehr Stunden gegen Lerndefizite

Eineinhalb Jahre Corona haben bei den Schülern Spuren hinterlassen. Die pandemiebedingten Lerndefizite sind von vielen nur schwer wieder aufzuholen – auch wenn Schulleitung und Lehrkräfte der Oscar-Paret-Schule (OPS) große Anstrengungen unternommen haben, die Lücken so gering wie möglich zu halten. Deshalb laufen dort schon seit Wochen die Planungen für die Aufarbeitung der Defizite im neuen Schuljahr.

Viele Schüler haben in diesem Schuljahr erhebliche Lerndefizite erlitten. Diese gilt es nach den Sommerferien auszumerzen. Foto: Felix Kästle/dpa
Viele Schüler haben in diesem Schuljahr erhebliche Lerndefizite erlitten. Diese gilt es nach den Sommerferien auszumerzen. Foto: Felix Kästle/dpa

Freiberg. Um Stoff aufzuholen und coronabedingte Lernlücken zu schließen, bietet das Kultusministerium auch dieses Jahr in den letzten beiden Wochen der Sommerferien freiwillige Lern- und Förderkurse unter dem Namen Lernbrücken an. Ein weiteres Landesprogramm nennt sich „Bridge the Gap“. Lehramtsstudierende sollen dabei als Aushilfslehrer eingesetzt werden – aber nicht in Freiberg, weil die Schule „für den einen Monat“ keine Empfehlungen aussprach. Im Zuge des Unterstützungsangebots, das auch in der Oscar-Paret-Schule gestartet ist, sollen Kinder mit je vier Förderstunden pro Woche individueller gefördert und Lernrückstände, so gut es geht, aufgeholt werden. Dazu soll außerdem das Förderprogramm „Rückenwind“ beitragen, bei dem Schulen ebenfalls Lehramtsstudierende zur Unterstützung einsetzen können. Doch wie der Rückenwind für die Schulen aussieht, wurde noch nicht formuliert. „Uns fehlen die Informationen zu den Rahmenbedingungen“, bedauert Schulleiter René Coels.

Dass er mal wieder in der Luft hängt und gewissermaßen ins Blaue hinein planen muss, ist für ihn nichts Neues. So vermisst er auch die generellen Rahmenbedingungen seitens des Kultusministeriums für das neue Schuljahr. Vergangenes Jahr um diese Zeit hätte es bereits Informationen darüber gegeben, wie es beispielsweise mit der Bildung von festen Kohorten, dem gemeinsamen Sportunterricht von Jungen und Mädchen, den Schüleraustauschen, der Durchmischung von Jahrgängen und der Gestaltung des Mensabetriebs aussehen soll. „Diese Informationen sind wichtig für die Lehrerplanung“, sagt Coels und hofft, sie zügig zu erhalten.

Dennoch haben sich die drei Rektoren der OPS René Coels (Gymnasium), Petra Schwinghammer (Gemeinschaftsschule) und Timo Kuschnier (Realschule) Gedanken darüber gemacht, wie sie das neue Schuljahr vorbereiten und bei den Schülern entstandene Lerndefizite aufholen können. So stehen die ersten beiden Wochen nach den Sommerferien unter dem Motto „Ankommen“. Dabei soll für eine funktionierende Klassengemeinschaft das soziale Miteinander gestärkt werden und gleichzeitig die Rhythmisierung des Unterrichtstags im Vordergrund stehen. In den Wochen drei und vier soll per Diagnosetest der Wissensstand der Schüler geprüft werden. Bereits im Juli wird die Übergabe der Klassen von einem Lehrer an den anderen vorbereitet. So erfahren die übernehmenden Lehrer, welche Einheiten im Homeschooling und welche in Präsenz unterrichtet wurden und wo die Schwierigkeiten stecken. Diagnose und Übergabe der Klassen: Daran orientiert sich laut Coels „die Stoffverteilung, die Förderung und die Empfehlung an die Schüler für die Teilnahme an den Förderangeboten in den Hauptfächern“.

Im Gymnasium können sich die Schüler für das Hauptfächer-Förderprogramm anmelden. Hier gibt es für die Klassenstufen sechs bis zehn sowie für die Kursstufe eine zusätzliche Förderung. Für die Fünftklässler wird die Anzahl der Wochenstunden in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch von vier auf fünf erhöht. „Das ist ein freiwilliges Zusatzangebot – wir nehmen die Stunden dafür aus unserem Kontingent für Pflicht- und Zusatzangebote“, so Coels.

In der Gemeinschaftsschule sieht Rektorin Petra Schwinghammer „gute Chancen, im Ganztag das soziale Miteinander in den Mittelpunkt zu stellen“. Denn dieses sei eine Voraussetzung für gutes Lernen. Es sei wichtig, insbesondere in den Kern-, Wahlpflicht- und Profilfächern die Defizite aufzuarbeiten. Um individuell planen zu können, müsse abgewartet werden, „inwieweit wir durch das Programm Rückenwind auch Rückendeckung bekommen“, sagt die Rektorin. So viel steht bereits fest: Weil die Siebt- und Achtklässler im laufenden Schuljahr am wenigsten Unterricht bekommen haben, werde für sie pro Woche eine Doppelstunde für individuelle Förderung vorgehalten. Welcher Schüler in welchem Fach Bedarf hat, werde die zuständige Lehrkraft ermitteln.

Für Timo Kuschnier, Rektor der Realschule, ist es wichtig, die Stunden der vorhandenen Kontingente zielgerichtet zu verwenden. So erhalten die Fünfer und Neuner in Deutsch und Mathematik fünf statt vier Wochenstunden. Bei den Zehntklässlern wird die Anzahl der Stunden ebenfalls auf fünf pro Woche erhöht, und zwar in den Fächern Deutsch, Mathe und Englisch. Außerdem wird es je nach Bedarf auch im regulären Unterricht Förderstunden geben, die auf mehrere Klassenstufen verteilt werden. Dabei wird es laut Kuschnier Teamteaching geben, bei dem mehrere Lehrer verschiedene Gruppen unterrichten. „Wir wollen nicht nur Defizite aufarbeiten, sondern auch diejenigen Schüler fördern, die sich verbessert haben“, sagt er. In der Zeit nach den Sommerferien sei einmal mehr von allen Beteiligten von den Schülern über die Lehrer bis hin zu den Eltern Flexibilität gefragt.

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